«Sie hören es vielleicht an meinem Dialekt: Das Sechseläuten ist für mich nichts Fremdes», sagt Sabine Horvath, Leiterin Standortmarketing Basel-Stadt über den Gastauftritt am bürgerlichen Zürcher Feiertag. Seit 1991 lädt das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs jeweils einen Gastkanton zum Sechseläuten ein. 1993 war Basel-Stadt zum ersten Mal dabei. Alle Beteiligten seien sich einig, dass es nichts mit dem Gastkanton zu tun gehabt habe, dass der Böögg damals eingestürzt ist, ohne zu verbrennen, so Horvath verschmitzt. Der eingestürzte Böögg von 1993 war ein beliebtes Laternenmotiv an der folgenden Basler Fasnacht.

Der Basler Auftritt 2018 firmiert unter dem Motto «Hochkultur & Alltagskunst». Man wolle Basel als Kulturhauptstadt der Schweiz präsentieren. Der Kulturbegriff wird dabei aber sehr offen verstanden. «Lebenskunst» ist das dritte von sieben Schlagworten im ausgeteilten Mediendossier. Der Gastauftritt soll, so Horvath, nicht alleine dem Standortmarketing dienen, sondern auch zahlreiche Baslerinnen und Basler zum Besuch der viertägigen Zürcher Lokaltradition motivieren.

Das kantonale Standortmarketing hat für das Unterfangen 280'000 Franken budgetiert. Deutlich weniger als für den Gastauftritt an der OLMA 2011 ausgegeben worden war. Das liege wiederum auch nicht am Zürcher Gastgeber: Der Betrag orientiere sich am Budget der Gastkantone vergangener Jahre.

Life Science und Gutenberg

Das Sechseläuten dauert jeweils von Freitag- bis Montagabend. Am Sonntag findet der Kinderumzug statt – dieses Jahr mit 150 Basler Kindern. Höhepunkt des Sechseläutens ist der Zunft-Umzug und die Böögg-Verbrennung am Montag. Bekanntlich soll der Sommer umso schöner werden, je früher der mit Feuerwerk gefüllte Kopf des Böögg explodiert. Der jeweilige Gastkanton präsentiert sich während den vier Tagen auf dem zentral gelegenen Lindenhof mit Aktivitäten, Ausstellungen und lokaler Gastronomie.

Das geplante Basler Programm ist so breit wie das Kulturverständnis des Standortmarketings: Ein Bühnenprogramm unter Mitwirkung des Jazzcampus, Basel als Life Sciences-Zentrum und das Rheinschwimmen sind Bestandteile der Ausstellung. Eines der geplanten Herzstücke ist der Nachbau einer Gutenberger Druckerpresse aus der Basler Papiermühle. Die Besucherinnen und Besucher werden dort unter Anleitung selbst Drucke erstellen können. Druckmotiv ist ein Böögg, der um das Basler Wappen ergänzt worden ist.

Einführungskurs

Natürlich wird auch die Fasnacht – laut Horvath Alltagskunst und Hochkultur in einem – eine zentrale Rolle spielen. In zwei Fasnachts-Zelten können sich Besucher im Pfeifen und Trommeln versuchen, Laternenrähmli bemalen und einen Laternenmaler beobachten, der vor Ort eine unbemalte Laterne gestaltet. Horvath verriet, dass der Künstler bereits damit rechne, während den drei Tagen vor der Böögg-Verbrennung jeweils bis spätabends zu arbeiten. Die Laterne soll dann Teil der Basler Formation am Sechseläuten-Umzug am Montag werden.

Als Gastkanton führen die Basler den Zunft-Umzug an; dahinter laufen die etwa 3500 Zünfter sowie deren Gäste. 450 Fasnächtler, Basler Zunftvertreter, Trachtenvereine, die Polizeimusik, aber auch Sportgrössen werden mitmarschieren. Der Gastkanton ist von der mit Tradition begründeten Geschlechterdiskriminierung am Sechseläuten ausgenommen, weshalb die Basler Delegation genauso Frauen wie Männer umfasst.