Über 100 teils vermummte Fans des FC Zürich strömen überfallartig auf den Prattler Bahnhofplatz. Sie zünden Knallkörper, werfen Bierflaschen und Schottersteine auf Autos oder Schaufenster. Alleine beim Helvetia-Tower werden viele Scheiben zerschlagen. Gesamter Sachschaden: rund 250'000 Franken. Nach der 0:1-Niederlage gegen Basel von Ende September hatten die gewaltbereiten Chaoten schon im Rangierbahnhof Muttenz die Notbremse gezogen. Dort verhindert das bereit stehende Einsatzkommando des Polizei-Konkordats noch das Aussteigen, wenig später in Pratteln ist sie machtlos. Erst nach einigen Minuten kann sie die Randalierer wieder in den Extrazug drängen, der ebenfalls arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen. Zu Verhaftungen kommt es dagegen nicht.

«Muss es erst Tote geben?»

Genug ist genug. In den vergangenen Jahren ist es nach Auswärtsspielen im St. Jakob-Park immer wieder zu Ausschreitungen von FCZ-Chaoten gekommen. Dagegen will nun auch Thomas de Courten angehen: «Aller Anstrengungen zum Trotz kommt es weiter regelmässig zu massiven Ausschreitungen mit hohen Sachschäden. Deshalb muss sich auch der Bund der Verantwortung stellen», finden der Baselbieter SVP-Nationalrat und seine Mitstreiter. Trotz des Hooligan-Konkordats sei die Liste mit Vorfällen Jahr für Jahr ellenlang. Der Bund müsse daher weitere Möglichkeiten ausloten, mit denen Gewaltausschreitungen unter dem Deckmantel der Fankultur zu minimieren seien. «Ich erwarte vom Bundesrat, dass er hinsteht und klar sagt: Das geht so nicht», erklärt de Courten. «Oder muss es erst Tote geben?»

Der SVP-Nationalrat reagiert mit seinem Vorstoss auf ein Schreiben des Prattler Gemeinderats, in dem dieser regionale Bundesparlamentarier um Hilfe anruft. «In Anbetracht der gegebenen Bedrohung und des entstandenen Schadens sind der Erlass von Empfehlungen und die Schaffung von Plattformen nicht ausreichend», schreiben Gemeindepräsident Stephan Burgunder und Gemeindeverwalter Beat Thommen. Es brauche verbindlichere Grundlagen: So sei etwa die Wirkungsmöglichkeit der Täter zu minimieren – beispielsweise durch eine strengere Reglementierung des Transports. Aber auch die Klubs seien verbindlich zu verpflichten, ihrer Verantwortung nachzukommen. «Nur so kann sichergestellt werden, dass schliesslich nicht die Bevölkerung und die Gewerbetreibenden die Geschädigten sind», schreibt die Gemeinde.

Thomas de Courten regt unter anderem strengere Vorgaben für Klubs und Fantransporte an. Beim Bundesrat dürfte er damit zumindest teilweise offene Türen einrennen. Das Parlament aber hatte die von ihm vorgeschlagene Aufhebung der SBB-Beförderungspflicht bei militanten Fangruppen abgelehnt. Gleichzeitig stellen de Courten und sein Mitstreiter infrage, ob die bisherigen Massnahmen genügen, um Gewalttäter zu identifizieren sowie zu sanktionieren und ob die Polizei nicht immer wieder zu zurückhaltend vorgehe.

Zweifel an härterer Gangart

Der Vorstoss in Bern ist von sämtlichen Baselbieter Nationalräten unterzeichnet worden – ausser von Elisabeth Schneider-Schneiter. «Ich glaube nicht, dass mehr ‹Law and order› hier etwas bringt», sagt die CVP-Politikerin aus Biel-Benken. Zudem: Bei rigoroser Umsetzung reichten die bestehenden Gesetze ohnehin aus, um die Chaoten zu sanktionieren. «Vorlagen wie das Hooligan-Konkordat aber stellen sämtliche Fans unter Generalverdacht», findet Schneider-Schneiter.

Damit gibt sich de Courten nicht zufrieden: «Es kann nicht sein, dass
100 FCZ-Fans alles kurz und klein schlagen und unbehelligt davonkommen», findet er. «Und die Polizei verkauft es dann noch als Erfolgsmeldung, sie habe Schlimmeres verhindert.» Das aber könne als Ziel nicht reichen. Es brauche griffigere Massnahmen. «Die gehen nicht gegen Fans, aber gegen rohe Gewalt, die mit Fankultur nichts zu tun hat.»