Drogen! Alles dreht sich dieser Tage um Drogen. Die Jugend sitzt lieber zu Hause am Smartphone, als sich auswärts einen Cannabis-Rausch einzufangen, war am Dienstag sämtlichen Medien zu entnehmen. Die Illusion einer drogenfreien Schweiz wurde zerschmettert, als die Basler Staatsanwaltschaft einen Tag nach den Studienergebnissen von «Sucht Schweiz» bekannt gab: Im vergangenen Jahr wurde in Basel so viel Hasch und Marihuana beschlagnahmt wie lange nicht mehr. Beim Marihuana war es sechs mal so viel wie im Vorjahr.

Ein Widerspruch, so scheint es. Sitzen die Jungen tatsächlich lieber am Bildschirm, statt sich am Rheinbord einen Joint zu drehen? Oder trauen sie sich nicht, ehrlich zu antworten, da es sich bei Cannabis um eine illegale Substanz handelt? Wie sonst kommt es, dass tonnenweise Cannabis beschlagnahmt wird, obwohl der Konsum sinkt?

Regulieren gegen Schwarzmarkt

SP-Grossrat und Drogenfachmann Otto Schmid hat eine Erklärung: «Dass das Cannabis in Basel sichergestellt wurde, heisst noch lange nicht, dass es auch für den hiesigen Markt bestimmt war.» Für ihn ist klar: Ein Pilotversuch für den kontrollierten Verkauf von Cannabis ist nach wie vor der einzige Weg, das Problem in den Griff zu bekommen. «Vielleicht kiffen weniger Jugendliche, es wird aber nach wie vor konsumiert und niemand weiss, was er raucht.» Schmid wünscht sich, dass der Staat den Anbau kontrolliert und die Substanzen klar deklariert in Apotheken oder dergleichen verkauft werden können. Er ist überzeugt: «Es würden kaum mehr Leute zum Joint greifen.»

Bereits jetzt würden die meisten Haschraucher «moderat konsumieren». Wenn sie dies tun könnten, ohne sich strafbar zu machen, wäre allen gedient, sagt er. Dealer hätten keinen «Arbeit» mehr, der Jugendschutz würde durch strenge Auflagen gewährleistet – und der Staat hätte eine neue Steuerquelle. Das Argument, man würde mit einer Regulierung die Jugend vom Bildschirm weg zum Cannabis holen, lässt er nicht gelten. Sein Gegenargument: In Kantonen, wo der Konsum rigoros bestraft werde, kifften gleich viele Leute wie in Basel. So wurden im vergangenen Jahr in Basel-Stadt mit 109 weit weniger Kiffer-Bussen ausgestellt als in allen anderen Kantonen: In Genf etwa waren es 808, in St. Gallen 909 und im Kanton Zürich wurden gar 3811 Kiffer gebüsst. Diese Zahlen zeigten, dass Repression nur bedingt wirke, sagt Otto Schmid.

Sein politischer Gegner, SVP-Grossrat Joël Thüring, widerspricht: «Die Studie über die Jugendlichen zeigt, dass wir mit dem Verbot auf dem richtigen Weg sind, den Konsum zu reduzieren.» Thüring glaubt zwar nicht, dass mehr Repression Kiffer vom Konsumieren abhalten würden, er sagt aber: «Es wäre falsch, wenn der Staat Hand böte für den illegalen Drogenkonsum.» Der oft genannte Vergleich mit dem Umgang mit Alkohol und Zigaretten hinke, sagt Thüring: «Der Staat gibt ja nicht aktiv Alkohol ab, bei den geforderten Cannabis-Clubs hingegen wäre das der Fall.»

Grosser Rat für Cannabis-Projekt

Vergangene Woche hatte das Parlament einen Vorstoss von SP-Grossrätin Tanja Soland bestätigt. Sie fordert einen kantonalen Pilotversuch für den kontrollierten Verkauf von Cannabis. Cannabis-Clubs, wie sie in Bern aufgegleist und in Genf geplant sind, könnten in dem Zusammenhang auch in Basel aktuell werden. Die Gegner sind aber der Meinung, solche Clubs wären bundesrechtswidrig. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sagt: «Eine Liberalisierung des Cannabiskonsums ausserhalb der medizinischen Indikation oder Arzneimittelentwicklung ist nur über eine entsprechende Revision des Betäubungsmittelgesetzes möglich.»

Was das Modell Genf betrifft, sieht es eher düster aus: «Die Projektskizze des Kantons Genf nach dem Vorbild der Cannabis Social Clubs von Spanien lässt in der dem BAG vorliegenden Version keine abschliessende Beurteilung der Gesetzeskonformität zu, nach bisherigem Kenntnisstand ist diese jedoch nicht gegeben», heisst es aus dem BAG.

Die rechtlichen Hürden sind auch Juristin Tanja Soland bewusst, sie ist jedoch überzeugt: «Der Druck muss von den Kantonen kommen.» Ihr Einsatz bei der Debatte führte zum Ziel: Der Vorstoss liegt nun wieder bei der Regierung. Bis diese berichtet, dürfte das Thema anderweitig debattiert werden: Drogenexperte Thomas Kessler präsentiert morgen an einem Podium sein Modell einer Gesamtregulation.

Freiheitspodium: «Drogen liberalisieren statt verbieten?» Donnerstag, 26. März, 18.30 Uhr, Restaurant Parterre, Basel. www.freiheitspodium.ch