Seit dem frühen Mittelalter lebte Basel in einer eigenen Zeitzone. Verglichen mit den umliegenden Dörfern ging die Zeit am Rheinknie eine Stunde vor.

Grund dafür war, dass die Sonnenuhr am Basler Münster den Mittag nicht mit 12 Uhr, sondern mit 1 Uhr angibt. Diese Angabe bezog sich auf die mittelalterlichen Gebetsstunden, die «Horen» genannt wurden.

Die Zeit der Münsteruhr wurde natürlich von den anderen Uhren in der Stadt übernommen und Basel wurde so zur eigenen Zeitzone. 

Ein Physiker musste die legendenumrankte Zeitzone untersuchen

Über vierhundert Jahre sollte das so bleiben. Im Oktober 1774 wurde im Grossen Rat ein Anzug eingereicht, «ob nicht die hiesigen Uhren mit den Uhren der Benachbarten in Gleichförmigkeit gesetzt werden könnten». Der Anzug schlug hohe Wellen. Schliesslich wurde der Physiker Daniel Bernoulli beauftragt, die «Basler Uhr» zu untersuchen.

Seine Schlussfolgerung: Der Zeiger der Uhr sei bei der Erstellung falsch angebracht worden. Dieses Ergebnis sorgte wiederum für Aufregung. Es wurde versucht, diese Theorie zu widerlegen.

Es gibt verschiedene Legenden, wie Basel zu seiner eigenen Zeit kam. Eine davon lautet, dass die Stadt von Feinden belagert wurde, einige Aufständische innerhalb wollten die Eroberung unterstützen.

Daher wurde geplant, die Stadt im Schutz der Nacht und mit Überraschungseffekt einzunehmen. Der Mitternachtsschlag der Uhr sollte das Startzeichen sein. Als der Turmwärter kurz vor Mitternacht von den Plänen erfuhr, war es zu spät, die Wachen zu alarmieren.

Er stellte also kurzerhand die Uhr um eine Stunde vor, so dass das vereinbarte Startzeichen nicht gegeben wurde. Das sorgte für viel Verwirrung, alle glaubten, die vereinbarte Uhrzeit für den Angriff verpasst zu haben. Den Aufständischen blieb nichts anderes übrig, als ihre Pläne fallen zu lassen und auch die Belagerer gaben auf.

Eine andere Legende besagt, dass in der Zeit des Konzils von Basel (1431 bis 1449) die Teilnehmer ihre Sitzungen verkürzen wollten und die Uhr darum eine Stunde vorstellten, um schneller zum Mittagessen zu kommen.

Erst Napoleon konnte die «Basler Uhr» umstellen

1779 wurde der nächste Versuch gestartet, die Zeit an die Umgebung anzugleichen. Der Stadtrat gab einen Erlass heraus, die Basler wollten davon aber nichts wissen. Basel tickte eben schon immer ein wenig anders. Nach drei Wochen gab der Stadtrat auf, die Basler durften ihre Zeit behalten.

Erst 1798 schlug die letzte Stunde der Basler Zeit. Napoleon wollte von Sonderzeitzonen nichts wissen. Mit der Einrichtung der Helvetischen Republik wurde die Zeit angepasst. In einem sanften Übergang wurde die Zeit im Januar 1798 über mehrere Tage jeweils um zehn Minuten zurückgestellt.

Am Basler Münster wird die Zeit bis heute in beiden Zeitzonen angegeben. Die Sonnenuhr zeigt die alte Zeit, die mechanische Uhr die heutige Zeit.