«Die Kombination aus Wohnen, Arbeiten und Feiern funktioniert hier nicht mehr.» Mit diesem Satz sorgte der grüne Politiker Julian Schwarze aus Berlin im Februar für Aufsehen. Er wollte damit verdeutlichen, dass das Berliner Nachtleben ein Problem hat. Ein Problem, dass viele Grossstädte kennen.

So auch Basel. Nur wenige Tage nach Schwarzes Aussage wurde bekannt, dass in Basel gleich mehrere der grossen Clubs schliessen müssen. Seither wird vonseiten der Clubbetreiber, der Partygänger und von der Basler Regierung nach Lösungen gesucht. Der Versuch, ein Nachtkonzept zu lancieren, wie es Bern hat, ist gescheitert. «Wir müssen einen neuen Anlauf nehmen. Dieses Thema braucht eine Abstimmung unter den Departementen», erklärte Regierungspräsident Guy Morin an einer Podiumsdiskussion am Dienstag.

Ein Blick über die Grenzen in andere europäische Grossstädte aber zeigt ein anderes Modell. Sowohl in Paris als auch in Amsterdam gibt es einen Nachtbürgermeister – eine Person, die zwischen Behörden, Anwohnern, Nachtschwärmern und Clubbetreibern vermittelt. In Paris klappt dies mit mässigem, in Amsterdam mit grösserem Erfolg.

Mirik Milan fungiert dort seit 2013 als Sprecher des Nachtlebens gegenüber der Stadt. «Ich berate den Bürgermeister bezüglich der Regelungen und Vorschriften für Bars und Clubs, weil (die Regierung) zwar weiss, was allgemein in der Stadt vor sich geht, aber keinen blassen Schimmer vom Nachtleben hat», so Milan gegenüber dem deutschen Portal «Noisey». Die deutschen Städte Berlin und Köln wollen die Idee kopieren, London sucht nach der geeigneten Person. Wäre dieses Erfolgsmodell, das es in Amsterdam seit 2003 gibt und auch ebendort entwickelt wurde, eine Lösung für Basel und seine Probleme rund um das Nachtleben?

«So eine öffentliche Person zu haben, ist interessant. Denn ein Nachtbürgermeister kann dem Nachtleben und dessen Anliegen ein Gesicht geben», so Claudio Miozzari, Geschäftsführer des Komitees «Kulturstadt Jetzt». Deshalb wurde Milan im August an die zweite Basler Nachtung von «Kulturstadt Jetzt» eingeladen, an der auch Vertreter aus Verwaltung und Politik teilnahmen. «Die Idee war es, einen Austausch zu haben. Mit solchen Begegnungen kann man manchmal mehr erreichen als mit Vorstössen.»

An der Nachtung wurde denn auch gefragt, ob Basel einen Nachtbürgermeister brauche. «Von klar ja bis klar nein war da alles zu lesen», sagt Miozzari. Doch für ihn stellen sich wichtigere Fragen. Wer bezahlt ihn? Und wer wählt ihn? Auch hier hilft ein Blick nach Holland. Der Amsterdamer Nachtbürgermeister wird in einem offenen und transparenten Verfahren durch die Musik- und Clubszene gewählt. Seine Arbeit, in die er 20 Stunden pro Woche investiert, ist ehrenamtlich.