Wenn ein Basler, eine Schwedin und ein Deutscher zusammen Alphorn spielen, wenn ein Mädchen auf den Schultern ihres Expat-Vaters sagt, dass sie mal mit im Kinder-Begleittross dabei sein möchte, wenn Grossbaslerinnen im Kleinbasel trommeln, wenn weiter eine Nationalrätin mit kurdisch-alevitischen Wurzeln als Tischrednerin auftritt, wenn eine Vorzeige-Regierungsrätin Sitzplätze für ihre Familie und Freunde reserviert; wenn schliesslich Primarschülerinnen und -schüler ein Lied von Gleichheit von Mann und Frau, gross und klein, schwarz oder weiss singen: Dann ist Kleinbasler Bärentag.

Der Auftakt fand traditionsgemäss auf dem Platz vor der Matthäuskirche statt – dort, wo das eidgenössische auf das multikulturelle Basel trifft. Wer es nicht schon längst weiss: Vor 21 Jahren rief eine Gruppe rund um die Arztpraxis Hammer nach einer als xenophob empfundenen Meisterrede am Gryffemähli als Alternative oder Ergänzung ein viertes Ehrenzeichen ins Leben. Als Vertrerer(in) der Menschen, die nicht männlich, nicht Basler Bürger, ja nicht mal Kleinbasler sein müssen, wie das die drei E. voraussetzen.

Mit Rang und Namen

Höhepunkt des Bärentags ist das Mähli in der Reithalle der Kaserne Basel – ein Fixpunkt in der Agenda von Tout Bâle gauche. Entsprechend war fast alles da, was diesbezüglich Rang und Namen hat: SP-Präsident Pascal Pfister, alt National- und Grossrat Ruedi Rechsteiner, Nationalrat Beat Jans, eine um freie Sitzplätze kämpfende Regierungsrätin Eva Herzog («ich hatte einst als Mitarbeiterin der Kaserne das erste Bäremähli organisiert») und neben vielen weiteren, aber an vorderster Stelle: Nationalrätin Sibel Arslan.

An vorderster Stelle, weil sie als die offizielle Tischrednerin des 21. Bäremähli auftrat. Als «junge Frau mit kurdisch-alevitischem Hintergund und einem Sitz als Basler Nationalträtin eine ideale Besetzung», kündigte alt Grossrätin Heidi Mück (BastA!), neue Sprecherin des Komitees der Bärengesellschaft, den Ehrengast an. Und Arslan entsprach dann auch den Erwartungen, die das Publikum in der proppevoll besetzten Reithalle in sie gesetzt hatte.

Witzig und kämpferisch

Arslan verband in ihrer Rede Witz mit kämpferisch-politischem Geist. Sie wies als Migrations-Paradoxum darauf hin, wie ihr von Urbaslern einst eingebläut worden sei, dass «man» in Basel sich nach dem Dreikönigstag am 6. Januar nicht mehr «E guets Neus» wünsche. Und ihr, die sich streng an diese Regel gehalten habe, eben diese Urbasler am Neujahrsempfang des Gewerbeverbands am 8. Januar – dem  selbst deklarierten «Roll’s Royce aller Empfänge» – diese Wünsche unzählige Male übermittelt hätten.  Umso mehr habe sie sich nun darüber gefreut, beim Bäremähli, dem schönsten, weil kunterbunten «VW-Bus aller Empfänge» im neuen Jahr, auftreten zu können.

Sie lobte die Bärengesellschaft, welche die unsichtbaren Mauern zwischen den Bevölkerungsschichten überwinde, die sie sich für «die Werte der Toleranz, Respekt, Solidarität und Gleichstellung» einsetze, was sie auch als Nationalrätin als Grundaufgabe verstehe. Sie erwähnte, wie sie sich als Vorzeige-Migrantin im Nationalrat den Respekt als politische Stimme habe erkämpfen müssen. Und sie appellierte an die Adresse der Anwesenden im Namen des Kleinbasler Bären, vor dem Hintergrund der angespannten Klimasituation «Solidarität mit den Eisbären» auf den schmelzenden Eisschollen walten zu lassen.

Die Rede kam an. Viel Applaus spendeten ihr die Anwesenden, bevor der Zug mit der tanzenden Bärin, mit den Trommlerinnen und Pfeifern des Bärenzugs weiterzog. Als erstes zur Bar Didi Offensiv, zu den dort wirtenden Pfister-Brüder, die vor vielen Jahren einst als Bären-Ueli Geld für die gemeinnützigen Aktionen der Gesellschaft gesammelt hatten.

Dominique Spirgi ist Mitglied des Komitees der Kleinbasler Gesellschaft zum Bären und deshalb in diesem Falle so etwas wie eine embedded journalist.