Frau Ammann, was genau ist ein Konfuzius-Institut?

Qi Zhu Ammann: Wir sind inspiriert vom deutschen Goethe-Institut. Mit dem Konfuzius-Institut wollen wir die chinesische Sprache näher bringen. Ausserdem wollen wir eine Plattform für den Austausch von Schweizer und chinesischen Akademikern schaffen.

Sie bieten also vor allem Sprachkurse an?

Eigentlich nicht. In Basel kann man an sehr vielen Schulen Chinesisch lernen. Es gibt viele Privatschulen, die Chinesisch anbieten und auch am Gymnasium Leonhard kann man Chinesisch-Unterricht nehmen. Und natürlich an der Volkshochschule, wo ich für den Unterricht zuständig war. Was mir hier aber fehlt, ist die Weiterbildung für die Chinesischlehrer. Es gibt wenig Austausch mit Kollegen in der Schweiz oder generell im deutschsprachigen Raum. Ein Konfuzius-Institut kann das organisieren. Uns geht es um die Sprache, aber es ist klar, dass wir Sprache nicht losgelöst von Kultur vermitteln. Beim Lernen einer Sprache lernt man eine Kultur kennen.

Sie arbeiten mit der Universität ...

Eigentlich mit zweien: Der Uni Basel und der East China Normal University in Schanghai. Das ist eine exzellente Universität, die Gymnasiallehrer und Hochschullehrer ausbildet. Mit diesen Partnern legen wir unser Programm fest.

Gibt es einen anderen Fokus ausser der chinesischen Sprache?

Es gibt an der Uni Basel das Europa-Institut, das seinen Blickwinkel erweitern soll. Also nicht nur auf Europa bezogen, sondern auch auf Asien. Das Konfuzius-Institut ist für die Uni wie ein Einstieg in ein neues Forschungsgebiet. An der Uni Basel kann man keine Sinologie studieren, aber die Uni möchte sich mit diesem Gebiet beschäftigen. Da können wir helfen.

In anderen Konfuzius-Instituten werden Kochkurse angeboten.

(Lacht.) Das wäre bestimmt sehr beliebt und ist sicher auch Teil der chinesischen Kultur. Leider können wir das aber nicht anbieten. Wir haben nicht die Infrastruktur dazu. Wir sind auch keine Experten in diesem Metier.

Wie sind Sie denn organisiert?

Wir sind rechtlich als ein gemeinnütziger Verein organisiert. Der Vorstand besteht aus zwei Seiten: die Schweizer Seite mit fünf Mitgliedern und die chinesische Seite mit vier. Ich bin die Geschäftsführerin. Das ist ja die Spezialität des Konfuzius-Instituts: Es ist wie ein Joint Venture. Die Erstausstattung, also die Bücher und die Möbel, werden vom Konfuzius-Institut-Hauptquartier in Beijing finanziert. Die Basler Seite finanziert die Liegenschaft und die administrativen Ausgaben.

Konfuzius-Institute werden immer wieder kritisiert als eine Art Imperialismus. Nehmen Sie hier auch chinesische Interessen wahr?

Nein, das ist nicht unsere Aufgabe und wir können das auch gar nicht. Wir sind ja halb von der Schweiz finanziert. Bei allem, was wir machen, müssen beide Seiten einverstanden sein. Wir vertreten nicht das offizielle China. Das macht die chinesische Botschaft in Bern.

2004 wurde das erste Konfuzius-Institut in Seoul in Südkorea eröffnet. Mittlerweile gibt es schon 400 auf der Welt. Wie kam es zu dieser rasanten Ausbreitung?

Es stimmt, es ist ein rasantes Tempo. Aber: China entwickelt sich auch sehr schnell. Ich wohne ja in der Schweiz, hier sind auch nach zehn Jahren die Geschäfte in der Innenstadt immer noch dieselben. In China verschwinden ganze Strassen, Viertel oder Quartiere. Ich glaube, diese Schnelligkeit hat damit zu tun. Die chinesische Regierung hat vielleicht auch gemerkt, dass sich ein Konfuzius-Institut besser eignet um Dialoge zu führen als eine Botschaft.

Wie wollen Sie Dialoge führen?

Es wird Vorträge geben zu aktuellen chinesischen Themen. Zur Eröffnung des Instituts wird es eine kleine Ausstellung geben zu Adolf Krayer, einem Basler, der in China gelebt hat. 1860 hat er ein Buch geschrieben: «Als der Osten noch fern war». Wir wollen zeigen, dass die Verbindung von Basel zu China und Schanghai viel weiter in die Vergangenheit zurückgeht, als man vielleicht meint.

Basel versucht ja, die Hauptstadt für die Chinesen in der Schweiz zu sein. Funktioniert das?

Das Mondfest am Wochenende wird sehr viele Chinesen anziehen.

Ihr Institut ist nach Konfuzius benannt, einem der berühmtesten Philosophen der Weltgeschichte. Welchen Einfluss hat er auf Sie?

Er leiht uns vor allem den Namen. Konfuzius kennt jeder. Wie Goethe. Den kennen auch viele Nichtdeutsche. Wir werden sicher auch konfuzianische Theorien besprechen. Aber in China gibt es ja noch viel mehr, Daoisten, Buddhisten …

... und die werden auch Platz haben bei ihnen?

Auf jeden Fall.

Was haben China und die Schweiz gemeinsam?

Beide Kulturen sind pragmatisch. Und sehr fleissig. Aber es gibt auch sehr grosse Unterschiede.

Auf Chinesisch heisst Schweiz «Ruì shì» …

Genau, das heisst so etwas wie glücklicher, zufriedener Mensch oder gesegneter Edelmann. Ein sehr positiver Begriff.

Und sind die Schweizer auch ein glückliches Volk?

Nun, es gibt diese und diese Schweizer. Wie es auch diese und diese Chinesen gibt.