Das Basler Marionetten Theater feiert ein kleines Jubiläum. Zum fünften Mal führt das Marionetten Theater die Vorfasnachtsveranstaltung Källerstraich auf. Aber mit wenig Menschen auf der Bühne - sondern vor allem mit Figuren. Das erweist sich als erfolgreicher Zuschauermagnet: Sämtliche Vorstellungen des Källerstraichs sind ausverkauft. Das freut Daniel Jansen, Geschäftsleiter des Basler Marionetten Theaters, und Markus Blättler, künstlerischer Leiter des Marionetten Theaters.

Entstanden ist der Källerstraich in einer Zeit, in der im Kellertheater am Münsterplatz nicht besonders viel lief. Doch Vorfasnachtszeit und ein Keller - das bietet sich für eine Veranstaltung dieses Kalibers perfekt an, erinnern sich die Leiter: «So haben wir vor fünf Jahren mit einer einzigen Vorstellung gestartet, mittlerweile sind es sieben», sagt Blättler.

Auch inhaltlich habe sich der Källerstraich weiterentwickelt: «Schon bald haben wir Figuren etabliert, die jedes Jahr kommen. Die sogenannten Antikeerper, die drei Hauptdarsteller, treten Jahr für Jahr auf.» Neben den Antikeepernbegleitet ein Ensemble aus Pfyffer, Schnitzelbängg, Drummler und vielen weiteren Marionetten die Vorfasnachtsveranstaltung. Dieses Jahr stehen rund 25 verschiedene Figuren auf der Bühne.

In den 50er-Jahren gegründet

Die Geschichte des Theaters selbst begann hingegen vor fast 75 Jahren. Seit dem Einzug 1956 in das Kellergewölbe nahe dem Basler Münster zeigt das Basler Marionetten Theater sowohl Stücke für Erwachsene wie auch Vorstellungen für Kinder. Es war damit auch das erste Basler Kindertheater - ein Fluch und ein Segen zugleich, wie sich herausstellen sollte: Denn auch heute noch wird das Marionettentheater vorwiegend als Kindertheater identifiziert, obwohl das Angebot auf Erwachsene und Kinder gleichermassen ausgerichtet ist. Von Anfang an.

«Die Tatsache, dass das Marionettentheater als Kindertheater angesehen wird, gründet vermutlich darin, dass die Leute Figuren und Puppen gleichsetzten», so Blättler. Das Basler Marionetten Theater bietet mittlerweile 15 Produktionen pro Jahr an, jeweils gleich viele für Erwachsene wie für Kinder. «Wie zeigen viel Experimentelles, aber auch viele klassische Stücke. Diese sind sehr beliebt. Wir haben beispielsweise ein Stück, das spielen wir seit 1956», so Jansen. (Beispiel)

Erwachsene werden hereingebeten

«Die Kindervorstellungen laufen sehr gut, für die Erwachsenenvorstellungen wäre es wünschenswert auch die Zielgruppe zwischen 25 und 40 Jahre mehr für das Marionetten Theater begeistern zu können», sagt Jansen. Vielleicht sei es unter anderem dem Unwissen der Leute zu schulden, weshalb die Erwachsenenprogramme nicht so viel Anklang fänden.

«Auch heute noch begegne ich vielen Erwachsenen, die überrascht sind, dass es auch ein Programm für sie gibt», sagt Blättler. «Der Källerstraich als Vorfasnachtsveranstaltung hebt dieses Ungleichgewicht jedoch auf, denn die Fasnachtsszene bringt viele neue Fans.» Inwiefern die digitalen Medien eine Rolle spielen für das marginale Interesse am Marionetten Theater, lässt sich kaum beantworten.

Jansen versucht es mit einer anderen Erklärung: «Der multimediale Einfluss ist auf allen Kultureben spürbar. Sicher ist aber, dass die Leute immer noch Freude am Analogen haben. Auch die Begeisterung der Kinder, die das erste Mal zu uns kommen ist enorm. Ich denke also, dass das Interesse an der Kultur im Menschen verankert ist, man muss es bloss herauskitzeln.»