Der derzeitige Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott (51, Grüne Partei) tritt seine neue Stelle als Leiter des Kantons- und Stadtentwicklers des Kantons Basel-Stadt per 1. Dezember 2017 an. Der Termin dürfte nicht zufällig gewählt sein: So kann Ott die Abstimmung über die Liestaler Bahnhofs-Entwicklung, die er befürwortet, Ende November noch im Amt begleiten.

Als Stadtentwickler haben Sie neu eine Chefin über sich. Ist das nicht ein Abstieg?

Lukas Ott: Nein überhaupt nicht. Ich bin absolut davon überzeugt, dass im gemeinsamen Erarbeiten ein sehr grosses Potenzial liegt. Im diesen Sinne freue ich mich heute umfassend und vorbehaltlos auf die Zusammenarbeit mit meiner neuen Chefin Elisabeth Ackermann.

Sie geben Ihre politischen Mandate ab. Bleiben Sie in der Grünen Partei?

Selbstverständlich. Es ist klar, dass ich irgendwo hingehöre. Aber schon das Stadtpräsidium in Liestal ist explizit keine parteipolitische Funktion gewesen, sondern eine für die gesamte Bevölkerung. Auch in der Kantons- und Stadtentwicklung geht es darum, mit allen relevanten Stellen, Gruppierungen und Institutionen im Dialog zu sein.

Wird Ihre politische Herkunft bei Themen wie der Arealentwicklung eine Rolle spielen? Bei der Diskussion um die Klybeckinsel ging es ja schon um die Frage mehr Grün oder Hochhäuser.

Wir bringen alle unsere Werte mit, und es wäre naiv oder sogar falsch anzunehmen, dass es das nicht gebe. Das schwingt immer mit. Ich bin alles andere als ein politischer Eunuch. Trotzdem geht es darum, mit Allen im Gespräch zu sein – integrierend und nicht ausschliessend und nicht ständig das Eine gegen das Andere auszuspielen. Das ist mir in Liestal schon sehr wichtig gewesen.

In welche Richtung soll sich Basel entwickeln?

Eine Stadt mit der Zentrumsfunktion von Basel und den entsprechenden Strukturen kommt nicht darum herum, sich vorwärts zu bewegen. Es ist unabdingbar, alle Potenziale zu aktivieren und innerhalb der Verwaltung durch Koordination einen Mehrwert zu erzielen. Das findet ja schon heute statt. Es wird gute Arbeit geleistet. Das soll durch die Kantons- und Stadtentwicklung weiter gestärkt werden. Über die Verwaltung hinaus müssen im Dialog mit den relevanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gruppierungen Gestaltungsmöglichkeiten und Alternativen geschaffen werden. So, dass die Politik gestalten kann.

Sie sprechen viel von Potenzial. Geht es um quantitative oder qualitative Entwicklung?

Man muss gar nicht das Eine über das Andere stellen. Anzustreben ist für die qualitative Entwicklung auf jeden Fall Nachhaltigkeit. Aber auch das Quantitative ist nicht per se verwerflich. Zum Glück gibt es seit den letzten Jahren in Basel mehr Wohnraum. Nachdem die Stadt lange Zeit Einwohner verloren hat, ist es gelungen, diese Entwicklung zu kehren: Sie gewinnt wieder Einwohner hinzu. Um die kommenden Herausforderungen zu bestehen, braucht es die hier wohnende Bevölkerung, ergänzt durch einen vitalen Arbeitsmarkt. Ganz wichtig ist es, Basel als funktionalen Raum zu sehen, wo das Entwickeln von Gestaltungsmöglichkeiten nicht an den Kantonsgrenzen aufhört.

Spielt Ihr Engagement für die Kantonsfusion noch eine Rolle? Müssten Sie sich jetzt nicht für die Selbstständigkeit des Kantons Basel-Stadt einsetzen?

Nein, diese politische Auseinandersetzung kulminierte 2014 mit der Abstimmung über die Fusionsinitiative. Ich habe aus meinem Herzen ja nie eine Mördergrube gemacht: Ich habe immer gesagt, man könne das Potenzial der Region besser auf den Punkt bringen, wenn man fusioniert wäre. Aber man hat anders entschieden. Die Frage ist für die jetzige Generation vom Tisch und stellt sich insofern gar nicht.

Hat Liestal in Basel mit Ihnen jetzt einen grossen Fürsprecher?

Ich glaube nicht, dass da irgendwelche Gewichte verschoben werden. Da würde ich mich selber überschätzen. Es fällt mir natürlich nicht leicht, das Stadtpräsidium von Liestal abzugeben. Ich bin ein wenig wehmütig und sentimental, aber es ist kein Entscheid gegen Liestal – und auch nicht gegen meine dortige Funktion. Es ist eine Entscheidung für die Leitung der Kantons- und Stadtentwicklung, die in meinen Augen die attraktivste Stelle in der Region Basel ist. Für einen Soziologen ist das so etwas wie der Jackpot.

Ziehen Sie jetzt nach Basel?

Das steht im Moment nicht wirklich zur Diskussion. Für das hängt mein Herz doch auch sehr an Liestal. Unsere Region ist so gut vernetzt und wir haben so gute Infrastrukturen, dass der Weg zwischen Liestal und Basel kein Problem ist.