Zur frühen Morgenstunde auf dem Heimweg. Der Schritt etwas unbeholfen – nein, nicht wegen des Alkoholkonsums. Was hat mich nur geritten, dass ich auf die Idee kam, Cowboy-Stiefel anzuziehen? Die sind fürs Reiten gemacht. Aber das mit den Pferden ist so eine Sache an der Fasnacht. Und Trommeln hoch zu Ross ginge sowieso nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf dem Heimweg also gehe ich über den Marktplatz. Aus einem Tramwartekabäuschen heraus prosten mir einige Jugendliche in Zivil mit Bierflaschen und -büchsen zu. Oje, denke ich. Betrunkene Jugendliche, die wohl direkt vom Gelage im Gläbbergässli kommen und nun darauf aus sind, einen Kostümierten anzupöbeln.

Aber weit gefehlt. Ich grüsse freundlich zurück und werde sogleich gelobt, was für ein schönes Baseldytsch ich doch spreche. Sie kämen vom Land – ganz wyt vo dört hinde. Die Fasnacht sei das Grösste, sagt eine junge Frau. Und ein junger Mann neben ihr setzt noch eins drauf: «Ich möchte Dir danke sagen, dass du uns eine so tolle Fasnacht bescherst.»

Wow, die können ja unglaublich nett sein, diese Landschäftler. Und als ich sage, dass ich jetzt ins Kleinbasel heimstapfe, beginnen die Augen der jungen Frau zu leuchten: «Im Kleinbasel will ich auch wohnen, wenn ich von zu Hause ausziehen werde.»

Die Worte dieser jungen Frau in den Ohren der Altgardisten der Alte Stainlemer, die mit ihrem xenophoben Sujet zurecht (und zum Glück) viel Kritik einstecken müssen: Eine Laterne wie ein SVP-Plakat und Verse, die von Alt-Grossrat Eric Weber stammen könnten.

Das Kleinbasel als Vorhölle der Überfremdung? Die junge Baselbieterin weiss es besser. Das Kleinbasel als lebendiger und spritziger Teil dieser Stadt, wo man gerne leben möchte. Und etwas beschwingter stapfe ich trotz schmerzenden Füssen weiter zum Blumenrain, durch die St. Johanns-Vorstadt und über die Johanniterbrücke heim in mein Kleinbasel.