Das Lysbüchel-Areal ist derzeit Kampfzone. Am 25. November kommt die Vorlage zur Überbauung des Areals vors Volk. Gestern lancierten nun die Gegner ihren Wahlkampf. Für sie fehlte der Gewerberaum, wenn das Areal so überbaut wird, wie es die SBB und die Stadt Basel vorhaben. Die Exponenten der Gegnerschaft sparten vor den Medien zudem nicht an Kritik an die Adresse der SBB.

FDP-Präsident Luca Urgese sagte: «Die SBB verfolgen in erster Linie Eigeninteresse. Die Bundesbahnen wollen mit dem Projekt, das auch mehrere Wohnbauten beinhaltet, das Areal vergolden. Dass das Gebiet bei einem Volks-Nein einfach brach liegen werde, sei eine leere Drohung der SBB.

Bau der Werkarena ab Januar

Viele Firmen zeigen und zeigten in den letzten Jahren die kalte Schulter. Jährlich verliessen fast doppelt so viele Firmen die Stadt wie nach Baselt ziehen, sagt Gewerbedirektor Gabriel Barell. «Der Grund liegt darin, dass diese Firmen hier keine geeignete Fläche finden.»
Zu wenig Fläche fürs Gewerbe: Das ist denn auch der Hauptgrund, warum sich der Gewerbeverband gegen das Projekt stellt. In unmittelbarer Nähe des Lysbüchel-Areals gäbe es diese Flächen jedoch. Die Werkarena wird nun seit fast einem halben Jahrzehnt geplant.

Bisher konnte nicht glaubhaft gemacht werden, ob überhaupt eine Nachfrage für das Projekt besteht. Die Suche nach einem Ankermieter bei der Werkarena verläuft schleppend. Jetzt scheint sich dieses Problem aber gelöst zu haben. Barell sagte gestern: «Bei der Werkarena soll es im Januar 2019 losgehen.» Für die Gegner der Volta-Nord-Vorlage ist das ein gutes Omen. Würde dies doch bedeuten, dass in der Stadt tatsächlich Gewerbeflächen nachgefragt werden.

Ein betroffener der Areal-Entwicklung ist Jean-Marc Wallach. Er betreibt eine Recycling-Firma mit Sitz auf dem Areal. Er wies an der Medienorientierung darauf hin, dass die Fläche für das Gewerbe mit dem jetzigen Projekt um rund einen Drittel sinken würde. Das angedachte Gewerbehaus der SBB sei ebenfalls keine Option. Vor allem weil die Planung nicht vorwärtskomme, sagte Wallach. Egal wie die Abstimmung ausgeht: Wallach und seine Schmoll AG müssen das Lysbüchel auf jeden Fall verlassen. Seit rund zwei Jahren sei man im Gespräch mit den Bundesbahnen. Auf 2021 müsse man den Standort nun aber aufgeben. Die SBB hätten klar gemacht: Eine Verlängerung des Mietvertrags kommt nicht infrage. Interessant: Laut Wallach seien heute noch drei bis vier Aktiengesellschaften im südlichen Teil des Areals eingemietet. Hinzu kommen noch einige «Einzelmasken», wie der Unternehmer sagte. Vor zehn Jahren seien es noch rund zwölf Firmen gewesen.

Wer will schon dort wohnen?

Ein Argument der Gegner ist die aus ihrer Sicht fehlende Attraktivität des Areals als Wohnraum. So würden 60 Lastwagen am Tag die Lysbüchel-Strasse benutzen, um zum Volta-Lagerhaus zu gelangen. Zudem liegt das Areal in unmittelbarer Nähe zu einer Kehrichtverbrennungsanlage, eines Schlachthofs und von Bahngeleisen. «Diese Nutzungen bleiben alle bestehen», sagte SVP-Grossrätin Gianna Hablützel-Bürki. Die Stossrichtung der Argumentation ist klar: Die Stimmbevölkerung davon überzeugen, dass für Wohnraum in dieser Grössenordnung kein Bedürfnis besteht.

Das Nein-Komitee rund um den Gewerbeverband, FDP und SVP kämpft nun für ein Nein gegen das Projekt: Der Vorschlag soll noch einmal überarbeitet werden. Einen Besseren gäbe es indes bereits, sagte Barell: Das Projekt, das ein Anwohnerkomitee vorstellte und eine klarere Trennung von Wohnen und Gewerbenutzung vorsehe. Als alleine seligmachende will der Gewerbeverband diese Lösung zwar nicht unterstützen. Sympathien sind aber offenbar vorhanden.