Das Kino Central ist vielen noch ein Begriff, obwohl es jetzt rund zwei Jahre leer stand. Angesiedelt in der Rümelins-Passage, zwischen Gerbergasse und Rümelins-platz, gilt die leicht versteckte Einrichtung unter Cineasten immer noch als Perle: Hier herrscht keine Multiplex-Kino-Stimmung, sondern die klassische Atmosphäre mit rotem Samt, dezenter Beleuchtung und Marmorelementen.

Lange fand sich kein wagemutiger Mieter, denn wer will schon ein neues Lichtspieltheater in der Basler Innenstadt betreiben, ausgerechnet in Zeiten von Netflix und Kinosterben? Die Antwort: Niranjan Thotakura. Der 47-jährige Inder hat das Kino kürzlich übernommen und an diesem Wochenende offiziell wiedereröffnet. Und zwar mit einer Programmierung, wie sie Basel trotz Kultkinos und Blockbuster-Häusern noch gar nicht kennt – nämlich mit Bollywood-Filmen.

Indisches Gaudi und polnische Komödien

Die indischen Produktionen machen nicht von ungefähr den Hauptteil des Programms aus; Thotakura betreibt seit gut zwei Jahren einen entsprechenden Filmverleih. Ursprünglich kommt er aus der IT, doch die Filmwelt hat es ihm angetan. Neben den indischen Produktionen sollen auch polnische Spielfilme gezeigt werden, wie Thotakura sagt, viel Fremdsprachiges also, was man in Basel eben nicht so finde und wo die Konkurrenz nicht so gross sei. Zudem will er auf alte Filme zurückgreifen. Die sind auch deutlich günstiger im Verleih zu erhalten. Aufgestellt sei das Kino derzeit als Familienbetrieb.

Wie sich nach der Übernahme gezeigt habe, hätte es zu Beginn noch Probleme mit der Heizung gegeben. Die seien jetzt behoben und das Kino soll regulär in Betrieb genommen werden. Die Spielzeiten seien im Moment auf Freitag bis Sonntag angesetzt, die Eintrittspreise sollen sich im regulären Bereich von 17 bis 19 Franken bewegen: Ausser bei einigen sehr langen Filmen», wie der Betreiber sagt,müsse man mit 20 Franken Eintritt rechnen: «Indische Filme dauern sehr lange, da sind zweieinhalb Stunden oft ganz normal.»

Das neuste aus Indiens Filmindustrie

Nun stehen also Produktionen mit Namen wie «Vantha Rajavathaan Varuven» im Programm, ein «Indian Tamil language action comedy film». Gezeigt wird das Original mit englischen Untertiteln. Worum es geht? Der Spross einer einflussreichen Familie erhält die Aufgabe, eine verstossene Verwandte in den Schoss der Familie zurückzuführen. Garantiert actionreich, kurios, sehr musikalisch und heldenhaft genreübergreifend inszeniert. Bollywood, die grösste Filmindustrie der Welt, zeigt sich in Basel von ihrer besten Seite.

Bollywood-Basel

Wie erfolgreich das Nischen-Modell ist, muss sich im hart umkämpften und vom Zuschauerschwund gebeutelten Basler Kinomarkt erst noch zeigen. Für den Anfang ist Geschäftsmann Thotakura schon mal zufrieden, zum Filmverleih hin auch einen Kinobetrieb sein eigen nennen zu können. Immerhin erreicht er mit seinen Filmen
eine Gemeinschaft, für die es in Basel noch wenig solche Einrichtungen gibt: 2018 lebten unter anderem dank den international tätigen Pharma-Konzernen im Kanton Basel-Stadt 1666 indische Staatsangehörige, ganze 57 mehr als US-Amerikaner.