«Ich bin unterwegs angegriffen worden von Geistern, die haben die Kontrolle über mein Leben ergriffen», erklärte der muskulöse 21-jährige mit ruhiger Stimme diese Woche im Gerichtssaal. Die Geschichte war wirr, und nur gewisse Episoden eindeutig.

Im Oktober 2017 stieg der Mann in Neuenburg offenbar in den falschen Zug und landete so in Basel. Nach einer Nacht, die sich aufgrund der wirren Schilderungen nicht mehr genau rekonstruieren lässt, verfolgte er eine Frau auch bis ins Haus und wurde später bei zwei Frauen gar handgreiflich. Seither sitzt er in Haft.

«Er sah aus wie ein Obdachloser und hatte ganz gelbe Augen», berichtete eine der Frauen vor Gericht. Der 21-Jährige bat sie in der Verhandlung um Entschuldigung. Danach erzählte er aber wieder vom Teufel und von Wasserstrahlen, er habe keine Kontrolle mehr über seinen Körper gehabt.

Die Diagnose des Gutachters sorgte für die Aufhebung der Schuldfähigkeit: Der Mann leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Formell sprach das Strafgericht den Mann von Schuld frei, ordnete aber die Einweisung in die stationäre Psychiatrie an. Die Staatsanwältin hatte eine Verurteilung wegen versuchter sexueller Nötigung gefordert, das Dreiergericht stufte die Taten aber lediglich als sexuelle Belästigung ein. Der Verteidiger hatte argumentiert, hier lägen keine schweren Delikte vor, eine stationäre Massnahme sei nicht angemessen.

Das Gericht sah es anders. Gerichtspräsident Dominik Kiener betonte, die Justiz stehe unter Druck, dass man immer mehr Leute einfach wegschliesse. Auch die Staatsanwaltschaft würde deshalb Delikte in der Anklage aufbauschen. «Das ist eine ungute Entwicklung», kommentierte Kiener.

Es blieb aber nicht bei Belästigungen: Gewalttätige Randale gab es zwei Wochen später, als man den Mann wegen einer Psychose vom Gefängnis in die Psychiatrische Universitätsklinik verlegte. Dort erachtete man eine Zwangsmedikation als nötig, der Mann wehrte sich, schliesslich rückte die Polizei an: Mehrere Einsätze mit einem Taser blieben erfolglos, der 21-Jährige griff schliesslich mit dem abgeschossenen Widerhaken gar die Polizisten an. Die Geschichte endete mit einem fixierten Patienten und vier verletzten Polizisten. Derzeit wartet der Mann im Untersuchungsgefängnis auf einen der raren Massnahmenplätze. Patrick Rudin