In Basel soll ein grossflächiges Veloverleihsystem entstehen. Wie Telebasel berichtete, plant der Kanton auf Anfang nächstes Jahr eine Ausschreibung für einen öffentlichen Velomietservice. In zwei Jahren sollen die Velos dann in Basel rollen. Das Thema ist schon seit längerem auf der Traktandenliste von Verkehrspolitikern. Bisher hatte sich der Kanton aber immer sehr zurückhaltend gegeben. Privaten Verleihern wie etwa der chinesischen Firma O-Bike wurde klar signalisiert, dass sie nicht willkommen sind.

Rückblickend muss man wohl festhalten, dass dies durchaus seine Berechtigung hatte: In Zürich verabschiedete sich O-Bike nach einem Jahr diesen Sommer abrupt durch die Hintertür. Zurück blieben 600 unbrauchbare Mietvelos, die die Stadt nun mühsam einsammeln muss. Und während in Zürich mittlerweile ein Wildwuchs von mehreren Angeboten besteht, ist Basel punkto Veloverleihsystem noch ein weisser Fleck auf der Landkarte.

Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit. Nicht zuletzt, weil im Baselbiet die Baselland Transport AG (BLT) zusammen mit der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und der Basler Kantonalbank (BKB) vorgemacht haben, wie ein Velo-Sharing-Projekt in der Region funktionieren kann. Innert zwei Monaten haben 5400 Personen die Elektrovelos, die man per Smartphone-App buchen kann, genutzt.

Obwohl die Flotte von Pick-e-Bike zurzeit gerade mal 250 Zweiräder umfasst, gehören diese schon fast zum Inventar. Auch die 600 gelben O-Bikes waren in Zürich überall zu sehen. Entsprechend darf man davon ausgehen, dass die künftigen Verleihvelos das Basler Stadtbild nachhaltig prägen werden. Zumal man von einer vierstelligen Anzahl ausgehen darf.

«Kein Konkurrenzangebot»

Genaue Zahlen kann das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) noch nicht liefern. Das Projekt befindet sich noch in der Erarbeitung: «Es geht um ein niederschwelliges Angebot», sagt Sprecherin Nicole Stocker. Also konkret: Nicht um die schnellen E-Bikes, für die man einen Führerschein braucht, sondern schwerpunktmässig um normale Velos. Interessant: Gemäss Recherchen der bz spielt man bei Pick-e-Bike ebenfalls mit dem Gedanken, die Flotte um Nicht-Elektro-Velos zu erweitern. Geschäftsführer Stephan Brode bestätigt solche Überlegungen. Und er sagt: «Das Veloverleihsystem des Kantons Basel-Stadt interessiert uns in jedem Fall.» Mehr könne man aber erst sagen, wenn man weiss, wie die Ausschreibung aussieht.

«Kanton soll sich raushalten»

Tatsächlich ist Pick-e-Bike wohl in der Poleposition, was die Ausschreibung angeht. So sitzt das Bau- und Verkehrsdepartement selber im Beirat der Firma: «Die Idee ist nicht, Pick-e-Bike zu konkurrenzieren», sagt Sprecherin Stocker. Zumal das Projekt auch gerade erst mit 100 000 Franken aus dem Pendlerfonds unterstützt wurde. Der Kanton plant, den Aufbau und Betrieb eines Veloverleihsystems an einen oder einige wenige private Dienstleister zu vergeben. Offen ist dabei die Frage, ob dafür eine finanzielle Unterstützung seitens des Kantons nötig ist. «Momentan gehen wir davon aus, dass ein solches System nicht vollkommen selbsttragend sein wird», sagt Stocker. Letztlich müsste in diesem Fall die Politik entscheiden, ob und was für ein Veloverleihsystem die Stadt erhält. Unklar ist auch noch, ob die Mietvelos an fixen Stationen abgestellt werden müssen oder frei parkiert werden können.

Bereits jetzt zeichnet sich Widerstand gegen die Pläne der Verwaltung ab. «Pick-e-Bike ist offenbar ein grosser Erfolg», so SVP-Grossrat Joel Thüring. «Dass das Bau- und Verkehrsdepartement nun eine Ausschreibung für ein eigenes Veloverleihprojekt machen will, ist gänzlich überflüssig.» Stattdessen sollte der Kanton das Feld privaten Anbietern überlassen.