Das sind sie also. Die 200 «prominentesten Persönlichkeiten». Das war sicher eine Chrampf für die Jury. Schliesslich hört der Glamour in unserem Stedtli schnell auf. Wir haben Roger Federer, klar, ein Weltklasse-Promi (und tief in sich drinnen ein Baselbieter) – und Minu. Mal schauen, was das Jahreshighlight dieser Evergreens war.

Ähm? Who the f*** is Patric Senn? Ein sympathischer Zeitgenosse, auf jeden Fall, aber der arme Kerl hat ein schmutziges Gesicht auf dem Foto im neuen «Who is Who»-Heftli! Ach so, Herr Senn läuft unter Sport, wo Roger Federer nicht aufgeführt ist. Das kommt davon, wenn man fremdwohnt.

Yoga, Botox, Ohrwurm, Wessels

Ausserdem haben sich die Macher der Promibibel wohl gedacht: Es müssen nicht immer die Gleichen sein, es geht ja darum, zu zeigen, wer jetzt das Sagen hat, da nehmen wir doch den Captain der Rugbymannschaft Basel (eben Senn) und teilen dem Leser mit, dass sich dieser als «Speerspitze» sieht.

Und so ist es auch, wie an der Heftli-Vernissage am Mittwoch zu erfahren war: «Sie werden viele Persönlichkeiten entdecken, die Sie noch nicht kennen», versprach Chefredaktor Fabian Schwarzenbach.

Ja, schon, aber Minu? Wo wäre der aufgeführt? Fasnacht, Kommunikation, Lifestyle? Unser aller Lieblingsparadiesvogel würde überall hin passen, er ginge sogar als «Newcomer» durch, aber: Minu ist nicht drin! Dafür Martin Bammerlin (Fasnacht), Vanessa Ciliberto (Kommunikation) und Denis Clyde (Lifestyle). Bammerlin füllte eine Marktlücke, indem er mit «RämPläm» eine Vorfasnachtsveranstaltung erfand, die es gemäss dem Heftli allerdings schon nicht mehr gibt (gemäss den Machern allerdings schon, aber erst 2018 wieder). Vanessa Ciliberto macht Yoga, wenn sie nicht gerade in ihr Mode-Tagebuch «TheVogueWord» schreibt. Und bei Denis Clyde gehört Botox «fix zu seinem Äussern», seit er 18 Jahre alt ist. Hauptberuflich vertreibt er übrigens eine eigene Kosmetiklinie. Damit hat Stephan Remmler nichts am Hut, dafür war der Sänger mal so richtig berühmt.

Doch leider war er (bis zu Redaktionsschluss jedenfalls) nicht an der grossen Sause und hat es verpasst, mal ausgiebig mit LDP-Superstar-und-vielleicht-Anita-Fetz-vom-Thron-Stosserin Patricia von Falkenstein und Stadtführer «Grabmacherjoggi» zu plaudern (oder flirten, je nach dem).

Nichtsdestotrotz sichert «Da Da Da», der monotonste Ohrwurm aller Zeiten, Remmler (70) auch 34 Jahre nach dem Erscheinen sein Einkommen. Ob dies auch Michele Matt gelingen wird?

Wird der Start-up-Promi auch in 34 Jahren noch von «mycamper.ch» leben können? Gibt es dann überhaupt noch Camper? Und die Möglichkeit, damit durch Basel zu fahren? Mal schauen, welches die Politiker des Jahres sind. Ui, Heidi Mück, nicht gerade bekannt als Strassenbauerin. Kathrin Amacker hat in der Stadt nichts zu melden. Und Hans-Peter Wessels... Adieu, Autostadt!

Immer dieses Understatement

Ist alles halb so wild, wenn man im Käslädeli-Beizli am Tellplatz 3 «Raritäten» essen will. Der öV ist direkt vor der Beiz. Und die Gastronomen, die «authentisch» aus dem Heftli grinsen, sorgen für «kulinarischen Spass».

Ja, es gibt einiges zu entdecken auf den 137 Seiten, die 15 Franken kosten, für die Stars aber gratis waren, als sich diese an der Vernissage selber feierten.

Früher taten sie das im «Les Trois Rois», heute geht man ins «Soho», einen neuen Club in der Steinen, man ist ja en vogue. Und man gibt Chancen, dem Neuen, der Zukunft. In jeder Stadt der Welt würde dies gutgeheissen. Aber was muss sich der «Who is Who»-Chefredaktor sagen lassen? Das Heftli sei «unbaslerisch». Und da wundert man sich, dass einen in der Schweiz kein Schwein wahrnimmt?

Trotzdem: Mit Minu wäre der Anlass paradiesvöglerischer gewesen. Sicher.

Aus Transparenzgründen noch dies: Der Autorin dieses Textes wurde die Ehre zuteil, ebenfalls zu den 200 zu gehören.