Seit 1. Oktober kifft es sich etwas entspannter. Denn an diesem Datum trat ein neues, milderes Gesetz in Kraft. Erwachsene, die auf frischer Tat mit Cannabis erwischt werden, erhalten eine Ordnungsbusse von 100 Franken.

Zuvor hatten Kiffer ein Verfahren am Hals. Das neue Bussenregime gilt jedoch nur bis zu einer Menge von zehn Gramm - wer grössere Mengen besitzt, muss weiterhin mit einer Verzeigung rechnen.

Die neue Regelung gilt in der ganzen Schweiz. Die Kantone machen davon jedoch äusserst unterschiedlich Gebrauch, wie die «Neue Zürcher Zeitung» kürzlich aufgedeckt hat.

So hat die Kantonspolizei Basel-Stadt im ersten Monat ganze fünf Cannabis-Bussen verteilt - im Kanton Aargau hingegen waren es im selben Zeitraum 20 Bussen und in der Stadt Zürich sogar deren 110. Der Basler Polizeisprecher Martin Schütz bestätigt die Zahlen der «NZZ».

Wenige Bussen in beiden Basel

Auch der Kanton Baselland hat in den ersten Wochen eine vergleichsweise kifferfreundliche Haltung an den Tag gelegt. Es seien «vereinzelt solche Bussen ausgestellt» worden, sagt Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Baselbieter Polizei.

Der Basler SVP-Grossrat Joël Thüring zeigt sich anhand der Zahlen aus dem Stadtkanton entrüstet: «Die Polizei vernachlässigt das Cannabis-Problem.»

Er ist sich sicher, dass die Gesetzeshüter allzu oft einfach ein Auge zudrücken würden, wenn sie Kiffer erblickten - und damit ist er gar nicht einverstanden: «Es kann nicht sein, dass man einen Velofahrer ohne Licht auf jeden Fall büsst, Kiffer jedoch nicht beachtet.»

Thürings Parteikollege Sebastian Frehner fügt an, man habe mit den Ordnungsbussen das Verfahren vereinfachen wollen: «Einfach 100 Franken zahlen und dann ist die Sache erledigt.» Aber jetzt würde dieses Gesetz «einfach nicht angewandt», ist Thüring überzeugt.

Die Basler Polizei wehrt sich gegen diese Vorwürfe: Ihre Kontrollpraxis gegen Cannabis-Konsumenten habe sich mit dem neuen Gesetz nicht verändert, betont Sprecher Martin Schütz. Es gebe keinen Grund dafür.

Und Baschi Dürr, Vorsteher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, fügt an: «Der Eigenkonsum von leichten Drogen hatte vor dem neuen Verfahren nicht oberste Priorität bei der Polizei. Und sie hat sie auch jetzt nicht.» Auch im Landkanton dementiert die Polizei den Vorwurf, Kiffer mit Samthandschuhen anzufassen. Die Kontrollpraxis sei dieselbe wie vor dem 1. Oktober, sagt Meinrad Stöcklin.

Tanja Soland (SP), Präsidentin der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission, sagt, dass die neue Regelung nie zum Ziel gehabt hätte, möglichst viele Konsumenten zu büssen: «Bei dem neuen Gesetz geht es darum, die Handhabe mit Cannabis-Konsumenten zu vereinfachen, und nicht darum, mehr Bussen zu verteilen.»

Es sei richtig, dass die Polizei ihr Vorgehen nicht verändert habe. «Ich wäre froh, wir könnten den Konsum von Cannabis entkriminalisieren und die Polizei könnte sich mit Wichtigerem beschäftigen.»

Derselben Meinung ist Regula Meschberger, SP-Landrätin aus Birsfelden und Mitglied der Justiz- und Sicherheitskommission: «Es wäre sicher fehl am Platz, Jagd auf die Kleinkonsumenten zu machen.» Sie empfindet es vielmehr als stossend, dass Cannabis noch immer nicht gleich behandelt werde wie Alkohol - denn vor allem bei Jugendlichen sei das Rauschtrinken das grössere Problem, ist Meschberger überzeugt.

Ratlosigkeit in Zürich

In Zürich kann man sich die grosse Differenz zwischen den beiden grössten Deutschschweizer Städten nicht erklären. Laut Marco Cortesi, Chef des Mediendienstes der Zürcher Stadtpolizei, hat die Suche nach Kiffern «nicht oberste Priorität».

Er glaubt, dass die vielen Bussen in der Limmatstadt mit den vielen Partygängern zu tun haben. «Alleine im Kreis 4 haben wir zwischen Donnerstag und Sonntag 30'000 bis 40'000 Leute im Ausgang», erklärt Cortesi. Mit dieser schieren Masse erhöhe sich automatisch auch die Trefferquote der Polizei.