Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann ist begeistert: «Ich habe zwar ein Ja erwartet, bin aber von einem deutlich knapperen Ergebnis ausgegangen.» 34 064 gegen 22 396 Stimmbürger haben sich mit einer Mehrheit von 60,33 Prozent deutlich für den Neubau von Naturhistorischem Museum und Staatsarchiv im St. Johann ausgesprochen. «Unsere Planung hat überzeugt.» Zudem sei das St. Johann ein aufstrebendes Quartier und gut erschlossen.»

Eine Lösung war dringend

Heiner Vischer, der sich nicht als LDP-Grossrat, sondern als Präsident der Museumskommission des Naturhistorischen Museums äussert, ist überzeugt: «Das deutliche Resultat ist ein Signal des Stimmvolks, dass wir dringend Lösungen für die Verbesserung der Infrastruktur der Museen brauchen. Bei einem Nein wären noch einmal sechs Jahre vergangen.» Insgesamt stünden mit der 214 Millionen-Franken-Investition für den Neubau Investitionen von einer halben Milliarde Franken an – in das Kunstmuseum, den Berri-Bau und das Antikenmuseum.

Das Komitee «Ja zu Museum und Archiv»zeigte sich in einer Medienmitteilung überzeugt, dass die beiden Institutionen mit dem Neubau «ihren Auftrag von Forschung, Sammeln, Bewahren und Vermitteln für unsere Gesellschaft weiter und noch besser erfüllen können als dies heute möglich ist». Es sei ein Entscheid für die Zukunft von Basel. «Er zeigt, dass die die Bevölkerung von der negativen Stimmungsmache nicht beeindrucken liess und klar einem sachlich begründeten Vorschlag zugestimmt haben.»

Bei den Gegnern des Projekts klingt es anders. SVP-Grossrat Joël Thüring sieht das so: «Bei der Phalanx von Befürwortern und dem grossen Engagement der Verwaltung, die die Unterlagen zum Museumskonzept zurückgehalten hat, um die Abstimmung nicht zu gefährden, war das zu erwarten. Mit 40 Prozent haben wir einen Achtungserfolg erzielt.»

Auch für Luca Urgese, Grossrat und Präsident der baselstädtischen FDP, kam das Ergebnis nicht überraschend. «Man kann allerdings nicht sagen, dass mit der Museumspolitik jetzt alles in Ordnung ist. Ich erwarte, dass das Präsidialdepartement seine Hausaufgaben macht und langfristig plant.» Den Berri-Bau habe es so lange verlottern lassen, dass es gar keine andere Wahl als einen Neubau gegeben habe, um die Bestände zu schützen. Das nächstes Thema sei das Historische Museum. Wie die bz berichtete, zeichnet sich dort ein Mehrbedarf von zwei Millionen Franken jährlich ab.

LDP-Grossrat André Auderset ist enttäuscht vom Ergebnis. «Die Regierungspräsidentin wird darin bestätigt, dass sie sich durchmauscheln kann.» Zudem werde ein privates Projekt abgelehnt, einem Bauvorhaben des Staates aber zugestimmt. Auderset bleibt trotz deutlicher Niederlage an der Urne seiner Kritik treu: «Der Neubau erfolgt ohne Konzept, er kommt an den falschen Standort und wird viel zu teuer.»

Äusserst zufrieden über den Ausgang der Abstimmung war David Alder, Co-Direktor des Naturhistorischen Museums: «In dieser Deutlichkeit hätte ich das nicht erwartet.» Jetzt werde es einige Monate dauern, bis die Projektorganisation wieder anlaufe. Mit der Eröffnung des Neubaus rechnet er für 2025 oder 2026. «In der Zwischenzeit werden wir uns bemühen, den Berri-Bau so gut und so sinnvoll wie möglich zu unterhalten.»

Viele Schulklassen im Museum

Die Schliessung für den Umzug dauert dann nur einige Monate. Alder freut sich darauf, im Neubau Räume für Workshops und Schulklassen einrichten lassen zu können. Die gibt es derzeit nicht. «2018 kamen 1600 Schulklassen zu uns. In diesem Jahr sind es bis Mai schon 700.» Zudem wüssten viele Besucher nicht, dass sich zwölf Millionen Objekte im Keller befinden. «Neu wird man beim Rundgang direkt auf diese Sammlungen schauen können.»

Den Standort St. Johann sieht er nicht als Problem. «95 Prozent unserer Besucher planen den Besuch im Voraus.» Viel wichtiger als der Standort im Zentrum sei die Erreichbarkeit. «Im St. Johann können Sie mit dem Tram direkt zum Museum fahren.»