Die zwei zusätzlichen Millionen Franken für das Kunstmuseum seien nachvollziehbar. Um den Betrieb langfristig aufrechterhalten zu können, brauche das Museum genügend Ressourcen. So weit sind sich die Mitglieder der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission (BKK) und die Basler Regierung einig. «Das Kunstmuseum ist ein Leuchtturm der Basler Kultur und darf auch entsprechend ausgestattet sein», findet SVP-Grossrat Joël Thüring. «Wenn Basel als Kulturstadt Exzellenz bieten will, kostet das auch etwas», ergänzt Heiner Vischer in seiner Rolle als Kommissionspräsident des Naturhistorischen Museums.

Vom Ausmass überrascht

Doch dann ist es mit der Einigkeit auch schon vorbei. So vertritt etwa die SVP die Meinung, dass die zwei Millionen innerhalb des Kulturbudgets zu kompensieren seien. Voraussichtlich werde die Partei in der Budgetdebatte des Grossen Rats vom Dezember einen entsprechenden Antrag stellen, sagt Thüring. «Wir können nicht immer mehr zahlen, sondern müssen Prioritäten setzen.» Dieser Meinung ist zwar auch der Freisinnige Stephan Mumenthaler, gleichzeitig glaubt er aber nicht, dass so kurzfristig zwei Millionen zu kompensieren wären: «Wir müssen das Geld wohl ausgeben. Wir können nicht einen Neubau hinstellen und ihn dann nicht betreiben.»

Und die Kritik aus dem Parlament geht weiter: Dass das Kunstmuseum bisher kein Betriebskonzept habe oder grundlegende Systeme für effektive und effiziente Abläufe fehlten, ist für die Grossratskommission nicht nachvollziehbar. «Es ist irritierend, dass es so weit gekommen ist, ohne dass jemand dafür geradestehen muss», kommentiert SP-Grossrätin Franziska Reinhard. «Ich hoffe aber, dass das Museum jetzt auch wirklich fit wird.»

Eine solche Betriebsanalyse sei schon lange fällig gewesen, sagt der Grüne Thomas Grossenbacher. In den nächsten Jahren sollen solche Überprüfungen auch für die anderen vier staatlichen Museen in Basel folgen. «Wir brauchen endlich eine Gesamtschau über Zustand und Businesspläne der Museen, um auch entsprechend Prioritäten zu setzen», ergänzt er. Bisher habe der Grosse Rat immer nur Einzelentscheide fällen können, ohne das Gesamtbild zu kennen. Eigentlich sollte das neue Kulturbild bereits vorliegen, genauso wie das neue Museumsgesetz, sagt auch Vischer.

Nächste Baustelle angekündigt

Dem Grossen Rat ist denn auch bewusst, dass auf die gestern präsentierte Betriebsanalyse vier weitere folgen werden. «Mit welchen Überraschungen müssen wir noch rechnen?», fragt sich FDP-Grossrat Mumenthaler. Befürchtet wird im Parlament, dass sich hier noch einige Finanzlöcher auftun werden. So bestätigte Co-Kulturchefin Sonja Kuhn gestern denn auch, dass als Nächstes beim Historischen Museum mit der schwierigen Depotsituation sowie baulichen Problemen noch einiges folgen dürfte.

Das Parlament könne nicht ein Projekt nach dem anderen mit jeweiligen Mehrkosten bewilligen, sind sich Thüring und Mumenthaler einig. Im Auge haben sie insbesondere auch die Neubaupläne für das Naturhistorische Museum. «Zumindest brauchen wir vorher ein Gesamtbild mit einer entsprechenden Strategie», betont Mumenthaler. «Diese Diskussion steht uns erst noch bevor.»