Das Sinfonieorchester Basel (SOB) fürchtet um seine Pfründe – und ist bereit, darum zu kämpfen. Es werde gerade laut darüber nachgedacht, dem einzigen Berufsorchester der Stadt zum wiederholten Male die Subventionen zu kürzen, klagt der Vorstand in einer gestern verschickten Medienmitteilung. Das habe zwangsläufig zur Folge, dass das Orchester bisherige Leistungen nicht mehr erbringen könne, «angesichts der geplanten Wiedereröffnung des Stadtcasinos im August 2020 eine mehr als fragwürdige Diskussion».

Ende März hatten sich die Basel Sinfonietta, das Kammerorchester, das La Cetra Barockorchester sowie das Ensemble Phoenix gemeinsam an den Grossen Rat gewendet. Ihre Botschaft: Sie brauchen für die nächste Leistungsperiode ab 2020 mehr Geld.

Denn, während das quasi staatliche Sinfonieorchester jährlich über 13,1 Millionen Franken erhält, müssen sich die vier Orchester um die verbleibenden 1,3 Millionen balgen – nicht mal ein Zehntel. Das aber reiche nicht, um wie von der Politik gewünscht den Orchestermitgliedern die vom Schweizer Musikerverband empfohlenen Tarife zu zahlen. Oder anders: Ihr habt die Rahmenbedingungen vorgegeben, also brauchen wir mehr Geld.

Die Weichen werden gestellt

Summa summarum 743'000 Franken würden den vier Orchestern jährlich fehlen. Darauf verweisen diese in einer 22-seitigen Analyse. Sie beantragen deshalb gemeinsam, die Programmförderung Orchester von jährlich 1,3 auf 2 Millionen zu erhöhen. Innerhalb des gesamten Basler Kulturbudgets wäre dies eine Steigerung auf 1,6 Prozent.

Dass die Orchester vor rund einem Monat ans Parlament gelangt sind, ist kein Zufall. Denn die grossrätliche Bildungs- und Kulturkommission (BKK) berät gerade den Kredit für das Sinfonieorchester für die kommenden drei Jahre. Die übrigen vier, über welche erst Ende Jahr entschieden wird, dürfen dann noch nehmen, was ihnen das Sinfonieorchester übrig lässt. Die Weichen werden also jetzt gestellt.

SOB kritisiert Vorgehen

Für den SOB-Vorstand sind die Forderungen nachvollziehbar. Zurecht erhöben die vier Orchester den Anspruch, die Leistungen ihrer Mitglieder künftig nach Verbandstarifen zu entschädigen. «Pikant» aber sei, dass dem Sinfonieorchester seit 2015 schon 500'000 Franken gestrichen worden seien, die in den Programmfördertopf der kleinen Orchester fliessen sollten. So scheint das SOB durch die Forderung denn auch aufgeschreckt worden zu sein. Auf zwei Seiten wirbt das Orchester vorab in eigener Sache, was auf eine gewisse Nervosität hindeutet.

Statt eine gemeinsame Lösung zu finden, beginne gerade eine kulturpolitische Diskussion über eine «ungerechte Verteilung» von Steuergeldern, klagt das Sinfonieorchester. «Diese Auseinandersetzung ist gefährlich, weil sie zu einem Kampf der Orchester untereinander führt, die auf Kosten der reichhaltigen Basler Musiklandschaft gehen wird.»