Es tönte fast zu gut. Basel-Stadt hat die Konzessionen für rund 4500 Plakatflächen neu vergeben. Und das lohnt sich. Ab 2018 sollen statt drei Millionen künftig neun Millionen Franken pro Jahr in die Staatskasse fliessen. Das ist eine glatte Verdreifachung. Und das Beste daran: Auch die Werbekunden sollen profitieren, betonten die Regierung und die grossrätliche Finanzkommission unisono. Durch erhöhten Wettbewerb sollten die Preise «deutlich sinken». Eine klassische Win-win-Situation.

Doch: Von Basler Kulturveranstaltern tönt es ganz anders. Sie zeigen sich irritiert über «massiv angestiegene Preise» per 2018. Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) habe diese um satte 50 Prozent erhöht, erzählt etwa Marcel Falk: «Für uns bedeutet das einen massiven Einschnitt», sagt der Geschäftsführer des Kammerorchesters Basel.

Nun auf Ticketpreise abwälzen?

Betroffen ist beispielsweise auch das Basler Kunstmuseum, wie Sprecherin Karen Gerig bestätigt. Oder die Kaserne Basel: «Der Anstieg ist einschneidend – und das praktisch ohne Ansage», erklärt Sprecher Oliver Bussmann. Komme hinzu, dass die Kaserne das nächste Jahr längst geplant und budgetiert habe. «Dabei sind wir abhängig von der Plakatpräsenz in der Stadt.» Der unerwartete Preisanstieg bedeute nun aber entweder 50 Prozent höhere Kosten oder deutlich weniger Werbung, was entsprechend weniger Besucher befürchten lasse. Mehr als zwei Dutzend Kulturveranstalter haben sich nun zusammengetan und in einem Schreiben gemeinsam an Kanton und an APG gewandt. Darin zeigen sie sich irritiert über das Vorgehen – und über mangelhafte Kommunikation. Der Preisaufschlag verschlechtere die Situation aller Kulturveranstalter stark. Es drohe ein deutlicher Rückgang der Plakatierung, genauso wie Abwälzungen des Aufschlags auf die Ticketpreise.

Und: Weder während der Konzessionsverhandlungen zwischen Basel-Stadt und der APG noch nach deren Abschluss seien die betroffenen Kulturinstitutionen offiziell informiert worden. Sie hätten erst zum Jahresende von der Neuerung erfahren. «Die fehlende Kommunikation ist für alle Betroffenen nicht nachvollziehbar», kritisieren die Kulturinstitutionen in ihrem Schreiben. Durch den Preisanstieg werde ihre Sichtbarkeit in der Stadt Basel «arg eingeschränkt bis gar unsichtbar gemacht». Mit Folgen: «Diese Entwicklung schädigt den Kulturstandort Basel und auch die Geschäftsbeziehungen zwischen der APG und den Kulturveranstaltern.»

Das Problem ist auch Claudio Miozzari bekannt. Es seien allerdings noch einige Fragen offen. Daher gelte es die Stellungnahmen von Regierung und APG abzuwarten, findet der Geschäftsführer des Komitees «Kulturstadt jetzt» und SP-Grossrat. Vielleicht spiele ganz einfach der Wettbewerb unter den Plakatierungsunternehmen noch nicht richtig. «Wir bleiben aber sicher am Thema dran.»

Doppelt so viele Gratis-Plakate

Beim Kanton will man von der Kritik nichts wissen: Sonja Kuhn betont, dass die Preise für Kleinplakatierung grundsätzlich gesenkt worden seien. Für die interimistische Basler Kulturchefin kommt hinzu: Bisher habe das Präsidialdepartement 100 Plakate im Format 90 auf 130 Zentimeter gratis abgeben können. Weitere 100 Plakate habe die APG vergünstigt anbieten müssen. Neu könne das Departement sogar 200 Plakate für nicht kommerzielle Plakatierung abgeben. Im Gegenzug ist die APG nicht mehr verpflichtet, die Kulturplakatierung mit reduzierten Preisen zu subventionieren. Kommerzielle Kulturinstitutionen und Veranstalter könnten also weiterhin ein Gesuch zur Nutzung von Plätzen für Kulturplakate einreichen, betont Kuhn.

Davon aber lassen sich die Kulturinstitutionen nicht beruhigen: Zwar gebe es nun tatsächlich mehr Gratis-Plakate, doch diese Stellen erhalte man nur per Los. «Das ist keine Planung, die für Veranstaltungen eine seriöse Werbemassnahme beinhaltet», findet Kammerorchester-Geschäftsführer Falk. Zudem reiche das bei weitem nicht, um den ansonsten massiven Kostenanstieg zu kompensieren. «Werbemässig bleibt das für uns ein harter Schlag», sagt er. Doch es ist offensichtlich: Beim Kanton ist das noch nicht angekommen.