Basel-Stadt ist knapp 700 Jahre lange verschont geblieben. Doch Experten sind sich einig, dass das grosse Erdbeben unvermeidlich ist. Genauere Prognosen sind nicht möglich. Nur, dass die Wahrscheinlichkeit jährlich steigt.

Der Basler Regierungsrat will nichts dem Zufall zu überlassen. Wie die bz weiss, hat er sich entschieden, für ein Jahr eine Erdbebenversicherung für sämtliche kantonseigenen Gebäude abzuschliessen. Es geht um immense Summen. Der gesamte Wert der Basler Liegenschaften beträgt 6,9 Milliarden Franken. Mit eingerechnet ist das Spital sowie die Gebäude von BVB und IWB. Ein Erdbeben der Stärke, wie es der Stadt 1356 widerfuhr, würde einen Schaden von schätzungsweise 700 Millionen Franken verursachen. Für die Schäden einer solchen Katastrophe müssten gemäss Zuschlagsentscheid in diesem Jahr zwei Versicherungen aufkommen: die Helvetia und die Basler Versicherung.

Dieser Erdbebenschutz kostet Basel-Stadt alleine für das Jahr 2018 1,8 Millionen Franken. Das System funktioniert nach dem sogenannten Layerprinzip. 100 Millionen Franken wären bei einer Erdbebenversicherung Selbstbehalt. Helvetia versichert alle Schäden ab 100 Millionen bis zu 200 Millionen Franken – und kassiert dafür vom Kanton 1,5 Millionen Franken. Und die Basler Versicherung übernimmt die nächsten 600 Millionen Franken Versicherungsschäden für knapp 300'000 Franken. Ein scheinbares Ungleichgewicht, das sich dadurch rechtfertigt, dass die Wahrscheinlichkeit für kleinere Schäden viel höher ist.

Werte zu tief veranschlagt

Es sind Beträge, die zu reden geben werden. Der Grosse Rat wird voraussichtlich im ersten Quartal darüber entscheiden, ob eine Versicherung überhaupt sinnvoll ist angesichts der stark angestiegenen Prämien. Basel-Stadt war bis 2016 bei der Nationale Suisse versichert und bezahlte lediglich 300'000 Franken. Als die Nationale Suisse in der Helvetia Versicherung aufging, staunten die Risikoexperten in der neuen Firma nicht schlecht. Die Vorgänger hatten die Prämie für einen Liegenschaftswert von 1,4 Milliarden berechnet. Über viermal weniger als der tatsächliche Wert. Für 300'000 Franken lasse sich Basel-Stadt nicht mehr erdbebenversichern, stellte die Helvetia daraufhin gegenüber dem Kanton klar.

Im vergangenen Frühjahr schrieb Basel-Stadt deshalb die Versicherung neu aus. Möglicherweise zum letzten Mal. Philippe Cottet, der für die Firma Rimas das Versicherungswesen des Kantons verantwortet, spricht von einem vertretbaren Risiko, auf die Erdbebenversicherung zu verzichten. Ein Risiko notabene, das Basel-Stadt bis 2010 eingegangen war, als der Kanton noch nicht im Besitz einer Versicherung war.

Cottet ist persönlich überzeugt: Selbst wenn der schlimmstmögliche Fall eintreffen sollte, wäre Basel-Stadt in der Lage, die Schäden zu berappen. Er müsste schliesslich nicht 700 Millionen Franken auf einmal ausgeben, sondern gestaffelt. «Die Reparaturen und Ausgaben würden sich gewiss über zehn Jahre hinziehen», sagt er. Zudem gäbe es schlicht nicht genügend Handwerker, um die Schäden sofort zu beheben.