«Mut heisst machen», prangt auf dem Rückfenster der E-Golfs. Nichts weniger als die «Vision einer sauberen Stadt ohne Abgase und Lärm» wolle Catch a Car bieten, verkündete das Unternehmen vergangenen November. Der Anbieter von Autos, die stationsungebunden per App gemietet werden können, hatte gerade dreissig VW E-Golf auf den Basler Strassen verteilt. Damit löse man auch das Versprechen ein, einen Fünftel der Fahrzeugflotte zu elektrifizieren.

Keine vier Monate später tönt es deutlich weniger euphorisch: Diese Woche hat Catch a Car seinen Kunden mitgeteilt, dass im Rahmen von bevorstehenden Anpassungen zwei Drittel der Elektroautos abgezogen würden. Von den dreissig verbleiben noch zehn. In der Praxis ist es kaum mehr möglich, ein elektrisch betriebenes Fahrzeug zu mieten, wie ein Test der bz zeigt. In der App wurden gerade mal fünf Autos angezeigt. Vier davon waren an der äussersten Peripherie parkiert: Muttenz, Riehen, Bruderholz. Das einzige zentral gelegene Fahrzeug im Gundeli war trotz Reservation und selbst mit Hilfe der Hotline unauffindbar.

Ladevorgang dauert zu lange

Mit der Reduktion der Elektrofahrzeuge soll das Mobilitätsmodell rentabel gemacht werden. Ende Januar hatte die Genossenschaft Mobility bekannt gegeben, dass sie die Tochterfirma Catch a Car ganz übernehmen und integrieren werde. Erst wenige Tage zuvor hatte Catch a Car seine Preise massiv erhöht: Die Minute kostet neu 49 statt 38 Rappen, die Stunde 25 statt 18 Franken und der Tag 125 statt 88 Franken. Begründet wurde dies unter anderem mit der Anschaffung der Elektroautos.

«Erstes Ziel ist es, Catch a Car rentabel zu machen», sagt Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann. Dabei sind die Elektroautos ein Problem. «Die Kosten sind sowohl in Beschaffung wie auch im Unterhalt deutlich höher als bei treibstoffbetriebenen Fahrzeugen», sagt Eigenmann. Für Letzteres sei vor allem der Faktor Zeit entscheidend: So dauere es rund eine Stunde, bis der E-Golf per Schnell-Ladestation vollständig geladen sei. Da die Fahrzeuge ausserdem extra von Mitarbeitern zu den Ladestationen gefahren und anschliessend wieder verteilt werden müssen, summiert sich der Aufwand entsprechend.

«Währenddessen stehen die Autos nicht für Fahrten zur Verfügung – und diese Zeit möchten wir vermehrt wieder in die Betreuung und Pflege der Gesamtflotte investieren», sagt Eigenmann. Mit dem Abzug der E-Golfs wird die Flotte von Catch a Car in Basel von 150 auf 130 Fahrzeuge verkleinert. «Wir können aufgrund der Fahrdaten sehr gut einschätzen, wie viele Fahrzeuge es braucht, um genügend Verfügbarkeit zu garantieren», sagt Eigenmann. Diese sei auch mit der neusten Flottengrösse immer noch gegeben.

«Werde es nicht mehr nutzen»

Im Rahmen der Eingliederung in die Mobility-Flotte wird der Name Catch a Car verschwinden. Gleichzeitig ersetzt Mobility alle Catch-Cars. Welches Modell künftig zur Verfügung steht, ist noch nicht bekannt. «Klar ist: Die neuen Autos werden kraftstoffbetrieben sein», sagt Eigenmann. Er schliesse nicht aus, dass der Elektroanteil wieder steigen werde, wenn das Mobilitätsmodell rentabel sei. «Allerdings braucht es parallel dazu weiterhin Weiterentwicklungen im E-Bereich.» So müssten die Ladedauer und Reichweite der Fahrzeuge verbessert und das Ladenetz ausgebaut werden.

«Nur so kann es für uns als Anbieter attraktiv sein, E-Mobilität breiter anzubieten.» Tatsächlich befindet sich das Ladestationen-Netz in Basel zurzeit noch im Aufbau. «Die IWB bauen in Basel-Stadt ein Netz leistungsfähiger öffentlich zugänglicher Ladesäulen auf», sagt IWB-Sprecher Reto Müller. «Damit geben wir der umweltfreundlichen Elektromobilität entscheidende Impulse.» Die Abkehr von Catch a Car habe keinen Einfluss auf die Pläne der IWB.

Der Entscheid sorgt für Kritik. SP-Grossrat Thomas Gander sagt: «Ich bin enttäuscht, dass Catch a Car nicht mehr Durchhaltewillen hat.» Er selber hat sich erst kürzlich für den Sharingdienst angemeldet, als dieser die Flotte mit Elektroautos erweiterte. «Der neue Entscheid ist für mich ein Grund, Catch a Car künftig nicht mehr zu nutzen», sagt Gander. So mache das Angebot für ihn keinen Sinn. «Die Verbindung von Carsharing und Elektrifizierung ist das, was ich unter innovativer Mobilität verstehe.»