Es war eine 0900-Nummer, über die der Mann im Jahr 2010 «Fabienne» kennenlernte: Sie rief ihn schliesslich immer wieder an, er rief zurück, und so plauderte man mehrmals in der Woche stundenlang zu jeweils fünf Franken pro Minute. Dass die Frau selbstverständlich nicht Fabienne hiess, erfuhr der in Allschwil wohnhafte Mann erst Jahre später von der Polizei.

Ob es bei den Plaudereien um Partnervermittlung, ums Flirten oder nur ums Plaudern für einsame Herzen ging, blieb gestern vor dem Strafgericht in Muttenz offen: Die Justiz kümmert sich normalerweise nicht um diese «Mehrwertnummern».

Doch die Frau verlor die Stelle im Jahr 2013, und danach nahm sie auf eigene Rechnung Kontakt mit dem Mann auf: Mehrmals monatlich traf sie ihn in Allschwil, man ging zusammen etwas trinken, und er gab der arbeitslosen Frau Geld. Um ihre Bedürftigkeit zu unterstreichen, erfand sie Geschichten: Sie brauche vorübergehend Geld, weil ihr Stiefvater ihr Bankbüchlein gestohlen habe, weil sie vergewaltigt worden sei und deshalb Gerichtskosten zahlen müsse, ausserdem würde ihr aus einem Erbstreit noch viel Geld zustehen. Dazu sandte sie ihm auch im Namen ihrer angeblichen Chefin und eines fiktiven Anwaltes SMS, um Druck aufzusetzen. 

Tatsächlich hatte sie damals Ärger mit einem ehemaligen Arbeitgeber, der Rest war allerdings frei erfunden. Laut seiner Buchhaltung übergab ihr der 52-jährige Betriebsinhaber jeweils in bar Beträge zwischen 3'000 und 8'000 Franken, insgesamt 145'000 Franken. Die Sache flog auf, weil der Buchhalterin des 52-Jährigen die Ausgaben für «Fabienne» auffielen.

Wo das Geld blieb, ist unklar. «Sie hat wohl in Saus und Braus gelebt», meinte der Mann im Gerichtssaal kurz und knapp. Staatsanwalt Jörg Rudolf verlangte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten wegen gewerbsmässigen Betruges für die Frau. Der Geschädigte sei zwar nicht dumm, aber äusserst leichtgläubig und leide an einer Art Autismus.

Das Dreiergericht kam indes zu einem Freispruch, die für einen Betrug notwendige Arglist sei hier nicht nachgewiesen: Der Mann habe die Gelder ohne Vertrag oder Quittung gegeben und hätte zumindest elementare Abklärungen treffen müssen. Er sei immerhin ein erfolgreicher Geschäftsmann und auch vor Gericht als Auskunftsperson nicht völlig unbeholfen aufgetreten.

Der Freispruch war allerdings eher zweitklassig. «Was Sie gemacht haben ist unbestrittenermassen nicht in Ordnung. Es ist moralisch höchst verwerflich, aber das heisst nicht, dass es auch strafbar ist», begründete Gerichtspräsident Beat Schmidli den Freispruch und sprach von einem «Grenzfall».

Deshalb muss die Frau auch einen Teil der Verfahrenskosten übernehmen. Die 44-Jährige betonte allerdings, der Mann habe ihr insgesamt höchstens 30'000 Franken gegeben. Diesen Betrag will sie ihm nun auch zurückzahlen, allerdings ist sie bereits hoch verschuldet.

Sie hatte vor Gericht eingeräumt, dass ihr Verhalten «nicht korrekt» gewesen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.