Die Zeit ist reif, vom Olymp herunterzusteigen

Die Basler Fasnacht braucht mehr Guggen, sonst bleibt sie stier und elitär und stirbt irgendwann an Langeweile.

Der Olymp ist das höchste Gebirge Griechenlands und von diesem Olymp sollten alle von Zeit zu Zeit herunterkommen. Immer nur dort oben hocken und auf die anderen runterzuschauen, ist ziemlich überheblich – auch für Euch, liebe Fasnachts-Götter. Klar, die anderen dort unten finden Namen wie «Träne Furzer» oder «Bögge-Frässer» besonders lustig. Wahrscheinlich beherrschen sie das Instrument, in das sie blasen oder auf das sie schlagen nicht einmal. So klingt zumindest ihre Musik in Euren geschulten Götter-Ohren.

Aber die «Gaschtro Noome», «Räpplischpalter» und wie sie alle heissen haben etwas geschafft. Sie sind dort unten bei den Menschen, mittendrin. Die junge Frau mit den Gelnägeln wippt im Takt. Die alte Frau mit dem Rollator summt die Melodie mit. Jeder kennt die Lieder, die sie spielen – es sind Hits. Die Lieder der Götter kennen sie auch, klar. Das liegt aber nicht daran, dass sie besonders für Stimmung sorgen. Es liegt daran, dass Ihr seit hunderten von Jahren die gleichen Märsche pfeift und trommelt. Ihr findet das traditionell. Es ist vor allem langweilig. Genauso der Morgestraich. Ein magischer Moment, natürlich. Aber auch ziemlich stier. Am Strassenrand stehen Traditionalisten und ein paar Touristen. Es hätte aber doch auch Platz für Menschen, die tanzen und singen. Der Auftakt für die Drey scheenschte
Dääg wäre lebendiger, wenn «Ohregrybler» durch die Gassen zögen, «Rätsch-
Beeri» schränzten und auf dem Marktplatz die «Schänzli-Feger» Pirouetten drehten.

Versteht es bitte nicht falsch, Fasnachts-Götter, Ihr müsst Euch nicht ändern, dürft weiterhin Eure Märsche pfeifen und jeden Ton treffen. Aber seid offener und gebt allen einen Platz. Traut Euch, von diesem kargen Olymp herunterzusteigen, und wenn Ihr mutig seid, solltet Ihr einmal wippen zu diesen kreuzfalschen Tönen. Ganz vorsichtig natürlich.

Auf die gute Mischung kommt es an – auch an der Fasnacht

Eigentlich ist die ungezwungene Land-Fasnacht ja zu favorisieren. Doch ihr fehlen die kunstvoll gestalteten Ladäärne.

Wer vom katholischen Land stammend erstmals die Fasnacht in der reformierten Stadt besucht, kann schon mal einen Kulturschock erleben: Diese drey scheenschte Dääg mögen schön anzuschauen sein, doch lustig sind sie ganz bestimmt nicht. Streng und durchreglementiert wirkt die Basler Fasnacht auf das Landei – dagegen ist selbst eine Füsilier-Rekrutenschule ein Hort der Anarchie. Bei uns auf dem Land gehts an der Fasnacht ungezwungener zu und her. Lebensfroher, frivoler. Da darf sich eine Wagenclique «Birsbettrammler» nennen oder eine Gugge «Lady Killers», ohne dass deswegen eine vergeistigte Debatte ausbricht, ob dieser Name sexistisch sei. Die Land-Fasnacht ist – sagen wirs deutsch und deutlich – primitiver als jene in der Stadt. Und das ist grundsätzlich gut so.

Auf einige Errungenschaften der Stadt-Fasnacht blicken wir dennoch mit Bewunderung und einem gewissen Neid: Zu Tausenden pilgern wir während der drey scheenschte Dääg zu den herrlichen Ladäärne auf dem Basler Münsterplatz. Wir staunen ob der kunstvoll gestalteten Details und der Farbenpracht, sind aber zugleich überzeugt: Das brächten wir auch zustande, denn gute Künstler gibts auch auf dem Land. Eigentlich. Denn gute Ladäärne bleiben an der Dorffasnacht die Ausnahme, und das ist schade.

Ähnliches gilt für die Pfeifer- und Tambouren-Cliquen. Für sie lässt sich folgende Gleichung aufstellen: Je weiter entfernt eine Gemeinde von Basel, desto tiefer der Piccolo-Anteil an der Dorffasnacht. In Laufen etwa gibt es bei immerhin 55 Formationen eine einzige Pfeifer-Clique – das ist seit Jahren so. Nicht dass der Schreibende ein Riesenfan der Pfyffer und Dambuure wäre. In seinen Ohren klingen Arabi und Co. zu sehr nach Militär und zu wenig nach Free Jazz. Dennoch würde es auf dem Land mehr Trommeln und Piccolos vertragen. Schliesslich weiss auch das Landei Vielfalt und eine gute Mischung zu schätzen.