Es ist eine Erfolgsgeschichte: Am Freitag, 12. Januar, findet zum 27. Mal der Slam Basel statt. Der Dichterwettstreit füllt traditionsgemäss den Saal, in dem er seit 2012 stattfindet: Das Sudhaus im Warteck, kurz SUD genannt.

Dass der beliebte Slam Basel hier über die Bühne geht, ist die einzige Konstante im Vergleich zum Vorjahr. Es hat sich viel geändert, seit Cargo-Bar-Chef Claude Gaçon den laufenden Mietvertrag an die Rhyschänzli-Gruppe abgetreten hat. Diese hat das SUD im Herbst in eine Halle fürs gepflegte Afterwork-Bier verwandelt.

Wer das das Lokal betritt, sieht sofort, dass sich die Nutzung geändert hat: Die Konzertbühne wird von einem Geländer abgesichert. «Als ich das das zum ersten Mal gesehen habe, bin ich erschrocken», sagt Micha de Roo vom Veranstaltungsteam SlamBasel. «Beruhigt stellte ich aber fest, dass das Geländer in zehn Minuten demontiert werden kann.» Die Nähe zum Publikum sei daher noch dieselbe.

Bühnenbetrieb: Ende Geländer?

Das Geländer entlang des Bühnenpodests ist keine Absperrung, sondern eine notwendige Massnahme, wie Sebastian Kölliker, Medienverantwortlicher der Rhyschänzli-Gruppe, erklärt. Weil die Bühne neu gastronomisch genutzt wird, verordnete das Bau- und Gastgewerbeinspektorat die Montage eines Geländers, aus Sicherheitsgründen.

Dass auf der Bühne gesessen wird statt performt, hat symbolischen Charakter. Denn wenn nicht gerade ein Slam die Masse anlockt, dann köchelt das Kulturprogramm auf kleiner Flamme. Im Dezember spielte die Musik primär für geschlossene Gesellschaften. Im Januar finden lediglich drei kulturelle Veranstaltungen statt: Der stets gut besuchte Slam. Dann ein Vortrag und ein Gratis-Konzert.

Partynächte sind Vergangenheit

Diese Informationen liefert Kölliker auf Wunsch nach, auf der Homepage des SUD suchte man sie nach der Wiedereröffnung noch zwei Monate lang vergeblich. Dafür konnte man schon die Menükarte einsehen, darunter 30 Biersorten.

Diese Gewichtung auf der Webseite ist programmatisch für die Richtungsänderung: «Wir setzen den Fokus auf die Abendgastronomie», sagt Sebastian Kölliker. Dass das SUD nicht als ausschliessliches Club- und Konzertlokal weitergeführt würde, war für die Rhyschänzli-Gruppe von Anfang an klar, weil man in diesen Bereichen nicht zu Hause sei.

«Fremdveranstalter sind weiterhin willkommen, wir haben auch ein offenes Ohr für Ideen. Aber Partys, die bis in den Morgen dauern, gehören grundsätzlich der Vergangenheit an. Wir möchten uns auf die Kleinkunst und auf den klassischen Konzertbetrieb konzentrieren.»

Das ist ein Entscheid, für den man im Verein «Werkraum Warteck pp», dem Vermieter des Lokals, ein Stück weit Verständnis aufbringt. Viele Leute haben sich schon die Zähne ausgebissen an der Bespielung dieses Raums, der im dichten Wohnquartier steht. Partynächte haben immer wieder für Reklamationen gesorgt. Der Einbau eines Fumoirs brachte vor einigen Jahren immerhin ein bisschen Entspannung, weil die Leute nachts nicht mehr für jede Zigarette ins Freie rausgingen.

Diskussionen bei den Vermietern

Seit der Wiedereröffnung vor zwei Monaten gab es keinen Grund zu Klagen aus der Nachbarschaft. Sicher spielt da auch mit, dass auf der anderen Strassenseite am Burgweg gerade viele Häuser leerstehen, die kleine Strasse im Umbruch ist.

Für vereinsinterne Diskussionen sorgt die neue Ausrichtung aber dennoch: Vorstandsmitglied Martin Thüring etwa vermisst Theaterveranstaltungen, eine offene Bühne für Improvisation und Konzerte. Jüngere Vereinsmitglieder wiederum trauern den Partys nach, ihnen ist es diesbezüglich zu still geworden in der ehemaligen Brauerei.

Zugleich sei man froh, dass der Betrieb offen ist, denn das sei die grösste Bedingung für den Verein, sagt Thüring: «Das Sudhaus muss öffentlich zugänglich sein.»
Der Mietvertrag, den die Rhyschänzli Gruppe übernommen hat, läuft noch eineinhalb Jahre. Das heisst, dass man sich schon in einigen Monaten zusammensetzen und über die Zukunft unterhalten wird – auch darüber, welche Rolle die kulturelle und welche die kommerzielle Nutzung spielen soll.

Bis dahin wird die Musik immerhin gelegentlich auch live auf der Bühne spielen. Benjamin Noti, der bereits in anderen Lokalen der Rhyschänzli Gruppe Konzerte veranstaltet – etwa im Des Arts am Barfüsserplatz oder im Union an der Klybeckstrasse –, bringt einmal monatlich Livemusik auf die Bühne. Immer an einem Dienstag, bei freiem Eintritt. Das genau gleiche Konzept verfolgt übrigens auch das Atlantis mit seinen «tis day concerts».

Selbst wenn man von offizieller Seite von einem Lokal für die Quartierbevölkerung spricht: Die Öffnungszeiten von 17 bis 23 Uhr, die Umstellung auf Bierhallenbetrieb, auf ausgewählte Getränke und Häppchen lassen erahnen, dass hier insbesondere auf die Expats gesetzt und gehofft wird. Der Roche-Turm ist nur fünf Gehminuten entfernt, die Klientel tatsächlich international.

Ob das der Philosophie des Werkraums Warteck entspricht? Darüber wird man intern debattieren. Vielleicht im Nachgang einer SRF-Livesendung: Am 7. Februar sorgt der philosophische Stammtisch für eine «Sternstunde» im SUD.