Jens van der Meer kommt ins Schwärmen, wenn er über seine Heimatgemeinde Riehen spricht. «Eine enorm hohe Lebensqualität für Familien – wunderbar, als Kind hier aufzuwachsen.» Van der Meer weiss genau, wovon er spricht. Im Niederholzquartier gross geworden, lebte er bis zu seinem Studium in Riehen. Dann zog es ihn für ein Jahr nach Bern, um anschliessend in der Stadt Basel zu wohnen. Nach einem Studienjahr in Melbourne zügelte er später wieder an den Ort zurück, mit dem er so viel verbindet. «Den dörflichen Charakter in der eigentlichen Stadt schätze ich sehr. Das viele Grün und dass sich die Menschen hier noch grüssen – das ist es, was mir an Riehen so gefällt.» Dass er wie viele andere auch als Jugendlicher und junger Erwachsener das Angebot in Riehen als eingeschränkt erlebte, damit kann er nachträglich leben. «Das war wohl eine bewusste Entwicklung von Riehen. Dafür steht aber Riehen, und das muss man meiner Meinung nach auch nicht ändern.»

Doppelspurigkeiten abbauen

Seit letzten Juli leitet Jens van der Meer die Gemeindeverwaltung von Riehen. Damit ist der 42-Jährige verantwortlich für 600 Mitarbeitende. Die Führung der Riehener Verwaltung wurde mit der Pensionierung seines Vorgängers Andreas Schuppli geprüft und angepasst. Das neue Rollenmodell mit van der Meer als Verwaltungsleiter und Urs Denzler als Generalsekretär soll die Leitung effizienter machen. Und dies ist eines der Hauptanliegen von Jens van der Meer. «In verschiedenen Abteilungen werden vereinzelt ähnliche Themen bearbeitet.» Dass es in Jahren des Wachstums zu Doppelspurigkeiten kam, sei aber normal. Van der Meer möchte Schnittstellen bereinigen, Zuständigkeiten klar definieren und zuordnen. «Ich möchte auf der Verwaltung die Kräfte bündeln und gezielter übergreifende Themen bearbeiten.»

Kein Leistungsabbau

Dafür hat Jens van der Meer eine Arbeitsgruppe unter dem vorläufigen Titel «Systempflege» ins Leben gerufen. Deren Wirken verstehe er als «ergebnisoffenen Prozess». Dieser eingeläutete Prozess sei aber keinesfalls als Kritik an seinem Vorgänger zu verstehen, stellt van der Meer klar. «Die Leistungen der Verwaltung sind sehr gut.» Deshalb gehe es ihm auch nicht um einen Leistungsabbau. «Ich weiss selber als Einwohner von Riehen, wie wichtig die Angebote der Gemeinde sind und dass diese von der Bevölkerung sehr geschätzt werden.» Er wünsche sich aber auch als Steuerzahler, dass die Gemeinde sorgfältig mit ihren finanziellen Mitteln umgeht.

Jens van der Meer gibt unumwunden zu, dass er bei Amtsantritt von verschiedenster Seite eine «gewisse Erwartungshaltung» gespürt habe. Von bürgerlicher Seite wird erwartet, die Verwaltung effizienter arbeitet. «In der Verwaltung kann es im Verlauf der Zeit auch zu einer gewissen Betriebsblindheit kommen.» Einige Mitarbeitende warteten sehnlichst auf proaktive Anstösse, von anderen wiederum spürt er vereinzelt auch Zurückhaltung gegenüber Veränderungen. «Das ist doch ganz normal, wenn ein neuer Chef mit neuen Ideen kommt», ist der Verwaltungsleiter überzeugt.

«Miteinander bewegen»

Sich in politische Belange einmischen, davor hütet sich van der Meer strikt. «In den Gemeinderatssitzungen versuche ich, das vollständige Spektrum an Informationen und Argumenten ergebnisoffen aufzuzeigen, damit die Politik ihre Entscheidungsverantwortung bestmöglich wahrnehmen kann.» Zwischen Verwaltung und Politik wünscht er kurze Wege. «Verwaltung und Politik müssen ein Gespann bilden.» Die Zügel muss er als dessen Bindeglied in der Hand haben. Das kommende Jahr steht in Riehen unter dem Motto «Miteinander bewegen». Genau nach diesem Motto sehe er auch seine Aufgabe als Verwaltungsleiter. Der passionierte Skifahrer, Rennvelofahrer, Fasnächtler und ehemaliger Volleyballspieler beim KTV Riehen geniesst seine neue Stelle, die auch neben der eigentlichen Arbeit viel Positives mit sich bringe.

Der Familienmensch

«Momentan sind meine Arbeitstage sehr lang. Aber ich geniesse den kurzen Arbeitsweg, durch den ich zum Mittagessen nach Hause kann.» Sein Familienleben profitiere von der neuen Stelle. «Es ist wunderschön, mit der Familie in den Tag zu starten und mit meiner ältesten Tochter morgens zur Arbeit zu spazieren. Sie geht dann geradeaus zum Schulhaus Erlensträsschen, ich biege links ab ins Gemeindehaus.»

Im Dezember wird Jens van der Meer zum dritten Mal Vater und damit die Nächte womöglich wieder kürzer. Doch wer Jens van der Meer kennt, der weiss, dass dies nichts an seinem Einsatz für die Gemeinde ändern wird.