In einschlägigen Kreisen ist Peter L. Müller bekannt wie ein bunter Hund. Als Inhaber des Modellshops an der Mülhauserstrasse, Präsident der Basler Sektion der Internationalen Plastikmodellbau-Vereinigung und Organisator der alljährlichen Modellbautage anfangs Oktober in Münchenstein kommt keiner um ihn herum, der in der Region dem Hobby des Modellbaus frönt. Nur für eines war Müller bisher nicht bekannt: dass er etwas mit Modelleisenbahnen am Hut hat.

Genau das möchte er jetzt ändern. Das Aus des Traditionsgeschäfts Bercher & Sternlicht am Spalenberg nimmt der 56-Jährige zum Anlass, sein Sortiment im Modellshop um die Sparte Modelleisenbahnen zu erweitern. So kündigt er an, dass er schon ab Ende dieser Woche eine breite Auswahl der gängigen Spurweiten und Marken wie Märklin, Trix, Liliput, LGB sowie Zubehörhersteller wie Faller anbieten wird. Die entsprechenden Verträge mit dem Schweizer Importeur hat er soeben abgeschlossen, die Waren bereits bestellt und im Voraus bezahlt. Die Investition für diese Erweiterung des Sortiments liegt laut Müller im fünfstelligen Bereich.

Doppeltes Geschäftsrisiko

«Es kann nicht sein, dass es in der Stadt Basel kein einziges Modelleisenbahngeschäft mehr gibt», begründet der Geschäftsführer seine Motivation, «es braucht unbedingt wieder eines.» Darüber hinaus plant Müller, die populärste Hinterlassenschaft überhaupt von Bercher & Sternlicht wiederzubeleben: Die Modelleisenbahnanlage im Schaufenster, die sich von Passanten per Knopfdruck in Betrieb setzen lässt. «Zwar nicht mehr am Spalenberg, aber immerhin am Kannenfeldplatz», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Ganz ohne geschäftliches Risiko ist sein Vorhaben indessen nicht. Dies gleich in doppelter Hinsicht: Erstens muss auch er sich dem grossen Konkurrenz- und Preisdruck durch internationale Internetanbieter stellen. Schliesslich hat es gute Gründe, dass in Basel die «Ysebahnlädeli» wie Beltrami oder Bercher & Sternlicht einer nach dem anderen verschwunden sind. Zweitens muss sich Müller zuerst noch den Ruf erarbeiten, dass er auch etwas von Modelleisenbahnen versteht, um den entsprechenden Interessentenkreis an den weit von der Laufkundschaft entfernten Kannenfeldplatz zu locken. Nach dem Aus der städtischen Fachgeschäfte haben sich die Kundenströme deutlich hin zu den Baselbieter Spezialisten Hamwaa in Pratteln und Hobby-Shop in Gelterkinden verlagert.

Modellbauexperte Müller gibt sich zuversichtlich: «Laut Lieferanten besteht eine Nachfrage in der Stadt Basel. Da ich selber auch online handle, bin ich überzeugt davon, dass beides unter einem Dach funktioniert.» Ausserdem hat er mit seinem neuen Partner im Laden, Werner Brodbeck, einen Fachmann an der Theke, der früher selber mit Modelleisenbahnen gehandelt hat. «Ich mache das alles aus Plausch», gibt sich Müller gelassen, «und schliesslich ist Modellbau Modellbau, egal ob es sich um Flugzeuge oder Häuser für die Modelleisenbahn handelt.»