Gleich zu Beginn des jungen Jahres wird der Basler Grosse Rat am kommenden Mittwoch den vermutlich wichtigsten Personalentscheid 2014 fällen. Alles deutet auf eine Wahl von Andreas Sturm (49) zum neuen Präsidenten der Basler Kantonalbank (BKB) hin, wie dies der Bankrat vorgeschlagen hat. Das Parlament wird die Wahl aber, wie eine Umfrage der bz unter Grossräten zeigt, ohne grosse Begeisterung vornehmen.

Am deutlichsten äussert sich SP-Grossrätin Tanja Soland: «Andreas Sturm ist für mich nun nicht die gesuchte integre Person, die das angeschlagene Image der BKB aufpeppen kann.» Sturm sitzt bereits seit 2009 im BKB-Bankrat. Ihm wird wie anderen langjährigen Bankräten vorgeworfen, an den Kursmanipulationen, die BKB-Präsident Andreas Albrecht den Kopf kosteten, zumindest am Rande mitverantwortlich zu sein. Im Zuge der Affäre kam zudem zum Vorschein, dass Sturm und andere Bankräte von Aufträgen der BKB profitiert hatten. Das war zwar nicht illegal, aber dennoch denkbar ungeeignet, das Vertrauen in die Aufsicht zu stärken.

Bankratswahl auf März verschieben

Namentlich bei SP, Grünem Bündnis, SVP und FDP sind die Vorbehalte gross gegenüber einer Wahl des Riehener Unternehmers. FDP-Fraktionschef Andreas Zappalà will am Mittwoch gar einen Antrag auf Streichung der Bankratswahl von der Tagesordnung stellen. Seiner Meinung nach soll die überstürzt traktandierte Wahl in zwei Monaten nachgeholt werden. «Wir sind nicht davon überzeugt, dass mit Andreas Sturm die geeignetste Person für das Amt bereits gefunden ist», sagt Zappalà.

Die Idee zeigt aber auch: Die im Dezember mit reichlich Getöse in Angriff genommene Suche nach einer Alternative ist gescheitert. Gesucht war ein von der jüngeren BKB-Geschichte unbelasteter und parteipolitisch unabhängiger Bankenexperte. Auch die SP, im Bankrat mit mehreren Parteimitgliedern vertreten, mag nicht mit einem Kandidierenden aus den eigenen Reihen ins Rennen steigen, wie SP-Fraktionspräsident Stephan Luethi bestätigt.

Ernst zu nehmender Gegenkandidat

Wie die «Schweiz am Sonntag» herausgefunden hat, liegt zumindest eine Ernst zu nehmende Gegenkandidatur auf dem Tisch: jene von Martin Kuonen. Als bisheriges Geschäftsleitungsmitglied der Walliser Kantonalbank und diplomierter Wirtschaftsprüfer bringt der 51-Jährige auf dem Papier die Voraussetzungen für einen Bank-Präsidenten mit. Die SP- und die SVP-Fraktion wollen Kuonen am Montag denn auch – neben Sturm – zu einem Hearing einladen. Eine Wahl Kuonens ist gleichwohl unwahrscheinlich: «In der aktuellen Situation einen Unbekannten zu wählen, halte ich für ein äusserst riskantes Unterfangen», findet LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein.

Die LDP stellt sich denn auch hinter Andreas Sturm: «Wir wählen ihn. Jetzt ist bei der BKB Kontinuität gefragt», findet von Falkenstein. Das Bekenntnis kommt nicht von ungefähr: Schliesslich hat LDP-Grossrat Albrecht als letzte Amtshandlung als BKB-Präsident seine Nachfolge eingefädelt. Die LDP ist zudem an Turbulenzen nicht interessiert – schliesslich will sie am Mittwoch im Grossen Rat einen Nachfolger Albrechts im Bankrat durchbringen. Die Kandidatur stehe, informiert von Falkenstein. Nach Absprache in der LDP soll der Wahlvorschlag spätestens am Montagnachmittag mitgeteilt werden.

Neues Gesetz, neue Spielregeln

Angesichts der unbefriedigenden Umstände der Bankratswahl setzen viele Parlamentarier ihre Hoffnungen auf die anstehende Revision des Kantonalbankgesetzes. Darin wird unter anderem die Wahl der Aufsicht neu geregelt. Rechtlich noch nicht geklärt ist die Frage, ob Bankratspräsident und Bankrat bis zum Ende der Wahlperiode am 31. Dezember 2016 im Amt bleiben dürfen. Einige Grossräte drängen darauf, dass angesichts geänderter Spielregeln zeitgleich zum Inkrafttreten des Gesetzes – vermutlich per 1. Januar 2015 – der Bankrat neu bestellt werden muss. Sturm müsste sich demnach keine zwölf Monate nach einer glanzlosen Wahl zum BKB-Präsidenten einer Bestätigung stellen – dies unter neuen Vorzeichen.