Das schlechte Gewissen hat in Basel-Stadt eine Zahl: Im vergangenen Jahr haben sich 1342 steuerpflichtige Personen selbst angezeigt. Zusammen erreichen sie ein Vermögen von schier unglaublichen 700 Millionen Franken, die sie dem Fiskus nun nachträglich offenbaren. Macht im Schnitt also etwas mehr als eine halbe Million, welche die säumigen Steuerzahler nun erst deklariert haben. Ins ohnehin schon pralle Portemonnaie von Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) spült dies fürs 2017 inklusive anfallender Verzugszinsen den beachtlichen Betrag von 4,9 Millionen Franken. Dies berichtet Tibor Hochreutener, Ökonom im Generalsekretariat des Basler Finanzdepartements.

Baselbiet profitiert noch mehr

Noch mehr darf sich der Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) freuen. Gleich 1927 Steuerpflichtige haben sich im vergangenen Jahr selbst angezeigt. Das sind rund 2,5-mal so viele wie im Vorjahr (797) und sogar fast sechsmal so viele wie im Jahr 2015 (345). Sie alle haben die Chance ergriffen, sich einmal im Leben «straflos» selbst anzuzeigen. Nur die hinterzogenen Steuern und Verzugszinsen für die abgelaufenen zehn Jahre müssen bezahlt werden. Seit der schweizweiten Einführung dieser «kleinen Steueramnestie» im 2010 waren es noch nie so viele Selbstanzeigen.

Noch liegt der Baselbieter Steuerverwaltung nicht vor, welche Gesamtvermögen im vergangenen Jahr offengelegt worden sind. Eine bemerkenswerte Zahl kann Bereichsleiter Clemens Frei aber dennoch nennen: Beim höchsten nachdeklarierten Einzelbetrag handelt es sich gleich um stolze 30 Millionen Franken. Für den finanziell geplagten Landkanton zahlt sich das in klingender Münze aus: Durch die im Jahr 2017 bearbeiteten Selbstanzeigen seien bei der Staatssteuer zusätzlich elf Millionen Franken eingenommen worden, führt Frei aus.

Die beiden Basel sind nicht die einzigen Kantone, deren Kassen sich derzeit durch reuige Steuerzahler füllen. Der Grund liegt in einem globalen Abkommen: Per diesen Herbst tritt der internationale Austausch über Finanzkonten (AIA) in Aktion. Die Schweiz erhält Auskunft über hier Steuerpflichtige mit Vermögen im Ausland.

In einem Beitrag der «Tagesschau» vom Donnerstag wird erklärt, was das sein kann: Ehemalige Gastarbeiter etwa, welche ein Häuschen im Heimatland erben und nicht wissen, dass sie dies auch hierzulande versteuern müssen. Wobei: Das Abkommen hat nicht zur Folge, dass das Vermögen doppelt versteuert werden muss. Allerdings rutscht so mancher durch den Besitz im Ausland in eine höhere Steuerkategorie – was die Nachzahlungen erklärt.

Basel-Stadt: Stellenplafond erhöht

Zumindest für den Stadtkanton lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, dass der Geldsegen nur den Hausbesitzern in der Toskana oder an der portugiesischen Küste zu verdanken ist. «In Basel-Stadt werden keine Herkunftsangaben vermerkt, weshalb hierzu keine Aussage gemacht werden kann», schreibt Hochreutener auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». Ganz überraschend kommt der Geldsegen allerdings nicht: Für den Mehraufwand rund um AIA habe das Finanzdepartement den Stellenplafond der Steuerverwaltung um drei Vollzeitstellen erhöht, bestätigt Hochreutener.

Deutlicher wird hier die Baselbieter Steuerverwaltung: Die meisten nachdeklarierten Gelder würden von Bankguthaben, Wertschriftendepots oder Barvermögen stammen. Gleichzeitig wird ebenfalls festgestellt, dass immer mehr Liegenschaften im Ausland nachdeklariert werden. Es handle sich dabei vorwiegend um in Italien gelegene Immobilien, wobei der Anteil an Standorten in anderen süd- und osteuropäischen Staaten zunehme.

Der Strom reuiger Steuersünder geht auch an der Baselbieter Steuerverwaltung nicht spurlos vorbei. Der Mehraufwand ist spürbar. Sprich: Bald braucht es wohl mehr Personal. «Bei weiter anhaltenden hohen Zahlen an Selbstanzeigen erscheint eine Aufstockung der entsprechenden Ressourcen unumgänglich», sagt Frei. Genf kann davon ein Lied singen. Der Kanton musste seine Steuerverwaltung bereits um 20 Stellen aufstocken.

Und der aktuelle Trend könnte noch eine Weile anhalten: Für das Steuerjahr 17 kommen weitere Länder hinzu, mit denen sich die Schweiz über das Vermögen ihrer Einwohner unterhält. Bermuda, die Cayman Inseln, Liechtenstein und die Britischen Jungferninseln gehören dazu. Dennoch: Die Dunkelziffer bleibt hoch. Wie viel Schwarzgeld Herr und Frau Schweizer noch immer bunkern, weiss keiner. Vorsichtige Schätzungen gehen von rund 150 Milliarden Franken aus. Auf die Steuerbehörden dürfte also weiterhin viel Arbeit warten.