Gleich zwei Privatkliniken sorgten vergangene Woche für rote Köpfe. Nachdem die Muttenzer Rennbahnklinik wenige Tage nach Ausstellungsbeginn die Karikaturen von Beat Ted Hannemann wieder abhängte (die bz berichtete), folgt nun Kritik an Christophe Hohlers Kunst in der Münchensteiner Hirslanden-Klinik Birshof. Auf «blick.ch» wird getitelt: «Klinik schockt Patienten mit Horror-Bildern».

Der Elsässer Künstler Hohler hat so etwas über seine Kunst noch nie gelesen. «Ich habe kein Verständnis, dass das Wort ‹Horror› mit meinen Bildern in Verbindung gebracht wird. Diese Wahrnehmung ist extrem reduziert», sagt der Künstler zur bz. Er male nicht «Horror», sondern ein Maximum an Ausdruck.

Zugang fällt nicht allen leicht

Der Direktor der Hirslanden-Klinik Birshof, Christian Schuhmacher, ist sich bewusst, dass Kunst verschiedene Emotionen auslöst: «Wir erwarteten unterschiedliche Reaktionen auf Hohlers expressionistische Kunst.» Ein Patient findet zur momentanen Ausstellung gegenüber «blick.ch» deutliche Worte: «Ich dachte, ich betrete ein Schlachthaus. Die Bilder wirken sehr bedrohlich.»

Es ist wohl die heftigste Reaktion, jedoch nicht die einzige. «Bei negativen Rückmeldungen verweisen wir auf die Einführung der Ausstellung von der Kunsthistorikerin Susanne Blaser», berichtet Schuhmacher. Diese helfe, einen Zugang zu Hohlers Kunstwerken zu finden.

Hohler freut sich, wenn sein Publikum über die Bilder diskutiert. «Eine Ausstellung ist keine Dekoration, sondern soll Fragen und den Dialog fördern.» Wer ein Museum besucht, ist für diese Auseinandersetzung offen. Die Patienten einer Klinik sind aber nicht alle Museumsfreunde. Wird nun diesen Kunst aufgezwungen? Nein, versichert Schuhmacher:

«Die Ausstellung ist auf gewisse Bereiche der Klinik fokussiert, sodass man ihr – mit Ausnahme der Physiotherapie- und Sportklinik-Patienten – nicht unbedingt begegnet.»

Hohlers Bilder auch in Psychiatrie

Die Psychiatrie Baselland stellt ebenfalls Kunstwerke Hohlers aus. Während es in der Hirslanden-Klinik vor allem darum geht, dass das Innere der Klinik gefällt und bewegt, sucht die Psychiatrie dadurch den Kontakt mit Nicht-Patienten.

«Die wechselnden Ausstellungen sind ein Beitrag zur Öffnung der Psychiatrie», sagt der Direktor Hans-Peter Ulmann. Die Kunst helfe, Hemmschwellen abzubauen und den Besuchern eine normale Umgebung zu zeigen.

Ulmann ist sich der Wirkung bewusst. «Wir möchten nur aufbauende Kunst ausstellen», erklärt er. Gemeinsam mit den Künstlern würden Grenzen gesetzt. Patienten dürften nicht verletzt oder stark belastet werden.

Drei schöne Bilder von Hohler

Christophe Hohler hat vor rund zwei Jahren ebenfalls in der Psychiatrie Baselland Bilder ausgestellt. «Wir haben immer noch drei schöne Bilder von Herrn Hohler.

Diskussionen darüber gibt es meines Wissens keine», berichtet Ulmann. Das sei nicht immer der Fall. Hie und da gebe es Gesprächsrunden mit Mitarbeitern, Patienten und Künstlern. Diese betrachtet Ulmann als sehr fördernd.

Hohlers Bilder sorgen also nicht überall für Aufregung. «Gratis zu provozieren, um aufzufallen, ist eine billige Art, Kunst zu machen», sagt Hohler. Das wolle er keinesfalls. Wer sich dennoch provoziert fühlt, kann sich auf den 29. November freuen. Dann ist die Vernissage der neuen, ganz anderen Ausstellung von Carlos Varela in der Hirslanden-Klinik.