Ich bepflanze seit mehreren Jahren einige Hochbeete auf einem Garagendach. Salat, Radiesli, Buschbohnen – die üblichen Verdächtigen halt für einen Hobby-Gärtner wie mich.

Doch in diesem Super-Sommer-Jahr war alles anders und statt Salat (verdorrt) und Radiesli (geschossen) übernahm eine längliche Pflanze mit kleinen, gelben Blüten das Hochbeet. Und wuchs und wuchs und bildete Früchte, die innert weniger Wochen zu prachtvollen Melonen heranwuchsen. Und mittlerweile komplett ausgereift und «zuckersüss» sind.

Der Ursprung des laut Wikipedia in «subtropischen Gebieten kultivierten Gewächs» dürfte übrigens ein unbekannter Nutzer des Quartierkomposts Sevogelstrasse sein. Denn die Melonen-Samen dürften mit dem dort jeweils im Frühling kostenlos abgegebenen Kompost in mein Hochbeet gelangt sein – denn ich wäre nie auf die Idee gekommen, Melonen zu säen oder zu pflanzen.

«Mikroklima sei Dank»

Franco Weibel vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain sagt, dass beim günstigen Mikroklima eines gegen Süden oder Westen gelegenen Stadtbalkons tatsächlich Melonen heranwachsen können – selbst in normalen Sommern sollte dies möglich sein. Für kommerzielle Anbieter hingegen sei der Melonen-Anbau hierzulande kaum geeignet, er wisse von keinem Bauer in der Region, der Melonen anbaue.

Einen solchen Versuch unternommen hatte die Jucker-Farm am Pfäffikersee. Bäuerin Sabrina Steinmetz-Jucker experimentierte ein gutes Jahrzehnt mit dem Anbau von Schweizer Melonen – ehe sie 2015 aufgeben musste. «Sie ist und bleibt eine Südländerin, die Melone, und so mussten wir uns entscheiden, sie wieder ziehen zu lassen», fasst Steinmetz-Jucker das Experiment zusammen. Was sehr schade sei, weil die Schweizer Melonen erntefrisch und damit «mindestens ebenso süss wie Ihresgleichen aus Südeuropa» in den Verkauf gelangt seien.