Ab Samstag wird im Totentanz-Park zwei Wochen lang getanzt, bis die Knochen klappern. Denn zum Tanz auf der Bühne lädt kein Geringerer als der Tod. Das Gerippe ist mit einem Fitness-Velo verbunden. Besucher können den Tod also, indem sie in die Pedalen treten, zum Tanzen bringen oder mit ihm zusammen das Tanzbein schwingen.

Hinter dem Projekt stecken Carmen Bregy, Michael Bangert und Matthias Buschle vom Verein Totentanz. Sie haben das Künstler-Duo Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger eingeladen, eine neue Idee für den Totentanz zu entwickeln. Die beiden Künstler sind immer wieder mit ungewöhnlichen Projekten aufgefallen: So haben sie im Jahr 2013 das Kunstmuseum Chur in einen Nationalpark verwandelt.

Nun bauen sie auf dem ehemaligen Friedhof vor der Predigerkirche Marktstände auf, und lassen so die beiden Urgesteine der Basler Kultur, – die Herbstmesse und den Totentanz – miteinander verschmelzen. Sie möchten zeigen: «Das Leben gibt es nicht ohne den Tod. Der Tod ist mitten im Leben ein lebendiger Mitspieler.»

Bezahlt wird mit Knochen

Auf den ersten Blick sehen die Holzhäuschen genauso aus, wie andere Messe-Stände. Aber hier werden nicht die neusten Küchenraffeln feilgeboten und es gibt auch keine Duftöle zu kaufen. Bezahlt wird sowieso nicht mit Geld, sondern mit unterschiedlich grossen Knochen, die man an der Knochenbank beziehen kann.

Es sind Welten, die aufeinander treffen. Messebesucher auf der Suche nach einer heissen Schoggi oder Weihnachtsgeschenken, finden sich plötzlich vor einem Zuckerstand wieder, der Sarg-Crèmeschnitten verkauft. Sie können selber in einen Sarg steigen und Radieschen von unten betrachten. «Diese Konfrontation ist das Spannende», sagt Steiner. «Der Tod taucht überraschend auf, an einem Ort, an dem alle munter sind und das Leben geniessen.»
Todernster Spass

Jeder der Stände thematisiert einen anderen Aspekt des Todes. Es gibt viel zu schmunzeln. «Aber auch wenn es relativ bunt und lustig erscheint, greift es tiefer», sagt Lenzlinger. Die Stände nehmen die Gesellschaft, ihre Ängste und Probleme auf die Schippe, halten ihr den Spiegel vor. So thematisiert der Pro-Aging-Stand unter dem Motto «for-ever old» den Jugendwahn. Hier können sich Besucher von einer Visagistin 20 Jahre älter schminken lassen und sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst werden. Wer nachhaltig sein Altern beschleunigen möchte, für den gibt es von Falten-Dünger über Rollatoren-Schmiere bis zu Runzel-Serum alles mit einem Augenzwinkern.

Urnen und Leichentücher

Steiner und Lenzlinger haben zwar die Fäden in der Hand und den alternativen Markt konzipiert, aber sie haben mehr als 100 Künstler aus der Region und der ganzen Welt eingeladen, mitzuwirken. «Sie hatten keine Vorgaben, das war uns wichtig», sagen die beiden Künstler. Im Zentrum soll die individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Tod stehen. «Wir hatten praktisch keine Absagen, das zeigt, dass jeder irgendwie etwas zum Thema beizutragen hat», sagt Steiner.

Am Bakterien-Stand hängen bunte, unförmige Kissen von der Decke. «Damit wir endlich mit den Bakterien kuscheln können», sagen die Künstler. An einem anderen Stand gibt es Leichentücher und Urnen zu kaufen: zum Beispiel ein Modell, dessen Innenseite mit Kuhfladen bestrichen ist. «Da kann man der Asche noch ein bisschen Hummus beimischen, ein paar Blumensamen reinstecken, und der Kuhfladen sorgt dafür, dass daraus bald neues Leben spriesst», sagt Lenzlinger.

Bevor man den Heimweg unter die Füsse nimmt und nur symbolisch den Löffel abgibt, sollte man unbedingt noch dem Schnapsgott einen Besuch abstatten. Er thront auf einem üppigen Altar mit allerlei grusligen Köpfen. Wer sich traut, kann seine Frage an den Tod auf einen Zettel schreiben und während er auf die Antwort wartet, einen Schnaps aus einer Totenkopf-Flasche trinken.