Was hat Veranstalter Eric Julliard nicht alles versprochen im Voraus: Das diesjährige Basel Tattoo habe deutlich mehr schottischen Einfluss als bisher, der Dudelsack stehe im Zentrum der knapp zweistündigen Show. Das passt, denkt sich wohl jeder Fan.

Schottland als Ursprungsland des Military Tattoo wird zur Inspiration und hilft dem Basel Tattoo, sich selbst zu finden. Zahlreiche Dudelsack-Formationen aus der ganzen Welt sind eingeladen. Das kann nur gut kommen.

Letzte Proben vor dem Basel Tattoo

Letzte Proben vor dem Basel Tattoo

   

Blöd nur, dass bei der Generalprobe klar wird: Der neue Schottland-Fokus mag auf dem Papier geplant worden sein, in der Realität aber ist er schlicht nicht ersichtlich. Dies, weil die verschiedenen Dudelsackformationen meist zusammen auftreten. Das ist eindrücklich, ja, aber nur von kurzer Dauer.

Gefühlt gleich häufig treten in der Arena auf dem Kasernenareal nämlich junge Texanerinnen mit kurzen blauen Röckchen und goldenen Glitzerwedeln auf. Auf ihren Gesichtern ein eingefrorenes Lächeln, das eher furchteinflössend als glücklich wirkt, schwingen sie ihre Beine hoch und höher. Die im Publikum anwesenden Soldaten freuts: Sie applaudieren begeistert.

Völlig deplatziert wirken die Cheerleaderinnen hingegen beim grossen Finale: Fünfzehn Minuten lang stehen sie regungslos wie Schaufensterpuppen in der vordersten Reihe und strahlen das Publikum an, während die Musikformationen ein eigens für die Show komponiertes Gedenklied für die Opfer des Ersten Weltkriegs spielen. Ein inszenatorischer Missgriff par excellence: Der übertrieben fröhliche Amerika-Kult stiehlt dem Tattoo auch sein letztes Fünkchen Tiefgang.

Kleine Formationen fallen auf

Das ist schade, denn die Beteiligten arbeiten mit grossem Einsatz und Konzentration. Die grosse Masse der Beiträge besteht aus bekannten Märschen und überdrehten Amerikanerinnen. So heben sich die Gruppen ab, die leisere Töne anschlagen. Häufig sind das die kleineren Formationen, allen voran die «Military Brass Band 194 Pontoon Bridge Regiment» aus der Ukraine.

Stachen hervor: Military Brass Band 194 Pontoon Bridge Regiment

  

Das Orchester, das auch schon im Rahmenprogramm der Fussball-EM 2012 auftrat, fällt mit seiner modernen Interpretation osteuropäischer Tanzmusik auf. Die ukrainischen Musiker haben sich für den Auftritt in Basel ein abwechslungsreiches, witziges Kurzprogramm überlegt. «Die sind gut, noch lustig», kommentiert ein Zuschauer.

Weiter gehts mit der einheimischen Trommelformation «Top Secret», die für ihr virtuoses und exaktes Spiel bekannt ist. Die Erwartungen an sie sind gross. Nach der fünfminütigen Einlage dann das ernüchternde Fazit der Begleitperson, ihrerseits ein eingefleischter Tattoofan: «Die haben heute nicht alles gegeben.» Dennoch liegen die Basler mit ihrer Präzision und ihren Feuereffekten nie falsch und gehören zu den Publikumslieblingen.

Bunte Show ohne Fokus

Genauso beliebt, aber moderner sind die «Red Hot Chilli Pipers» aus Grossbritannien. Die Band kombiniert E-Gitarre mit Dudelsack und verwischt damit die Grenzen zwischen Tradition und Moderne.

Mit diesem Konzept passt sie ideal zum diesjährigen Tattoo-Programm. Die Verantwortlichen demonstrieren damit nämlich ihren Mut, Neues auszuprobieren. Dieser ist ihnen hoch anzurechnen. Dennoch wäre ein klarer Fokus von Vorteil gewesen. Eine prägnante Rückbesinnung auf schottische Traditionen hätte der Show gutgetan. So wirkt das Programm etwas gar bunt zusammengewürfelt.

 

«Basel Tattoo», noch bis zum 28. Juli auf dem Kasernenareal Basel.