Wow, war das eine Druggede am Freitagabend. Nicht Hunderte, nein, Tausende schoben sich den Rheinweg entlang, um eine Band zu erleben, deren Name offensichtlich noch immer zugkräftig ist: The Original Blues Brothers Band.

Was als Scherz der beiden Komiker Dan Aykroyd und John Belushi in der TV-Show «Saturday Night Live» begonnen hatte, löste 1980 ein veritables Soul- und Bluesrevival aus. Grund war der durchschlagende Erfolg ihres Kinofilms «The Blues Brothers», in dem zahlreiche Musik-Legenden, von Ray Charles bis Aretha Franklin, als Nebendarsteller auftraten.

Knapp 40 Jahre später also ist die «Original Blues Brothers Band» noch immer auf Tour, wobei «original» grosszügig ausgelegt ist. Wie John Belushi sind einige «Brothers» verstorben. Und der andere Leadsänger, Dan Aykroyd, geht längst mit einer anderen Band fremd.

Mitreissender Soul und Blues

Letztes Urmitglied beim Basler Konzert ist Saxofonist Lou Marini. Man hatte auch mit Steve Cropper gerechnet, dem stilbildenden Gitarristen aus Memphis. Doch der 76-Jährige machte diesen Teil der Tour nicht mit. Immerhin würdigte ihn die Band mit einem Klassiker, den er 1966 mitgeschrieben hatte: «Knock on Wood».

Dass der legendäre Gitarrist abwesend war, bekamen die wenigsten Zuschauer mit. Denn der Andrang am Rheinufer war so gross, dass die Mehrheit das Konzert nur hörte, nicht aber sah. Allein der Sound aber reichte, um Euphorie zu verbreiten. Die Altherren-Band, allesamt gestandene Studiocracks, zeigte sich in mitreissender Form, bei Uptempo-Nummern wie «Everybody needs somebody» wie auch in den Balladen, etwa dem «Shotgun Blues». Einziger Partykiller war «Quando Quando Quando», das abfiel, auch weil die Stimme von Murphy Dunne kaum noch bühnentauglich ist. Die anderen Sänger machten ihre Sache hörbar besser, Höhepunkt war «Minnie The Moocher», die Jazzballade von Cab Calloway, zu der das ganze Kleinbasel mitzusingen schien. Wunderbar.

Einen vergleichbar grossen Andrang wie «Im Fluss» verzeichnete das Open Air Basel auf dem Kasernenareal nicht. Doch viel Publikum zu erreichen, sei weder Ziel noch Notwendigkeit, sagte Festivalorganisator Sandro Bernasconi. Ganz bewusst habe man im Unterschied zu den Vorjahren auf einen zugkräftigen, aber auch teuren Headliner wie Archive oder Bilderbuch verzichtet, das Budget um 100 000 Franken entlastet (neu: 350 000 Franken) und damit das Risiko gesenkt und Druck rausgenommen. Im Unterschied zu den grossen Kisten in anderen Städten soll das Open Air Basel ein kleines, aber feines Liebhaberfestival sein.

Und so fühlte es sich auch an, am Samstag. Die US-amerikanische Sängerin und Multiinstrumentalistin Joan Wasser alias Joan as Police Woman betörte mit ihren raffinierten Songs, mit denen sie den Sonnenuntergang auf dem Kasernenareal stimmungsvoll untermalte. Mit ihrer Kombination aus eleganten Grooves und ausgeklügelten (aber nicht überladenen) Arrangements erinnerte das Quartett an die Qualität von Steely Dan, die Stimmen stark an den zeitgenössischen R & B angelehnt – und stilsicher in allen Lagen.

Schade bloss, dass Joan as Police Woman weniger Zuschauer hatte als bei ihrem Kasernen-Konzert vor vier Jahren. Diese virtuose Band hätte ein grösseres Publikum verdient.

Euphorie vor der Nebenbühne

Übrigens: Richtig intensiv und feierlich waren am Open Air Basel die kleinen Konzerte, mit denen die Umbaupausen überbrückt wurden. Am Samstag etwa entfachte dort die Basler Latin-Rapperin La Nefera zusammen mit ihrem virtuosen Kaotik Trio mehr Euphorie als Mount Kimbie später auf der grossen Bühne. Die britische Band hatte offenbar mit einem Computerproblem zu kämpfen, doch das entschuldigte weder ihren schwachen Gesang noch die mehrheitlich laschen Electronica-Nummern, die blutleer wirkten und nach den vorhergehenden Konzerten für einen faden Abschluss sorgten.

Zuvor hatte die holländisch-türkische Formation Altin Gün den Kasernenplatz in einen Partysaal verwandelt. Orientalische Lautenläufe und türkische Gesänge trafen auf Discofunk und psychedelisch-progressive Synthesizersoli. Mit ihrem Klangbild erinnerten sie stark an die 70er-Jahre, was kein Zufall ist, wie mich die mitsingende Nationalrätin Sibel Arslan aufklärte: Altin Gün bedienen sich türkischer Evergreens. Sie sind im Grunde eine Coverband, die alte Songs auf die Bühne bringt – so wie die Blues Brothers auch. Beiden gemein ist die zeitlose Fähigkeit, die Leute mitzureissen und zum Tanzen zu bringen. Schön wars.