Die Reparaturarbeiten an der Unfallstelle vor dem Basler Bahnhof SBB, wo am Mittwoch ein ICE-Zug entgleiste, sind abgeschlossen. Am Basler Bahnhof können seit Samstag um 13 Uhr wieder alle Züge normal verkehren.

Bereits ab Donnerstagmorgen fuhren alle S-Bahnen gemäss Fahrplan. Im Fernverkehr verkehrten die meisten Züge, teilweise aber im ausgedünnten Takt. Die SBB setzten aber Sonderzüge ein. Die internationalen Züge nach Frankreich waren vom Vorfall nicht betroffen.

Bereits am Freitagmittag waren alle Zugteile von der Unfallstelle entfernt. Die beiden intakten Teile des ICE konnten zum Badischen Bahnhof überführt werden, die zwei beschädigten Waggons wurden weggestellt. Darauf sicherte die unabhängige Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (Sust) die letzten Spuren am Oberbau. Nach der endgültigen Freigabe der Schadensstelle konnten die SBB mit den Reparaturarbeiten beginnen.

Die Arbeiter mussten zahlreiche Weichenzungen, die beweglichen Teile der Weiche, und Herzstücke auswechseln. Eine der Weichen wurde komplett ersetzt. Der Ersatz traf am Freitagmittag in Basel ein.

Nach der Entgleisung: Arbeiten im Bahnhof Basel SBB

Nach der Entgleisung: Arbeiten im Bahnhof Basel SBB

   

Am Donnerstagmorgen hatte ein Schienenkran begonnen, die drei betroffenen Waggons wegzuräumen. Die Untersuchungsbehörde Sust gab diese um 9.45 Uhr frei. Die anderen Teile des entgleisten ICE waren über Nacht unter Beizug deutscher Fachleute abgetrennt und weggeschoben worden.

Die sonst zum Bergen entgleister Fahrzeuge verwendeten Hydraulikzylinder könne man bei diesem Unfall nicht verwenden, sagte vor Ort Einsatzleiter Martin Spichale vor den Medien: Mangels Platz habe man diese nicht unter die ICE-Waggons bekommen. Der deswegen angeforderte Schienenkran sei auch schonender für die Geleise.

Ursache für Unfall noch unklar

Weiter unklar ist die Unfallursache, wie Mediensprecherin Franziska Frey sagte. Walter von Andrian, Chefredaktor der Schweizer Eisenbahn-Revue, äusserte sich gegenüber der Basler Zeitung. «Denkbar ist, dass ein Schaden am Fahrzeug zum Unfall in Basel geführt hat. Beispielsweise ein Schaden an einem der Fahrwerke.» Möglich sei auch, dass sich ein Bauteil eines vorausfahrenden Waggon gelöst habe, auf dem Gleis liegen geblieben sei oder auch ein Defekt an einer Schiene oder einer Weichenzunge, dem schwenkbaren Teil der Weiche. Von Andrian bestätigte seine Aussagen gegenüber der bz und ergänzte, dass auch ein Fremdkörper auf dem Gleis die Ursache für die Entgleisung sein könnte.

Auch wie lange die Abklärungen dauern, ist unklar. «Zur Zeit können wir keine Prognose nennen», beantwortete das Sust eine Anfrage der bz. Es verwies darauf, dass die wahre Ursache der Entgleisung eines Cisalpino ETR 610 in Luzern noch nicht bekannt sei. Der Unfall ereignete sich im März diesen Jahres

Der Sachschaden liegt laut SBB-Medienstelle in Millionenhöhe. Je nach Resultat der Ursachenermittlung könnte die eine der andernen Bahn die Kosten in Rechnung stellen.

Gemäss SBB-Instandhaltungsleiter Edgar Renz war die betroffene Schienenanlage erst diesen September teilweise ersetzt worden, also fast neu. Entgleist sind drei Waggons in der Mitte des Zuges, darunter der Speisewagen. 

Der ICE steht noch immer neben den Gleisen

Mittwochnachmittag: Der ICE steht noch immer neben den Gleisen

Der betroffene ICE gehört laut Deutsche Bahn (DB) zur technisch überholten ersten Modellreihe ICE 1, die vor 26 Jahren eingeführt wurde. Drei Waggons des einfahrenden ICE 75 (Hamburg Altona–Basel SBB–Zürich HB–Chur) aus Hamburg waren am Mittwoch kurz vor 17 Uhr entgleist.

Die Aufräumarbeiten am ICE laufen auf Hochtouren

Die Aufräumarbeiten am ICE laufen auf Hochtouren

Der Unfallzug konnte evakuiert werden: Rund 500 Passagiere verliessen den Zug durch die vorderen Wagen aufs Perron; verletzt wurde niemand. Ein Waggon hatte aber einen Signalmast auf eine Fahrleitung gekippt, was einen Kurzschluss auslöste. In der Folge stand der ganze Bahnhof zwei Stunden still. Laut dem Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement wurden keine Personen verletzt. Die entgleisten Waggons des Zuges aus Hamburg touchierten ein Einfahrtssignal, das auf die Fahrleitung knickte. Aus diesem Grund war der Bahnhof SBB vorübergehend ohne Strom. (psc/clh/zam/sda)