Das Inserat klingt vielversprechend: «Direkt am Centralbahnplatz, im Herzen von Basel, erwartet Sie eine attraktive und grosszügige Ladenfläche über 406 Quadratmeter.» Vermieterin Wincasa gibt an, dass die Passantenlage gegenüber dem Bahnhof SBB und die grosse Schaufensterfront perfekt seien, «um Ihre Ideen zu verwirklichen». Bei dem auf einschlägigen Immobilienportalen ausgeschriebenen Lokal handelt es sich aber nicht um irgendeinen Laden. Sondern um das Café an der Centralbahnstrasse 9, wo die Confiserie Beschle eingemietet ist. Vor bald sechs Jahren übernahm die Beschle AG den Betrieb des Café Frey mit der kultigen runden Bar und dem Retro-Interieur.

Obwohl das Lokal offensichtlich zu vermieten ist, scheint der Geschäftsleiter Dominic Beschle nicht die Absicht zu haben, sein Café am Bahnhof zu schliessen – im Gegenteil. Er erklärt auf Anfrage: «Der Mietvertrag mit Wincasa läuft erst Ende Januar 2019 aus. Bis dann sind wir sicher noch da.» Grundsätzlich, so Beschle, wolle man an der «wichtigen» Filiale am Bahnhof festhalten, gehöre sie doch neben der Aeschenvorstadt zum umsatzstärksten Standort der Confiserie.

Mietpreis zu hoch

Die Option, den bestehenden Vertrag zu verlängern, hat die Beschle AG bisher allerdings nicht genutzt. Weshalb? Dominic Beschle lässt durchblicken, dass Vermieterin Wincasa und er sich hinsichtlich Mietpreis noch nicht einig geworden sind: «Unserer Meinung nach ist er zu hoch.

Wie an so vielen Orten in der Stadt.» Die Verhandlungen würden aber immer noch laufen. Und bei diesen Verhandlungen scheint es ordentlich Knatsch gegeben zu haben. Anders sei nicht zu erklären, warum Wincasa die Lokalität ausgeschrieben habe, sagt ein Branchenkenner. «Es ist nicht unbedingt die feine Art, wie Wincasa sich verhält. Damit will das Unternehmen ganz klar den Druck auf Beschle erhöhen – im Wissen darum, dass es für den Ruf der Confiserie nicht unbedingt günstig ist, wenn Schliessungsgerüchte im Umlauf sind. Und das passiert schnell, wenn solche Inserate publiziert werden.»

Wie begründet die Wincasa ihr doch spezielles Vorgehen im Fall Beschle? Hier klingt es nicht danach, dass die Verhandlungen noch laufen. Remo Fumagalli, Wincasa-Leiter in Basel, sagt, der Mieter der Ladenfläche habe Ende 2017 «rechtsgültig» mitgeteilt, dass er den Mietvertrag nicht verlängern möchte. Die Kündigung sei von Wincasa bestätigt worden. «Wir haben bereits einige Anfragen für das Ladenlokal erhalten», so Fumagalli. Das Gebäude an der Centralbahnstrasse 9, das die Wincasa verwaltet, befindet sich übrigens im Besitz der Personalvorsorgestiftung der UBS.

Mitarbeiter werden informiert

Dominic Beschle will das Vorgehen von Wincasa nicht weiter kommentieren. Dafür stellt der Geschäftsführer in Aussicht, die betroffenen sieben Mitarbeiter der Filiale «kommende Woche» über den aktuellen Stand zu informieren. «Egal, wie die Verhandlungen ausgehen: Keiner der Angestellten wird den Job verlieren. Es besteht die Möglichkeit, die Mitarbeiter an einem anderen Standort zu beschäftigen.»

Derzeit finden sich vier Beschle-Ableger in der Stadt. Eigentlich sollten es sogar schon fünf sein: Ende Oktober 2017 wollte der Confiseur an der Clarastrasse ein weiteres Geschäft eröffnen, direkt gegenüber des Gastro-Projekts «Klara 13». Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Geschäftsleiter Beschle sagt: «Die Verzögerung hat bauliche Gründe. Die Eröffnung ist nun auf Mitte März angesetzt.»