Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels darf sich zufrieden auf die Schulter klopfen: Die Zufriedenheit mit der Verkehrssituation in Basel ist überdurchschnittlich hoch. Fast drei Viertel der Einwohner sind sehr oder eher zufrieden. Das geht aus einer Befragung hervor, die der Schweizer Städteverband zusammen mit sieben Städten vom Institut gfs Bern durchführen liess. Untersucht wurde die Situation in Basel, Bern, Zürich, Nyon, Lausanne, St. Gallen und Freiburg. Gestern wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Die Zufriedenheit von Herr und Frau Basler mit der hiesigen Verkehrssituation ist auch im Vergleich zur Gesamtstudie überdurchschnittlich hoch. Allerdings hat die Sache einen Haken. Denn bei der Zufriedenheit muss deutlich unterschieden werden zwischen den einzelnen Fortbewegungsarten. So sind die Fussgänger mit 85 Prozent klar am zufriedensten. Mit über 75 Prozent ebenfalls sehr zufrieden zeigt sich, wer hauptsächlich mit öV oder Velo unterwegs ist. Begründet wird das vor allem mit der guten Veloinfrastruktur und der Qualität des öffentlichen Verkehrs.

Anders sieht es bei den Autofahrern aus. Sie sind mit 51 Prozent nur knapp mehrheitlich mit den Bedingungen zufrieden. Für die Studienverfasser ist denn auch klar: Basel ist eine Velostadt. 71 Prozent aller Bewohner haben ein Velo. Nur gerade acht Prozent der Einwohner sind hauptsächlich mit dem Auto unterwegs.

Das allerdings liege nicht alleine an den guten öV-Verbindungen, sondern auch an mangelnden und teuren Parkmöglichkeiten. Dieses Problem werde nicht nur von Autofahrern, sondern von der allgemeinen Bevölkerung wahrgenommen. «In Verbindung mit der Preissensibilität der Autobesitzer sowie der im Oktober 2018 angekündigten Verteuerung der Anwohnerparkkarte ist zu erwarten, dass das Thema Parkplätze in Basel weiter an Fahrt gewinnen wird», bilanzieren die Studienverfasser.

«Kritik auf hohem Niveau»

Grundsätzlich gilt: Verkehrsbehinderungen, Parkplatzmangel und Lärmbelastung sind in den meisten befragten Städten negative Folgen des Verkehrs, von denen die Bevölkerung am häufigsten betroffen sind. In Basel, Bern und Zürich erlebt sie zudem überdurchschnittlich oft Gefahrensituationen mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Gleichzeitig wird in allen befragten Städten eine stärkere Gewichtung des Fuss- und Veloverkehrs begrüsst. Ergänzend dazu zieht ein «relevanter Anteil» der Befragten in allen Städten viel öffentlichen Raum ohne Verkehr gegenüber viel Platz für ruhenden und fliessenden Verkehr vor. Trotz der grundsätzlich hohen Zufriedenheit würden sie für die Aufenthaltsqualität der Stadträume und die Veloinfrastruktur mehr Ressourcen bereitstellen als heute. Ansonsten ist von «Kritik auf hohem Niveau» die Rede.

Einzig bei den Parkplätzen sei die Problemwahrnehmung derart breit, «sodass die Einwohner hier am ehesten eine Lösung von der Politik erwarten dürften», bilanziert die Studie. Damit ist wieder Regierungsrat Wessels gefordert.