Der nächste Montag wird für Roger Aeschbach alles andere als ein gewöhnlicher Arbeitstag. Denn ab Montag werden er und seine vier Angestellten nicht mehr alleine in ihrem grosszügigen Büro an der Steinentorstrasse sein, sondern – so hofft er – gemeinsam mit möglichst vielen anderen.

Aeschbach hat nach über 20 Jahren entschieden, die Räumlichkeiten seiner Designfirma Element als offenen Coworking-Space zu nutzen, und erhofft sich dadurch auch für die eigene Arbeit neue Perspektiven. «Wir spielen seit zwei Jahren mit dieser Idee und glauben, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um in Basel auf die Karte Coworking zu setzen», sagt der 48-jährige Szenograf. «Andere Städte erleben einen richtigen Coworking-Boom, in Barcelona sind seit der Wirtschaftskrise über 80 Angebote entstanden. Auch in London und Berlin hat sich diese neue, gemeinschaftliche Arbeitsform etabliert. Nun wird sich zeigen müssen, ob Basel gross, teuer, dicht und hip genug ist für ein grosses Coworking-Angebot.»

Bereits der fünfte Anbieter

Tatsächlich gibt es in Basel bereits vier Anbieter, bei denen sich Freiberufler auf Tages- oder Monatsbasis eigene Arbeitsplätze mieten und von der gemeinsamen Infrastruktur profitieren können. Dazu gehören die Coworking-Pioniere der Start-up-Academy, die 2012 im Dreispitz den ersten Basler Coworking-Space eröffnet haben. Ein Jahr später sind sie an den zentraler gelegenen Picassoplatz gezogen. Seither hat sich die Nutzung «sprunghaft entwickelt», wie Florian Blumer sagt. Es habe auch schon Tage gegeben, in denen sie einen temporären Aufnahmestopp hätten verhängen müssen. Die neue Konkurrenz empfindet Blumer als Bereicherung, sagt jedoch, dass es schwierig sei, Coworking-Angebote ohne zusätzliche Einnahmequelle zu finanzieren, da die Erträge gering seien.

Genau das aber ist das Ziel von Roger Aeschbach. In einem Jahr soll sein auf 15 Arbeitsplätze ausgelegter Coworking-Space Rhizom selbsttragend sein, danach plant er einen Umzug in noch grössere, noch zentralere Lokalitäten. «Derzeit werden Coworking-Angebote noch hauptsächlich von Selbstständigen oder Kleinstfirmen genutzt, beispielsweise von einem Programmierer, der nicht vom WG-Küchentisch aus arbeiten mag. Aber die Entwicklung in anderen Ländern zeigt deutlich, dass immer häufiger auch grosse Firmen ganze Teams in Coworking-Spaces auslagern, weil diese dort Inspirationen sammeln können», sagt Aeschbach. Das werde ebenfalls in der Schweiz kommen, wenn auch nicht heute oder morgen, ist er überzeugt.

Partner für Zwischennutzungen

Wenn es so weit ist, will Aeschbach mit Rhizom bereit sein. Wo genau sich das Gemeinschaftsbüro dann befinden wird, sei offen. Er verstehe das Coworking-Angebot seiner Firma bewusst als «Coworking in Basel», das weit mehr sei als nur ein zur Verfügung gestellter Raum. «Wir wollen uns als verlässlichen Partner auch für kurzfristige Zwischennutzungen von Räumen an Top-Lagen etablieren, der seine Mieten pünktlich zahlt und dank grosser Flexibilität rasch wieder ausziehen kann, wenn der Besitzer seine Immobilie weitervermieten kann.» Konkret hat er Gebäude wie Kost Sport in der Freien Strasse im Kopf, die oft (wie im Fall des Apple Shops) jahrelang leer stehen, ehe alle Verträge mit dem neuen Mieter unter Dach und Fach sind.

Dass Coworking-Angebote durchaus auch in der Schweiz an Top-Lagen funktionieren können, zeigt ein Beispiel aus Zürich, wo sich die beiden grössten Anbieter vor kurzem zusammengeschlossen und am Sihlquai neue Büroräumlichkeiten bezogen haben.

Der Coworking-Space Rhizom eröffnet am kommenden Montag an der Steinentorstrasse 19.