Nächste Fasnacht hängt eine doppeldeutige Plakette an Kostümen und Mänteln. Sie zeigt zum einen die Messeuhr und meint damit die letzte Muba. Die vier Kostümierten spielen zum anderen den Ändstraich, den Schlusspunkt jeder Fasnacht. Gleichzeitig stehen die Saubermänner der Stadt mit dem Besen im Anschlag bereit. Dazwischen steht die Uhr, Vier Sekunden vor Vier, die das Ende der «scheenschte drey Dääg» ankündigt.

Eigentlich eine traurige Plakette, bedeutet sie doch Abschied, aber auch eine unheimlich emotionale: Jeder gibt noch einmal alles und holt das Letzte aus seinen Instrumenten heraus und das «bis zletscht». So lautet auch das Motto der nächsten Fasnacht. Teilnehmen, spielen, dabei sind, bis zum Ende.

Die Plakette ist ebenfalls ein Beginn: die Wartezeit und die Vorfreude auf die nächste Fasnacht. Es ist einer der bekanntesten fasnächtlichen Momente, der es allerdings noch nie auf eine Plakette geschafft hat – der Ändstraich.

Bereits zum zweiten Mal ist aber der Plakettenkünstler, Tarek Moussalli, zum Zuge gekommen, nach der «Rocheturm»-Plakette von 2015. «Man beginnt einmal mit etwas und dann ist es doch so, dass einen die Muse küsst», schmunzelt Moussalli und räumt ein, dass es im Sommer schwierig gewesen sei, an die Fasnacht zu denken.

Bereits sein Onkel, Emil Knöll, gestaltete 1927 eine Plakette. Seine Liebe zu architektonischen Sujets kommt von seinem Interesse am Bauwesen. Er hat auch einige Semester Architektur studiert.

Insgesamt kamen 100 Entwürfe, 18 mehr als letztes Jahr, beim Fasnachts-Comité an. 47 Künstler und 23 Künstlerinnen reichten ihre Skizzen ein. Diese wurden der Jury anonymisiert vorgelegt. Auch Mike Müller, der Plaketten-Produzent ist Teil der Jury, schliesslich ist die technische Umsetzung eine der wichtigsten Kriterien. Die Firma Müller produziert die Basler Fasnachtsplakette 2019 zum achtzigsten Mal in Folge. Erst in einem zweiten Schritt wird auf die Grafik oder aktuelle Inhalte Wert gelegt.

Am Freitag wurde die Plakette und ihr Künstler den Obleuten vorgestellt. Der Tenor war durchweg positiv. Bei der Präsentation der goldenen Variante ging sogar ein wohlwollendes Raunen durch das Publikum. Insgesamt ein gelungener Entwurf, obwohl bereits eingefleischte Fasnächtler den nach unten gedrehten Majorsstock bemängeln. Etwas, das vier Sekunden vor dem letzten Ton eher unwahrscheinlich ist, aber gestalterisch so vermutlich besser zu lösen war.

Liebesschlösser und Tesla

Bewundernswert sind vor allem die grafischen Details der Plakette: So ist die 9 in der Jahreszahl 2019 zu einem Baslerstab geschwungen. Der Tambourmajor trägt einen Hermes-Helm, das Symbol der Messe. Der Putzmann blickt grimmig und trägt eine Skimütze. Ein Seitenhieb an die Skifahrer? Interpretieren ist erlaubt und im Sinne des Künstlers.

Die meisten von den eingereichten Vorschlägen thematisierten die Elektro-Mobilität im Allgemeinen und bei der Polizei (Tesla) im Speziellen, 1000 Jahre Münster, die Liebesschlösser am Käppelijoch oder den Lärmpegel an der Fasnacht.

Ab dem 5. Januar können die begehrten kupfernen, silbernen oder goldenen Plaketten bei allen Cliquen bezogen werden. Die Preise sind gleich geblieben. Der Plakettenverantwortliche, Adrian Kunz, verspricht, dass es genügend Bijous haben werde. Letztes Jahr war die Version mit Anhänger schnell ausverkauft. «Wir können die Bijou-Presse kurzfristig anwerfen», beruhigt er.

Am 24. Januar stellt die Schweizerische Post noch eine Sondermarke vor, auf der die Aufnahme der Basler Fasnacht ins Unesco-Weltkulturerbe thematisiert wird.