Der begeisterte Velofahrer Hans-Peter Wessels (50) etabliert sich als Basler Baudirektor, der ebenso leidenschaftlich für Autobahn-Tunnels eintritt. Neuste Idee des Sozialdemokraten: Der Bau eines Westtunnels vom Zoo-Dorenbach bis zu den Ein- und Ausfahrten am Luzernerring der Nordtangente. Jürg Röthlisberger, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), sagt: «Auch diese Idee nehmen wir dankbar entgegen und unterziehen sie zunächst einer grundsätzlichen Analyse.»

Unterirdische Ringautobahn

Clou des West-Tunnels wäre, dass Basel über eine fast vollständig unterirdische Ringautobahn verfügen würde. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch der Gundeli-Tunnel vom Bahnhof Wolf bis zum Dorenbach-Viadukt sowie der neu projektierte Autobahntunnel «Bypass Ost» vom Gellertdreieck unter dem Rhein hindurch bis zum Schwarzwaldtunnel realisiert werden.

Irritierend ist, dass Baselland innerhalb des Entwicklungsplans Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) just im Gebiet des West-Tunnels einen 400 Millionen Franken teuren Auto-Stadttunnel vom Basler Dorenbach-Viadukt bis zur Landesgrenze plant. Dieser Tunnel sei aber nicht mit dem Basel Westtunnel zu vergleichen, betont der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi gegenüber der «Schweiz am Sonntag». «Unsere Tangente mit vielen Anschlüssen soll eine ganze Region vom Verkehr entlasten, während der Basler Tunnel die Autobahn entlasten soll», sagt Jacobi.

Zwei neue Verkehrsachsen so nahe nebeneinander zu legen, macht für Kantonsingenieur Jacobi «aus heutiger Sicht» wenig Sinn. Elba stehe jedoch am Anfang der Planung: «Es bleibt noch genügend Zeit, zusammen mit den Behörden von Basel-Stadt eine sinnvolle Lösung zu finden», sagt Jacobi. Nach Informationen der «Schweiz am Sonntag» wurden auf Regierungsstufe erste Gespräche geführt.
Aus Sicht von Basel-Stadt ist der West-Tunnel zwar ein wichtiges Puzzle für eine Ringautobahn. Höchste Priorität hat aber eine Lösung im Osten. Im Brennpunkt steht hier die Osttangente, der Autobahn-Abschnitt der A2 zwischen Schwarzwaldtunnel und Gellertdreieck, der als einer der grössten Autobahn-Flaschenhälse der Schweiz gilt. Ihre geplante Kapazität ist mit bis zu 150 000 Fahrzeugen im Tag schon seit Jahren überschritten. Gegen einen ersten Lösungsansatz des Bundes, der vorsah, den Engpass oberirdisch mit zwei zusätzlichen Fahrspuren zu beseitigen, liefen Anwohner Sturm und sammelten 11 000 Unterschriften für einen Tunnel.

Tunnel für Osttangente

Angesichts dieses Drucks einigten sich die Basler Regierung und das Astra vor kurzem auf eine «Bestvariante», den «Bypass-Ost-Tunnel». Dennoch belässt der Bundesrat die oberirdische Erweiterung der Osttangente im Bundesbeschluss «über das zweite Programm zur Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz und über die Freigabe der Mittel», der letzte Woche in die Vernehmlassung ging.

Röthlisberger sagt, das Astra überprüfe derzeit den Bypass-Ost-Tunnel auf Projektinhalte, Chancen und Risiken, Bauzeit, Baulogistik, Umweltverträglichkeit bis zu den Kosten auch für Betrieb und Unterhalt. Für die Erweiterung der Osttangente sind im Bericht der Vernehmlassung weiterhin 915 Millionen Franken angegeben. Eine Tunnellösung dürfte mindestens das Doppelte kosten. Beim Gundeli-Tunnel» steht seit geraumer Zeit fest, dass das Projekt um die 615 Millionen Franken kostet, wovon der Bund 400 Millionen Franken übernehmen würde. Beim West-Tunnel gibt es noch keine Zahlen. Klar ist, dass dieses neue Projekt einen Netzbeschluss des Bundesparlaments nötig macht. Eine Realisierung in den nächsten zwanzig Jahren scheint damit unrealistisch.

Auch wenn Velofahrer Wessel sich derzeit Gedanken macht, das Autofahren zu erlernen, ist nicht anzunehmen, dass er sein Auto noch als amtierender Regierungsrat durch einen der geplanten Autobahn-Tunnel fahren wird.