Noch ist ausser Bauschutt nicht viel zu erkennen. Doch in weniger als einem Monat eröffnet im Basler «Hyve», in den ehemaligen Räumlichkeiten des YMCA Hostels, ein neues Café. Geführt werden soll das Lokal von den Start-up-Gründern Marie und Michaël Tuil, welche sich mit ihrem Onlineunternehmen «Direct Coffee» ganz der Nachhaltigkeit verschrieben haben. «Wir geben Vollgas und sind zuversichtlich, dass wir pünktlich zur Eröffnung am 1. Mai fertig werden», sagt Michaël Tuil.

Vor drei Jahren haben die beiden das sozial engagierte Start-up gegründet. Ihre Vision: guten Kaffee nachhaltig und direkt von Kleinbauern aus den Wäldern Äthiopiens zu importieren, in der Schweiz zu rösten und online zu verkaufen. Die Idee dazu kam ihnen im November 2015. Nicht mal zwei Monate später waren sie schon in Äthiopien. «Wir haben dort Kaffeebauern getroffen und lokale Partner für unsere sozialen Projekte gefunden. Im Juni haben wir bereits den ersten Kaffee verkauft», so Marie Tuil.

Von ihrer kleinen Einzimmerwohnung in Zürich aus verschickte das Paar dann seinen Kaffee in die ganze Schweiz. «Nach und nach wurden die Bestellungen immer mehr, sodass wir den Versand nicht mehr zu zweit stemmen konnten.» Aus diesem Grund übernimmt jetzt eine Integrationswerkstatt in Genf diese Arbeit.

Mehr als fair

Die Bohnen kaufen die beiden direkt von lokalen Kleinbauern in Äthiopien und ohne Mittelsmänner. «Der Kaffee wird dabei im Wald und somit inmitten seines natürlichen Ökosystems angebaut», sagt Michaël Tuil. Ebenso ist es den Unternehmen wichtig, dass sie die Menschen, die ihren Kaffee anbauen, auch persönlich kennen. Sie wollen mit ihrem Konzept hundertprozentige Transparenz schaffen, indem sie gemeinsam mit ihren Kunden nach Äthiopien reisen, damit auch sie die Kaffeebauern persönlich kennenlernen können.

Vor allem aber die sozialen Projekte, welche die beiden selbst umsetzen, sind eine grosse Motivationsquelle. Denn mit jedem Päckchen Kaffee, das die Kunden im Internet kaufen, unterstützen sie ein Kind der Kaffeebauern. «Unser Konzept ist sozusagen Fair Trade 2.0», meint Marie Tuil.

Café als Begegnungszone

Die Idee, mit den nachhaltigen Bohnen ein Café zu eröffnen, hatten die Unternehmer schon länger. Vor zwei Jahren zog es die beiden dann nach Basel. «Die Leute hier sind sehr offen und zeigen grosses Interesse an unserem Produkt», so Marie Tuil. Ende Februar sei Carla Frauenfelder, Community-Managerin bei «Hyve», auf die beiden zugekommen, ob sie nicht ein Café in der Location eröffnen wollten. Frauenfelder entwickelt im «Hyve» die Idee, ein Ökosystem aus Pop-up-Stores, Co-Working-Spaces, Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie zu schaffen.

In dieses Konzept will sich auch das geplante Café einfügen. «Das Lokal soll zu einem Begegnungsort für Quartierbewohner, Kreative und Touristen werden», sagt Marie Tuil. Neben dem Kaffee soll auch das Essen der Philosophie des Unternehmens entsprechen. Deshalb arbeiten die beiden mit dem Bergladen Dietisberg in Sissach zusammen. Die Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform «wemakeit» wurde in den vergangenen Tagen erreicht.

Was noch fehlt, ist ein passender Name. «Wir haben viele Vorschläge erhalten. Jetzt gehen wir erst mal ein paar Tage in die Ferien. Dann entscheiden wir uns», sagt Marie Tuil.