Ein Rekordjahr war 2012 für den Verein Oberrheinischer Museumspass. Knapp 43'300 Museumspässe verkaufte er, über zehntausend mehr als zwei Jahre zuvor. Die Jahreskarte für 121 Franken garantiert freien Eintritt in alle Museen, die dem Verein angeschlossen sind.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Verein sein Gebiet beträchtlich ausgedehnt. Es kamen Museen in Lothringen (F) und von Besançon (F) bis nach Mannheim (D) hinzu. Nun sollen weitere Gebiete eingebunden werden. Erst die Bodenseeregion, später könnten auch Museen aus den Regionen Zürich und Bern beitreten.

Hans-Rudolf Sutter, Vorstandspräsident des Vereins Oberrheinischer Museumspass, bestätigt auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag»: «Wir möchten unser Angebot mit der Bodenseeregion ergänzen.» Im September oder Oktober würden interessierte Museen zu einem Informationsanlass eingeladen.

Dass in Zukunft auch Schweizer Museen dazukommen, die nicht im Grenzgebiet liegen, schliesst Sutter nicht aus: «Die Schweiz ist nicht tabu.» Vorsorglich hat der Verein das «Oberrheinische» schon mal aus dem Namen für sein Produkt gestrichen: Die Jahreskarte heisst inzwischen offiziell «Museums-Pass-Musées».

Die Inhaber eines Museumspasses dürfte eine Gebietserweiterung freuen, da sie noch mehr Häuser gratis besuchen könnten. Konflikte zeichnen sich aber ab. Erweitert der ehemals Oberrheinische Museumspass sein Angebot in die Schweiz hinein, dringt er ins Gebiet des zweiten grossen Anbieters für eine Museums-Rabattkarte vor, des Schweizer Museumspasses. Dieser bietet für jährlich 155 Franken freien Eintritt in über 470 Schweizer Museen.

Wer nicht glücklich über die Museumspasserweiterung ist

Nicht glücklich über eine Gebietserweiterung sind grosse Basler Museen. Zwar will keine Institution offiziell Einwände äussern. In Museumskreisen werden aber die Fondation Beyeler und das Kunstmuseum als Bedenkenträger genannt. Insider sagen, diese Häuser befürchteten Verluste, wenn mehr Besucher mit dem Pass kommen, statt den vollen Eintrittspreis zu zahlen. Die Museen erhalten vom Verein Oberrheinischer Museumspass für jeden Besucher mit Pass nur einen Teil des Eintrittsgeldes. Laut Sutter handelt es sich um rund fünfzig Prozent des Ticketpreises, dazu kommt eine Provision für jeden im Museum verkauften Pass. Konkret heisst das: Wenn ein Besucher aus Zürich ohne Pass zwei Mal im Jahr die Fondation Beyeler besucht, zahlt er insgesamt 50 Franken Eintritt. Kauft er sich in einem Zürcher Museum einen Museums-Pass-Musées und besucht mit diesem die Fondation, erhält diese nur die Hälfte des Geldes. Die Provision für den verkauften Pass bleibt in Zürich.

Hans-Rudolf Sutter kennt die Befürchtungen, führt jedoch ein Gegenargument an: «Besucher mit Museums-Pass gehen öfter ins Museum. So kommt jemand aus Zürich mit der Jahreskarte vielleicht viermal statt zweimal in die Fondation – was die Finanzen wieder ausgleicht.»

In Zürich und Bern, wo viele Museen dem Schweizer Museumspass angeschlossen sind, ist ein Beitritt zum Verein Oberrheinischer Museumspass ein Thema. «Wir werden an einer unserer kommenden Sitzungen darüber sprechen», heisst es sowohl beim Verein Zürcher Museen als auch bei Museen Bern. Zwar entscheidet jedes Museum einzeln, welche Rabattkarte es anbietet, Gremien wie Museen Bern oder der Verein Zürcher Museen können aber Empfehlungen an ihre Mitglieder abgeben.

Wird der Oberrheinische MuseumsPass den Schweizer Museumspass verdrängen? «Das ist nicht die Absicht», sagt Sutter. Man suche nach Wegen für eine Kooperation. Nathalie Schliep, Geschäftsführerin beim Schweizer Museumspass, bestätigt: «Es gibt strategische Überlegungen zu einer Zusammenarbeit.» Am 9. Dezember würden sich die Vorstände beider Pässe treffen, um Kooperationen zu besprechen. Man sehe einander nicht als Konkurrenten, sondern als Partner.

Traum: Museumspass für ganz Europa

Eine Zusammenarbeit wird jedoch durch die unterschiedlichen Strukturen erschwert: Der Oberrheinische Museumspass ist ein Verein, der Schweizer Museumspass eine Stiftung. Für den Oberrheinischen Museumspass könnte dies beim Werben um neue Mitglieder ein Vorteil sein. Wolfgang Giese, Verwaltungsleiter des Basler Antikenmuseums, bringt es auf den Punkt: «Beim Oberrheinischen Museumspass haben wir Mitspracherecht, beim Schweizer Museumspass nicht – natürlich ziehen wir Ersteres vor.»

Das Antikenmuseum ist wie 13 weitere Basler Museen beiden Museumspässen angeschlossen. Mit welchem sie besser harmonieren, wurde 2010 deutlich: Die Basler Museen kündigten gemeinsam ihre Mitgliedschaft beim Schweizer Museumspass. Als Grund führten sie finanzielle Intransparenz und mangelnde Kommunikation an. Diese Wogen haben sich geglättet, die Mitgliedschaft wurde erneuert.

Nathalie Schliep vom Schweizer Museumspass sagt. «Ein Traum wäre eigentlich ein Pass für ganz Europa.» Sollten die beiden grossen Museumspass-Anbieter sich zu weitgehenden Kooperationen entscheiden, wäre sie diesem Traum einen Schritt näher.