Wir wissen nicht, von wo Sie kommen, aber die allermeisten werden bei der Anfahrt zum Tierpark Lange Erlen, wo unser Ausflug beginnt, einen Augenschein von den Revitalisierungsarbeiten an der Wiese nehmen können, die derzeit ganz in der Nähe umgesetzt werden. Wenn Sie bereits einen Moment unterwegs sind und vor allem, wenn Kinder dabei sind, dürften die Damhirsche, Affen und Wisente des kleinen Tierparks den ersten Stopp darstellen.

Danach geht es auf einer geteerten Strasse, parallel zur Wiese und angenehm geschützt durch das grüne Blätterdach, immer gerade aus. Einmal muss man einen kleinen Kanal überqueren und danach einfach dem Velowegweiser folgen. Auf der Höhe des Chrischonaturms verlassen wir den Wald, biegen links zur Wiese ab und folgen dem Wegweiser Richtung Mulhouse, Lörrach und Rheinfelden.

Schattig ist es auch hier. Linker Hand eröffnet sich der Blick auf den Tüllinger und schon bald nähern wir uns dem Riehener Naturschwimmbad. Wen hier eine Pause reizt, der sollte beim Losfahren ans Badezeug denken. Auf der Badi dreht sich eine grosse Uhr, die immer zur vollen Stunde ihre beiden Zeiger wie einen Kuckucksschnabel öffnet.

Sie ist Teil der 24 Installationen des Rehberger Wegs zwischen Fondation Beyeler und Vitra. Am Zoll liegen gelbe Baumstämme aus Metall, ebenfalls von dem renommierten Künstler. Bald nach dem Grenzübergang biegt die Strasse nach rechts ab in Richtung Altweil; 4,1 Kilometer sind es noch bis ins französische Huningue. Einen kurzen Blick wert ist der schöne Lindenplatz – die Museen, die sich dort befinden, sind allerdings im Sommer geschlossen.

Abstecher zu Vitra möglich

Wer einen Abstecher zu Vitra mit seinen Museen, dem Vitra-Haus, den Cafés und dem Rutschturm machen will, biegt rechts in die Römerstrasse ein und fährt gerade aus. Er kann von dort parallel zur Bundesstrasse bis zur Tramendhaltestelle radeln, die wir ebenfalls erreichen, wenn wir weiter durch Weil fahren. Die lange Hauptstrasse dort versprüht nicht gerade Charme. In der Danzigerstrasse, die rechts abzweigt, findet sich aber der Supermercato Little Italy, den ich allerdings gerade wegen seiner spröden Einfachheit liebe.

Nach dem Kreisel an der Sparkasse wird es interessanter: Fast auf der Ecke liegt die ausgezeichnete Bäckerei/Konditorei Lamm. Es folgen zwei Eisdielen und vor dem Kaufring der meistens belagerte City Ring, ein einfacher Imbiss, wo es meiner Ansicht nach die beste Currywurst mit Pommes frites in der Region gibt. Im Kaufring selbst bietet der gleiche Chinese wie an der Dreiländerbrücke ein günstiges Mittagsmenü à volonté an.

Bequem geht es abwärts

Wir sausen angenehm unangestrengt die Steigung von der Tramendhaltestelle hinunter; links der Umschlagbahnhof der Deutschen Bahn und rechts die grosse Autobahnzollanlage. Vom Weiler Quartier Friedlingen aus erkennen wir bereits die Kirche von Huningue und davor die Dreiländerbrücke, über die wir wie viele andere Fussgänger und Velofahrer Deutschland Richtung Frankreich verlassen.

Über den neu gestalteten Abbatucci-Platz, an dem es etliche Möglichkeiten zum Einkehren gibt, fahren wir leicht ansteigend immer geradeaus nach Saint-Louis. Wer hungrig ist, dem kann ich das Restaurant de la Poste empfehlen, das auf der Ecke des Europaplatzes liegt, wo am Samstag immer bis 12 oder 13 Uhr der Markt in Saint-Louis stattfindet. Schon bald taucht der erste Wegweiser zum Museum Fondation Fernet-Branca auf, wo ich Ihnen eine ausgezeichnete Ausstellung empfehlen möchte. Wer mit Kunst gar nichts anfangen kann, der kann in Huningue beim Kulturzentrum Triangle rechts am Kanal abbiegen und dort geradeaus zum schönen Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne fahren.

Aber vielleicht ein andermal? Im kühlen Museum (bis 9.10. Mi-So 13-18 Uhr, 2, rue du Ballon) wartet eine Gemeinschaftsausstellung von Stephan Balkenhol und Philippe Cognée, beide 1957 geboren. Das Werk Balkenhols, der wohl bekannteste deutsche Bildhauer, zeichnet sich durch den Versuch aus, «die figurative Skulptur neu zu begründen», wie es in der Medienmitteilung heisst. Balkenhols Skulpturen sind aus einem Holzblock herausgeschlagen worden wie die «Frau in weissem Faltenkleid» (2013) oder der «Grosse Mann mit weissem Hemd und schwarzer Hose» (2014) – sie tragen Spuren der Bearbeitung mit Messer und Säge. Von Cognée haben mir vor allem die 20 übermalten und gerahmten Fotos von 1992 gefallen. Sehr eindrücklich ist ein offener Raum mit 1100 kleinen Gemälden mit dem Titel «Art Basel 2003–2013».

Schlusshalt beim Patissier

Beim Rückweg auf der Route de Bâle empfiehlt sich 150 Meter auf der rechten Seite vor dem Grenzübergang Lysbüchel ein Halt beim ausgezeichneten und günstigen Artisan Boulanger Patissier. Ein letzter Tipp: Wer am Abend gerne zum Kulturprogramm ins Weiler Kieswerk möchte (siehe Box oben), beginnt die Velotour in umgedrehter Reihenfolge in Saint-Louis. Hinüber nach Weil kann man vom geteerten Weg an der Wiese auch beim Erlensteg, am besten aber fährt man noch weiter bis zum Weiler Steg.

Unsere Rundfahrt ist auch für ungeübte Velofahrer gut in anderthalb bis zwei Stunden zu bewältigen. Wie lange sie wirklich dauert, hängt davon ab, ob und wie man von den vielfältigen Alternativrouten und Aufenthaltsmöglichkeiten Gebrauch macht.