Frau Walter, hat sich die Situation für obdachlose Frauen durch die neue Frauennotschlafstelle verbessert?

Elfie Walter: Der Sozialdienst führt momentan Umfragen zu diesem Thema durch. Laut den bisherigen Antworten fühlen sich die Frauen sehr viel sicherer. In der neuen Notschlafstelle gibt es Zweierzimmer und jedes Zimmer hat ein eigenes WC und eine Dusche. Das ist eine enorme Verbesserung zu der gemischten Notschlafstelle. Ausserdem sind jetzt sowohl an der Rosentalstrasse als auch an der Alemannengasse abends Sozialarbeiterinnen anwesend.

Was ist die Aufgabe der Sozialarbeiterinnen in den Notschlafstellen? 

Das Mandat für den Sozialdienst wurde vom Kanton an die Frauenoase erteilt. Zurzeit übernehmen eine Kollegin und ich diese Aufgabe. Der Auftrag besteht vor allem darin, die Wohnfähigkeit der Frauen und Männer zu prüfen. Ziel ist, dass sie eine andere Möglichkeit finden und nicht mehr in der Notschlafstelle übernachten müssen.

Wird dieses Angebot genutzt? 

Ja, sehr. Und die Leute, die schon bei uns in der Beratung waren, schicken dann wiederum andere vorbei.

In den letzten drei Jahren haben Sie die Frauenoase in den Wintermonaten auch über Nacht geöffnet. Warum war das notwendig?

Wir haben uns dazu entschieden, als eine Frau nachts auf ihrer Bank auf dem Friedhof fast erfroren wäre. Sie hatte psychische Schwierigkeiten, aber keinerlei Krankheitseinsichten und das Gefühl, sie bekäme nirgends Hilfe. Als sich herumsprach, dass wir nachts offen haben, kamen immer mehr Frauen zu uns. Manche von ihnen auch aus anderen Kantonen und dem Ausland. Wer nicht in Basel gemeldet ist, muss 40 Franken bezahlen. Das können sich viele nicht leisten. Es waren aber auch immer zwei, drei Frauen aus Basel-Stadt dabei.

Warum sind diese Frauen aus Basel nicht in die Notschlafstelle gegangen? 

Manche fühlten sich in der alten Notschlafstelle nicht sicher genug. Andere haben sich einfach schon zu sehr an das Draussenschlafen gewöhnt und wollen einfach nicht in die Notschlafstelle. Die Gründe sind vielfältig.