Wer keinen Ständer hat, ist hier mit dem Velo ganz schön aufgeschmissen. Allein vor dem Herzog&de Meuron-Bau an der Viaduktstrasse erstreckt sich täglich ein Meer aus Drahteseln. Hier, wo im Konzept kein einziger Veloständer vorgesehen war, weil die Fahrradflut die Architektur verschandeln würde, befindet sich mittlerweile einer der beliebtesten Abstellorte für Zweirad-Pendler. Einzig zwei schmale Schneisen sind wie selbstverständlich gewachsen: Vor dem Fussgängerstreifen und vor der Lieferantenausfahrt des Gebäudes. Ansonsten heisst es Zick-Zack-Gehen, denn für Fussgänger ist es hier eng.

Das Phänomen der umgangssprachlich «Velofriedhöfe» genannten Abstellplätze hat sich über alle hochfrequentierten Orte der Stadt verteilt. Vor der Uni-Bibliothek etwa, wo Hunderte Studenten täglich ein und aus gehen. Selbstredend vor den Bahnhöfen und zu Geschäfts- und Ausgangszeiten auf dem Marktplatz und dem Barfüsserplatz ebenso wie in einigen Quartieren, die über grössere Arbeitgeber verfügen.

Problemzone Innenstadt

Die Veloparkplätze wuchern derart, dass der Kanton nun dazu aufruft, weniger ausgelastete Orte aufzusuchen, um die Flut einigermassen zu kanalisieren. In einem Newsletter verschickte das Bau- und Verkehrsdepartement vergangene Woche eine Liste möglicher Nebenstandplätze, die zur Entspannung der Lage beitragen sollen.

Allein die Polizei hat eine Heidenarbeit mit Abschleppen: Die Zweiradsammelstelle der Kantonspolizei Basel-Stadt zieht jährlich Tausende nicht fahrtaugliche Velos, Schrott-Velos, verkehrsbehindernde und falsch parkierte Fahrräder ein. «Jährlich sind es rund 2000 Fahrräder, die nicht abgeholt werden und im Zuge der Verwertung entweder verschrottet, vergantet oder an gemeinnützige Organisationen verteilt werden.», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz.

Problemzonen gebe es an verschiedenen Orten in der Stadt, so Yerguz: «Insbesondere auf und rund um die zentralen Plätze wie unter anderem Bahnhofplatz, Barfüsserplatz, Marktplatz und Claraplatz.» Dort nützen dann auch die neuen festinstallierten Veloständer aus Stahl nichts, die vom BVD aufgestellt werden, wie kürzlich auf der Verkehrsinsel vor der Hauptpost an der Falknerstrasse, wie der Polizeisprecher sagt: «Generell sind diese Veloständer eine gute Sache und bringen etwas Ordnung ins Ganze. Veloständer können aber nicht überall montiert werden. Denn gerade in der Innenstadt müssten sie wegen Grossveranstaltungen wie Fasnacht und Stadtlauf immer wieder abmontiert und nach dem jeweiligen Anlass wieder montiert werden. Dies wäre ein unverhältnismässiger Aufwand.»

Autos weg, Velos hin

Die Parkplatzsituation für Velofahrer hat auch politische Konsequenzen. Der Regierungsrat publizierte am Freitag eine Stellungnahme zu einem entsprechenden Vorstoss der alt Basta-Grossrätin Loretta Müller, der bereits zwei Jahre alt ist und eine Verbesserung der Situation forderte. Die Antwort ist nüchtern: Der Anzug von Müller soll stehen gelassen werden. Wie die Regierung berichtet, habe sich die Situation nicht deutlich genug gebessert.

Denn der Basler Velofahrer scheint stur zu sein, wie dem Bericht zu entnehmen ist: Ergänzende Angebote an Abstellplätzen werden nur unzureichend genutzt, die in einem speziellen Teilrichtplan eingerichteten «Bike & Ride»-Stationen weitgehend noch nicht realisiert und grössere Parkieranlagen können meist nur in Verbindung mit anderen Grossprojekten wie Neubauten umgesetzt werden.

Dafür wird die Regierung sogar innovativ: «Gedacht wird an eine Zwischennutzung einer Liegenschaft zum Zwecke der Veloparkierung und an die Umwandlung von Anliefer- und Taxistandplätzen», heisst es im Schreiben. Ausserdem sollen die in der Innenstadt für Motorräder reservierten Plätze ausserhalb von «Pendlerzeiten», also etwa freitagabends bis sonntagnachts im Rahmen einer gemischten Nutzung für Velos freigegeben.

Falschparkierer werden gebüsst

Konkreter wird die Regierung nicht. Die Vorschläge sollen aber demnächst geprüft werden. Denn abgesehen vom Nutzungsverhalten der Radler spielen laut Regierung auch andere Faktoren mit: «Da der Handlungsspielraum in der Innenstadt begrenzt ist, muss hier auch nach neuen Ansätzen für die Veloparkierung gesucht werden.»

Als Ausrede für renitente Veloparkierer gilt das allerdings nicht. Wer sein Veloziped einfach stehen lässt, muss zahlen: Beim Abholen eines Velos werden 35 Franken Gebühr für das Einsammeln erhoben sowie 20 Franken Busse fürs Falschparkieren.