Basler Eltern wehren sich vor Bundesgericht gegen einen ablehnenden Entscheid des Erziehungsdepartements. Dieses will verhindern, dass ihr hochbegabter Sohn, der angeblich gemobbt wird, zu Hause statt in einer Klasse unterrichtet wird. Das Appellationsgericht stützte den Behördenentscheid, doch die Eltern haben das Urteil weitergezogen (diese Zeitung berichtete am Samstag darüber).

Dass Basel-Stadt schweizweit zu den restriktivsten Kantonen gehört, was Homeschooling angeht, hat den Verein Elternlobby Schweiz auf den Plan gerufen. Präsidentin Pia Amacher sagt: «Wir sammeln derzeit in Basel-Stadt fleissig Unterschriften für eine Petition, damit Homeschooling erlaubt wird.» Eingereicht werde diese im Herbst, gemeinsam mit einer weiteren Petition zur freien Schulwahl, für die gleichzeitig in acht weiteren Kantonen Unterschriften gesammelt werden.

Unterstützt wird die Unterschriftensammlung in Basel von zwei Ärzten und diversen Personen, die in künstlerischen Berufen tätig sind. Dazu gehört auch der Tänzer und Bewegungspädagoge Julian Voneschen. Er sagt: «Mich stört, dass Kinder gar keine Wahl haben, mit wem sie jahrelang und praktisch täglich im Zimmer sitzen. Eltern und Kinder sollen zusammen aussuchen können, wo das Kind in die Schule geht, denn wenn die Beziehung zum Erzieher schlecht ist, ist der Lerneffekt des Kindes ziemlich gleich null.»

Er selbst kenne das aus eigener Erfahrung als Kind, er habe Lehrer gehabt, die er nicht gemocht habe und bei denen ihm die Lust gefehlt habe, etwas zu lernen. «Was Homeschooling betrifft, ist es so, dass es Kinder gibt, die nicht gemacht sind für eine reguläre Schule. Ich denke da an hochbegabte oder sozialscheue Kinder, die einen speziellen Rahmen brauchen, den ihnen gegebenenfalls nur ihre Eltern bieten können.» Auch das habe er selber erfahren müssen. Als taktiler Mensch brauche er praktische Erfahrung, um etwas zu erlernen. Diese habe ihm die normale Schule kaum geboten, was dazu geführt habe, dass er unterfordert gewesen sei. «Das hat meine ganze Schulzeit sehr belastet», sagt Voneschen.

Die restriktive Praxis des Kantons gegenüber Homeschooling wurde auch schon im Grossen Rat thematisiert. Vor einem knappen Jahr reichte David Wüest-Rudin (Grünliberale) eine entsprechende Interpellation ein. Die Antwort der Regierung war äusserst knapp gehalten – mit der Kernaussage, dass Homeschooling nicht verboten sei, sondern bewilligt werden könne, wenn die im Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt seien. Diese sind allerdings – auch im Vergleich zu anderen Kantonen – sehr umfangreich. So wird Privatunterricht nur bewilligt, wenn «nachweisbar besondere Gründe vorliegen, dass ein Unterrichtsbesuch nicht möglich ist». Zudem muss der Unterricht mit dem Kindeswohl vereinbar und so gestaltet sein, dass der Anschluss an das nächste Bildungsangebot gesichert ist. Und wenn der Privatunterricht länger als ein Jahr dauert, muss die jeweilige Lehrperson über ein anerkanntes Lehrpersonendiplom verfügen.

Unterricht ohne Lehrerdiplom

Im Kanton Aargau hingegen reicht es, wenn die Eltern eine Berufslehre oder die Matur abgeschlossen haben. Entsprechend gross ist auch die Anzahl Aargauer Kinder, die zu Hause unterrichtet werden. Gemäss aktuellen Zahlen des «Tages-Anzeigers» sind es 246 Kinder. Mit 650 Homeschool-Kindern schweizweiter Spitzenreiter ist der Kanton Waadt, der gar keine Mindestvoraussetzungen für Eltern kennt.
Ob die Zugangsschranken auch in Basel-Stadt gesenkt werden, darüber werden Parlament und Regierung beraten, sobald die Petition «Bildung zu Hause ermöglichen» eingereicht worden ist.