«Pferde haben an der Fasnacht nichts verloren!» Dies ist und bleibt die Überzeugung von Nadja Wüthrich, Präsidentin des Tierschutzbundes Basel Regional. Trotzdem kämpft sie nicht mehr aktiv gegen Chaisen, also Pferdekutschen, an der Fasnacht. «Man hat kaum eine Chance, an die Leute mit Chaisen aus der Oberschicht heranzukommen.» Die Forderung ihres Verbandes nach einem Verbot von Pferden an der Fasnacht sei im Februar 2016 rasch verhallt. «Geändert hat sich seither nichts», sagt Wüthrich. Noch nicht.

Denn hinter den Kulissen hat sich etwas getan, wie einem Schreiben des Veterinäramtes und des Fasnachts-Comités an Chaisen, Cliquen, Kutscher und Vorreiter zu entnehmen ist. Sie alle werden eingeladen, an einem Informationsabend im Januar teilzunehmen, um zu erfahren, wie «die Anliegen des Tierschutzes künftig sichtbar berücksichtigt und überwacht» werden sollen. Gleichzeitig wird ihnen zugesichert, dass sie nicht auf ihre Pferde verzichten müssen: «In sehr konstruktiven Gesprächen wurden Massnahmen festgelegt, die sicherstellen sollen, dass die traditionelle Teilnahme der Chaisen und Vorreitern an der Fasnacht weiterhin gepflegt werden kann», steht im Brief.

Zürcher Sechseläuten als Vorbild

Um welche Massnahmen es sich handelt, geben Kantonstierarzt Michel Laszlo und Comité-Obmann Christoph Bürgin erst an der Veranstaltung selber bekannt. Nur das: «Dem Tierschutz und Wohl der Pferde wird in angemessener Weise Rechnung getragen», verspricht Laszlo und verweist auf eine aktuelle Untersuchung der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Zürich.

Diese habe das Thema anlässlich des Sechseläutens beleuchtet und «die Belastung für die Pferde an solchen Anlässen aus tiermedizinischer Sicht als moderat und zumutbar» beurteilt. «Wir möchten die wissenschaftlichen Aussagen im Rahmen unserer Möglichkeiten prüfen und bestätigen», sagt Laszlo. Er geht davon aus, dass sich die Ergebnisse mit jenen aus Zürich decken werden – «sonst müsste man allenfalls nochmals über die Bücher gehen».

Videos von gestressten Pferden

Tierschützern wie Nadja Wüthrich reichen Massnahmen allein nicht. Sie stehen nach wie vor für eine Fasnacht ohne Pferde ein. Am aktivsten in dieser Sache ist der Basler Polizist Olivier Bieli, der den Gnadenhof Papillon für Tiere in Not im Elsass betreibt. Nach der vergangenen Fasnacht hat er eine Kampagne gegen Pferde an der Fasnacht lanciert. In einem offenen Brief an das Fasnachts-Comité hielt er fest, dass «Pferde bekanntermassen Fluchttiere sind und daher sichtlich ungeeignet für den Einsatz an einem lauten, teils nervösen und mit hoher Teilnehmerzahl besuchten Anlass». Er belegte dies mit Videos von gestressten und schäumenden Pferden, die er während der Fasnacht aufgenommen hat.

Sein Aufruf hat offenbar gewirkt. Zwar komme man der Forderung nach einer Fasnacht ohne Tiere nicht nach, sagt Michel Laszlo, aber: «Wir haben den Ruf durchaus vernommen.» Olivier Bieli seinerseits ist stolz, dass «unsere wichtige Tierschutzarbeit wenigstens winzige Früchte trägt». «Es zeigt, dass das Comité mit dem Festhalten an einer nicht mehr zeitgemässen und für den Zuschauer gefährlichen Tradition unter Druck gerät.» Von der geplanten Infoveranstaltung hat Bieli von der bz erfahren. Seiner Meinung nach wäre es bereits ein Erfolg, wenn die ausgehandelten Massnahmen bedeuten würden, dass die Chaisen getrennt von Cliquen und Guggen fahren müssen.

Fernziel bleibe aber, eine Fasnacht ohne Pferde durchführen zu können. Und dafür werde er weiter kämpfen.