Die Webergasse gehört in Basel nicht gerade zu den gehoberen Adressen. Doch an der Ecke zur Unteren Rebgasse, genau dort, wo der «Toleranzzone» genannte Abschnitt des Kleinbasler Strassenstrichs endet, protestieren Mieter gegen eine weitere Massenkündigung – seit Neustem auch mit Transparenten an der Fassade.

Es geht um derzeit günstigen Wohnraum an der Webergasse 35. Die Liegenschaft muss laut der Eigentümerin, der Sammelstiftung Profond aus Zürich, umfassend saniert werden. Die Infrastruktur sei veraltet, sagt deren Sprecherin Marianne Fassbind auf Anfrage, es habe sich über die Jahre ein gefährlicher Unterhaltsstau ergeben. So wiesen etwa die Balkone gefährliche Baumängel auf, die Haustechnik sei veraltet, die Sanierung sei daher unumgänglich.

Webergasse 35

Die einzige ungekündigte Partei ist die Interdiscount-Filiale im Erdgeschoss. Von den 14 Gekündigten erhoben sechs eine Einsprache gegen Kündigung und Baubewilligung. Einige erhielten eine Fristverlängerung bis April 2020, mehr als die Hälfte sei aber schon ausgezogen.

Neuer Grundriss – aber Juso wollen mobilisieren

Die Mietpreise der sanierten Wohnungen sollen deutlich höher liegen, sagt Melanie Müller, eine der Mieterinnen, gegenüber der bz. In einem Post auf Facebook, der seit Montagabend über 40 mal geteilt wurde, schreibt sie, dass eine Vierzimmerwohnung an der Ecke bislang monatlich 1300 Franken kostete, neu aber Zweizimmerwohnungen für 2800 Franken vermietet werden sollen.

Seitens Hauseigentümer heisst es, dass sich die neuen Mietpreise am «unteren Rand des möglichen Spektrums» bewegen. Komme hinzu, dass die künftigen Wohnverhältnisse nicht mit den bestehenden zu vergleichen seien: So würde etwa aus einer Dreizimmerwohnung eine Zweieinhalbzimmerwohnung. Mittlerweile haben die Basler Jungsozialisten den Fall aufgenommen, um ihre Petition «Keine Massenkündigungen – Moratorium jetzt!» zu bewerben. Diese fordert von der Regierung einen Stopp von Massenkündigungen in Basel.