«Grüezi» tönt es in einer Lautstärke, die einen instinktiv die Kopfhörer wieder ausziehen lässt. Am Freitagmorgen hatte der Audio-Guide des «Basel City Tour»-Busses nur vier Gäste an Bord, darunter auch Melvin und Rita aus Kentucky. In typisch amerikanischer Manier bereisen sie in einem Rutsch ganz Europa und sind jetzt in Basel angelangt.

Auf der City-Tour wollen sie sich ein Bild davon verschaffen, was sie sich in ihrer Zeit hier noch genauer ansehen möchten. «Basel ist so beschaulich», sagt Rita. Und das trotz der Bus-Route, die zu einem grossen Teil durch die eigentlich wenig beschauliche Gewerbe- und Industriezone führt. Zwischen den Hafencontainern steigt Rita aus: «Ich weiss schon, dass es nicht viel zu sehen gibt, aber wenn wir schon mal hier sind, kann ich ja auch fotografieren».

Komplex-Architektur

Melvin lacht: Er wolle gar nicht wissen, wie viele Bilder sie auf ihrer Reise schon geschossen hat. Und auch er zückt im verlässlichen Zwei-Minuten-Takt sein Smartphone und macht ein Foto. Natürlich ist der Rhein, der auf der Tour durch Basel von mehreren Stellen aus bewundert werden kann, das beliebteste Motiv. Selfies gibt es deshalb zum Beispiel vor der Papiermühle oder der St. Alban-Fähre.

«Fähren gibt es auch im Mississippi, aber die sind viel grösser», bemerkt Melvin. Basel ist eben beschaulich. Allerdings hat Basel jetzt wieder den Längsten, oder zumindest den Höchsten. Den Touristen entfährt ein Schmunzeln, als der Guide vom andauernden Konkurrenzkampf Basels mit Zürich spricht, bei dem Basel nun mit dem Roche-Turm wieder vorne liegt.

Und auch die Matthäuskirche, deren Turm sogar höher ist als jener des Münsters, soll einem Minderwertigkeitskomplex zu verdanken sein – in diesem Fall dem der Kleinbasler. Denn in Basel, so erzählt der Guide weiter, würden die Alteingesessenen oben vom Bruderholz, mit seinen «weiten Boulevards» schon seit je her auf das Kleinbasel, mit seinen engen Gassen und seiner multi-nationalen Bevölkerung herunterschauen. Ein vereinfachtes Bild der Städter, das vor allem Basler selbst stören dürfte.

Im Fokus der Tour sind aber die Touristen, und diese scheinen sich ohnehin herzlich wenig um das Erzählte zu kümmern. Ihre Blicke richten sie nur selten in die empfohlene Richtung und auch ihre Fotomotive decken sich kaum mit den offiziellen Tour-Hinweisen. Auch die musikalischen Beiträge während der Tour beeindrucken nicht immer: Die moderne Gitarrenversion von «Z’Basel an mim Rhy» sagt den Amerikanern wenig und dient bestenfalls dazu, Basler an alle sieben Strophen der Lokalhymne zu erinnern.

Rhythmisches Kopfwippen gibt es seitens der Touristen erst, als «Top Secret» zu Ehren des Basel Tattoo in den Kopfhörern trommelt. Doch die grösste Attraktion auf der Tour war ohnehin weder eine touristische Attraktion noch ein interessantes Detail aus der Geschichte oder Kultur Basels: Es sind die ausserordentlichen Fahrkünste der Buschauffeurin.

An der Uferstrasse bietet sich den Touristen ein Ausnahme-Anblick. Für die «Biker Days» Basel ist die Strasse nämlich links und rechts von Ständen gerahmt. Auf engstem Raum muss sich die Busfahrerin durch die Motorradfans schlängeln. «‹Ich hätte nie gedacht, dass sie das schafft», ruft Rita aus, und initiiert einen Applaus, der im fast leeren Bus nur klein ausfällt.

Der Basel-City-Tour-Bus muss sich durch das Gelände der Biker Days durchschlängeln.

Die Qual der Wahl

Während die Fahrerin den Bus durch enge Strassen manövriert, verbringen die Touristen viel Zeit mit Warten. Zwischen Hafen und Innenstadt bekommen sie dafür viel von der Stadt zu sehen. Das hatten sie sich auch erhofft: «Wir sind gestern erst angekommen», erzählt das Touristenpaar, «jetzt wollten wir uns erst einmal zurücklehnen und uns einen Überblick verschaffen».

Später wollen sie die schönsten Teile Basel nochmals von Nahem sehen.
Die Auswahl, die ihnen der Guide präsentiert, ist nicht immer ganz objektiv: Die Halle 1 am Messeplatz sehe aus, wie ein Ufo, das Menschen aufsaugt und wieder ausspuckt. Nicht zum Ausspucken, sondern besonders zu geniessen seien aber die Kuchen im Restaurant der Papiermühle.

Bis zum Ende der Busreise haben sich Melvin und Rita noch nicht entschieden, welche der empfohlenen Orte sie besuchen werden. Am Schluss ist wohl vor allem eines ausschlaggebend: Eignet es sich als Fotomotiv?