Die Umstellung des Basler Schulsystems führt dazu, dass die bereits vorher rekordhohe Gymnasialquote weiter steigt (die bz berichtete). 44,7 Prozent der 1376 Neuntklässler beginnen im Sommer das Gymnasium, nur sechs Prozent haben aktuell einen Lehrvertrag in der Tasche.

Bildungsdirektor Conradin Cramer (LDP) sagte bei der Präsentation der Zahlen gestern selbstkritisch: «Das Ziel, die Übertrittsquote zu stabilisieren, haben wir verfehlt.» Gleichzeitig kündigte Cramer Massnahmen an, die bereits ab nächstem Jahr gelten sollen und über die bis jetzt noch nicht einmal die Lehrerinnen und Lehrer informiert sind. Besonders einschneidend dürfte die neue Vorgabe sein, dass künftig in der Sekundarschule die Klassendurchschnitts-Note höchstens 5,0 betragen darf – ein Wert, der gemäss Angaben von Dieter Baur, Leiter Volksschulen, derzeit immer wieder klar überschritten wird.

Entwicklung Gymnasialquote Basel-Stadt

Einer der Gründe dafür dürfte laut Baur sein, dass die grosse Mehrheit der neuen Sek-Lehrer früher an der Weiterbildungsschule unterrichtet hatten. Das Niveau der WBS entsprach in etwa der heutigen Sek im E- oder A-Niveau. «Wir müssen bei den Noten eine bessere Nivellierung erreichen», sagte Baur denn auch. Die Massnahme, sämtliche Klassendurchschnitte unter der Note 5 zu halten, ist einschneidend. Zwar sind in begründeten Fällen Ausnahmen möglich, im Regelfall wird es aber dazu führen, dass überdurchschnittlich begabte und motivierte Klassen eher schwierige Prüfungen vorgelegt bekommen. Bei unterdurchschnittlich motivierten oder begabten Klassen hingegen soll gemäss der gleichen Bestimmung ein Notenschnitt von 4,0 nicht unterschritten werden – mit der Möglichkeit, dass die Lehrer die Notenskala nach unten anpassen. Baur sagt: «Für die begabten Schülerinnen und Schüler wird die neue Regelung keinen Einfluss haben, es geht ja um den Durchschnitt der Klasse. Überdurchschnittliche Zeugnisse mit 5,5 oder höher werden weiterhin möglich sein.»

Lehrstellenbörse für Abbrecher

Die Rekordzahl von 615 neuen Gymnasiasten dürfte bereits nach dem ersten Zeugnis auch zu einem Rekord an Schülern führen, deren Leistungen fürs Gymnasium nicht reichen. Auch hier sollen rasch Lösungen her, um den betroffenen Schülern einen direkten Übergang zu einer attraktiven Lehrstelle zu ermöglichen, wie Ulrich Maier, Leiter Mittelschulen und Berufsbildung, sagt. «Wir arbeiten derzeit an einem Konzept einer Art Lehrstellenbörse direkt am Gymnasium, wo Firmen vor Ort auf ihre attraktiven Angebote aufmerksam machen können.» Genaueres sei jedoch derzeit noch nicht spruchreif.

Eine weitere Neuerung betrifft auch die Primarschule: Dort gelten neu in der sechsten Klasse beide Abschlusszeugnisse für die Zuteilung in die unterschiedlichen Sek-Niveaus; bisher zählte das bessere.